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Die Zukunft Moskaus aus der Sicht von 1914

1. März 2018

Einige Monate vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges brachte die Konditoreiwarenfabrik „Einem“ (später Roter Oktober) Schokoladenkonfekt zum Thema „Moskau in der Zukunft“ heraus. In jeder Schachtel lagen acht Postkarten mit Aufdrucken, wie sich die Menschen damals Moskau zwischen 2114 und 2259 vorstellten. Ist das alles immer noch Phantasie oder wurden vielleicht Projekte verwirklicht???Der Zentrale Bahnhof

Erwartung: Die Winter sind immer noch kalt und schneereich wie vor 200 Jahren. Der Bahnhof wird für den Luft- und Landverkehr genutzt, alles läuft schnell, reibungslos und bequem für die mehr als 10 000 Ankommenden und Abfahrenden. Wer es wünscht, kann sich mit der Geschwindigkeit von Telegrammen bewegen.

Realität: Solch ein Bahnhof sollte zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts im Zentrum Moskaus gebaut werden mit dem Ziel, alle Eisenbahnstrecken miteinander zu verbinden und auch die Metro, damals nur ein Projekt, zu integrieren. Doch bereits zu Beginn der zwanziger Jahre wurde dieser Plan aufgegeben.

Moskworezkij Brücke

Erwartung: Der Kreml dominiert nach wie vor das Moskwa-Ufer. Doch gleich daneben stehen mächtige Gebäude von Fabriken, Handelsunternehmen, Vereinigungen. Schwebebahnen verbinden sie in der Luft.

Realität: Seit 2004 gibt es die Einschienenbahn – keine Schwebebahn und nicht im Zentrum Moskaus, sondern im Norden im Gebiet WDNCh/Fernsehzentrum Ostankino.

Lubjanka

Erwartung: Ein klarer Abend. Das Blau des Himmels durchschneiden gerade Linien der Flugzeuge oder der Schwebebahnen in der Luft. Lange Wagenzüge der Metro schnellen unter der Brücke hervor. Über den Platz reiten unsere guten Soldaten, noch in der damaligen Uniform. Ein Luftschiff der Firma „Einem“ bringt Schokolade in die Geschäfte von Tula.

Realität: Das Gebäude des Kinderkaufhauses, 1957 gebaut, sieht aus wie auf der Postkarte und auch die Metrostation Lubjanka ist fast genau dort, wo man sie erwartet hatte.

Der Moskau-Fluss

Erwartung: Ein belebter, lauter Fluss, auf dem viele Schiffe unterwegs sind. Durch klares Wasser steuern viele Handels- und Frachtschiffe, aber auch Passagierschiffe, den großen Hafen an. Kriegsschiffe gibt es keine! Menschen in allen möglichen Trachten sind zu sehen, denn Moskau ist ein Welthafen!

Realität: Nach dem Bau des Wolga-Moskwa-Kanals und einiger anderer Wasserwege wurde Moskau zum „Hafen der fünf Meere“, das heißt, Schiffe können aus dem Schwarzen und Weißen Meer, der Ostsee, dem Asowschen und Kaspischen Meer kommen. Die ganz großen allerdings müssen ihren Weg am Nördlichen Flusshafen beenden.

Petrowskij Park

Erwartung: Im weitläufigen Park mit breiten Alleen und Springbrunnen spazieren die Moskauer umher. Über ihnen durchziehen Luftschiffe die saubere Luft. Im restaurierten Palast befindet sich ein Museum, dass der Epoche Peters I. gewidmet ist.

Realität: Nach elfjähriger Rekonstruktion öffnete der Petrowskij Palast 2009 seine Pforten, allerdings nicht für die Allgemeinheit, sondern für ein Hotel, Pressezentrum und einen Konzertsaal.

Der Rote Platz

Erwartung: Hier geht alle drunter und drüber …

Lärm von Flugzeugen, Straßenbahnen klingeln, Fahrräder ebenfalls, lautes Motorengeräusch, hupende Autos, rufende Menschen, Schatten der Luftschiffe, im Zentrum des Platzes steht ein Polizist mit einem Säbel. Zögernde Fußgänger bahnen sich ihren Weg.

Realität: In den sechziger Jahren wurde der Rote Platz für den Autoverkehr gesperrt.

Petersburger Chaussee

Erwartung: Ein schöner klarer Wintertag 2259, das alte „Jar“ dient den Moskauern immer noch als Treffpunkt für fröhliche Unternehmungen. Damit man bequem von Moskau nach Petersburg reisen kann, wurde die Chaussee in eine spiegelglatte Eisbahn verwandelt, auf der Luftschlitten hin- und her rasen. Verkäufer auf kleinen Schlitten bieten Sbiten und Piroggen an, man bleibt seinen Traditionen treu.

Realität: Das Restaurant „Jar“ gibt es tatsächlich noch auf dem Leningrader Prospekt. Und die Chaussee verwandelt sich zum Glück nach heftigen Wintereinbrüchen nur noch kurzzeitig in eine Eisbahn …

Der Theaterplatz

Erwartung: Wie überall im Zentrum hat sich das Tempo des Lebens vervielfacht. In der Luft, auf Rädern und auf Schienen ist alles in blitzschneller Bewegung. Das bereits 1846 errichtete Handelshaus Muir & Mirrielees Co. hat gigantische Ausmaße angenommen. Die Abteilungen in den oberen Etagen werden über Bahnhöfe in der Luft versorgt. Irgendwo in der Ferne ist ein Feuer zu sehen, das augenblicklich aus der Luft gelöscht wird.

Realität: Feuerlöschflugzeuge gibt es in der Hauptstadt schon seit den dreißiger Jahren, seit den sechziger Jahren kamen dann auch Hubschrauber zum Einsatz. Und im Kaufhaus befindet sich heute das ZUM.

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From → Moskau

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