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Mietshaus in der ul. Sabelina

1. März 2018

Im 17. Jahrhundert wurde unweit des Jausa-Tores ein Salz- und Fischhof errichtet – ein geschlossenes Viertel mit Paradeeinfahrten und kleinen Türmchen. Im Erdgeschoss gab es keine Fenster aus Angst vor Dieben. Unter den Gebäuden zog sich ein riesiger Keller entlang, in dem Salz gelagert wurde. Bis zum Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts wurde der Salzhof für den Handel mit Salz und Pottasche sowie eingesalzenem Fisch genutzt. Dann wurde der Salzhof abgetragen. Auf Betreiben der Moskauer Kaufmannsvereinigung wurde zwischen 1912 und 1915 der große graue Wohnkomplex in der Nähe der Metro Kitaigorod gebaut. Seine Bewohner nennen es traditionell das „Salzhaus“. Das Erdgeschoss mit großen Schaufenstern war für Geschäfte vorgesehen. In den fünf Etagen darüber waren Wohnungen geplant. Die zweistöckigen Kellerräume wurden zum Lager umgebaut, inklusive einer gut durchdachten Belüftung und natürlichem Licht durch eingebaute Glassteine. Während des Krieges dienten sie als Luftschutzkeller. Zuerst wurden dort Lebensmittel und Waren des täglichen Bedarfs untergebracht. Später befanden sich dort unterirdische Garagen und Werkstätten des Ministeriums des Innern. Wegen der zunehmenden Feuchte wurden sie aber bald aufgegeben und die Kellerräume bevölkerte Diebsgesindel, das dort unten geklaute Autos und Motorräder auseinanderbaute.  Zu Beginn des 21. Jahrhunderts erinnerte man sich wieder an die bereits verfallenen Keller, es entwickelte sich eine jugendliche Szene, die sich allerdings illegal unter der Erde aufhielt. Dem Treiben wurde erst 2008 ein Ende gesetzt. Ein Teil des gesäuberten Kellers wird nun als Parkplatz für LKWs genutzt.

Die einzelnen Gebäude sind durch relativ enge Höfe und Durchgänge miteinander verbunden. Die Häuser wurden mit neoklassischen Fassaden versehen, die mit Figuren der Göttin des Ruhmes, die Lorbeerkränze in den Händen halten, verziert sind. Deshalb wird der Wohnkomplex auch manchmal „Haus unter den Engeln“ genannt.

Nach der Revolution verwandelte sich das Haus in ein Elitewohnhaus – hier lebten hohe Beamte, Wissenschaftler, Künstler, Ärzte, Mitarbeiter der Sicherheitsorgane. Es gab allerdings keine Privatwohnungen, alle lebten in der damals weit verbreiteten Form der Kommunalwohnung, doch viele Familien nannten zwei oder gar drei Zimmer ihr Eigen und beschäftigten Dienstpersonal.

Nach dem Krieg zog eine neue Generation von Bewohnern ein. Abgeschlossene Wohnungen entstanden. 1985 begann man das Mietshaus zu sanieren, den Bewohnern wies man Wohnungen in Chimki und Chovrino (am äußersten Stadtrand Moskaus) zu, viele von ihnen blieben jedoch im „Salzhaus“ wohnen.

Im Gebäude 2, Eingang von der ul. Sabelina, befindet sich seit 2005 die Galerie Soljanka, in der vorrangig moderne Kunst installiert und ausgestellt wird, Infos unter http://new.solyanka.org/.

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From → Architektur

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