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Lesekreis – Buchtipp

1. Februar 2018

Unser letztes Zusammentreffen im Jahr 2017 führte uns in die Wirren der Märzrevolution von 1848.
Wir diskutierten das Buch von Dirk Kurbjuweit „Die Freiheit der Emma Herwegh“. Erzählt wird die Geschichte selbst von der 80jährigen Emma. Inzwischen verwitwet und verarmt erzählt sie ihre Lebensgeschichte dem Schriftsteller Frank Wedekind.
Georg Herwegh lernte im Jahr 1842 Emma Siegmund kennen, die Tochter des reichen Tuchlieferanten des Königs. Er war fasziniert von ihrem politischen Interesse und ihren revolutionären Gedanken. Anfangs noch von Zweifel wegen ihrer bürgerlichen Herkunft gepackt, heiratete er Emma 1843.
Gemeinsam wollten sie „lieben und hassen“, wie Herwegh es in seinem Gedicht „Lied vom Hass“ beschrieb. Wegen Majestätsbeleidigung mussten sie alsbald Preußen verlassen und siedelten in die Schweiz über. Hier verkehrten sie mit Zeitgenossen wie Heine, Liszt, Marx und Bakunin. Hier lernten sie auch die Familie von Alexander Herzen kennen, einem russischen Philosophen und Schriftsteller. Georg Herwegh begann eine Affäre mit Natalie, der Frau von Herzen. Emma ertrug diese Situation. Ja, sie wurde benutzt, instrumentalisiert, um die Beziehung der beiden aufrecht und geheim zu halten. Politisch engagiert zog sie dennoch mit ihrem Mann in den Krieg und rettete ihm nach der verlorenen Schlacht das Leben. Trotz der nicht immer sehr sympathischen Figuren, entfaltet der Roman einen Sog, dem man sich schwer entziehen kann.
Emma Herwegh – eine zerrissene Frau. Wie konnte sie das alles nur ertragen? Mutig und tapfer verteidigt sie ihre revolutionären Gedanken, lässt ihnen Taten folgen und ordnet sich dennoch den Schmähungen ihres Mannes und des Zeitgeistes unter. Sicher hätte sie sich zu dieser Zeit als Frau nicht politisch engagieren können – schon gar nicht in den Krieg ziehen können – ohne ihren Mann.
Dirk Kurbjuweit setzt mit seinem Buch der fast vergessenen Emma Herwegh ein bleibendes Denkmal.

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