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Preise für die beste Rekonstruktion 2017

1. Januar 2018

Im Dezember vergangenen Jahres zeichnete der Moskauer Bürgermeister die Preisträger des Wettbe-werbes um die beste Rekonstruktion 2017 aus. Darüber, was und wie in der Hauptstadt restauriert wird, kann man geteilter Meinung sein, doch eins ist Fakt – an allen Ecken und Enden wird saniert oder eben auch nur gestrichen. Über einige der Preisträger soll im Folgenden berichtet werden.

Die Spitze des Außenministeriums
Die Rekonstruktion des Stalinhochhauses auf dem Smolenskaya Platz wurde im letzten Jahr zwar mit Mitteln des Ministeriums durchgeführt, jedoch zählt das Gebäude zu denen, die die Stadtansicht prägen.
Nach dem Krieg wurde die Idee geboren, solche Hochhäuser zu bauen, um das 800-jährige Jubiläum Moskaus würdig feiern zu können. Die Gebäude waren als Geschenk für die Stadt gedacht, jedes von ihnen sollte ein Jahrhundert Geschichte versinnbildlichen. Für alle wurde am 7. September 1947 symbolisch der Grundstein gelegt.
Zu den ersten Projekten, die nach dem Krieg verwirklicht wurden, gehörte das Außenministerium. Die Architekten Minkus und Helfreich projektierten das Gebäude, sie wurden 1949 mit dem Stalinpreis ausgezeichnet. Ursprünglich war kein Turm mit Spitze geplant, der Aufsatz kam erst später hinzu, nachdem auf den Plänen für die anderen Stalinschwestern Spitzen und Türme zu sehen waren. Der Turm besteht aus einer leichten Metallkonstruktion. Von Zeit zu Zeit wurde sie neu angestrichen, doch Regen und Wind setzten dem Turm so sehr zu, dass 2010 zu einer Rekonstruktion geraten wurde. Die Konstruktion wurde 2016 entfernt und detailgetreu wieder aufgebaut. Auch der obere Teil des Außen-ministeriums wurde in die Sanierung einbezogen. So strahlt nun auch das Wappen der Sowjetunion in neuem Glanz. Die Spitze erfüllt nur dekorative Zwecke, innen befindet sich eine Treppe für Wartungsarbeiten.

Villa von Reck
Lange Zeit starrte die Villa der Familie von Reck in der ul. Pyatnitskaya 64 vor Dreck. Das ehemalige Haus des Bauunternehmers, das Ende des 19. Jahrhunderts vom Architekten Sherwood, dem Sohn des Erbauers des Historischen Museums, geplant wurde, leuchtet nun wieder in den Originalfarben. Die Fassade ist reich verziert mit Stuckelementen und Säulen. Das riesige Fenster im Erdgeschoss wird von zwei Frauenskulpturen flankiert. Die linke Seite des Gebäudes wird von einem achteckigen Turm mit runden Fenstern geprägt. Links und rechts neben den Säulen liegen Löwen. Nach der Ok-toberrevolution wurden die Hausbesitzer enteignet. Im „Haus mit den Löwen“ residierte das Bezirksparteikomitee. 1918 trat dort Lenin auf.

Villa Gutheil
Das Wohnhaus in der Deneshny Gasse stammt aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Es wurde nach dem Brand 1812 gebaut, seine jetzige Form erhielt es nach einem Umbau in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts. Gutheil, ein Deutschrusse, erbte von seinem Vater einen Verlag, der Noten russi-scher und ausländischer Komponisten herausgab. Besonders widmete er sich Rachmaninow, dessen Talent er sehr schätzte. Er verlegte schon seine Diplomarbeit, die Oper „Aleko“. Nach den Verfolgun-gen der Deutschen 1915 musste Gutheil Geschäft und Verlag verkaufen, er verließ Russland. Jetzt gehört das Haus dem russischen Außenministerium.

Anwesen Ostafjewo
Seit der Erweiterung der Stadtgrenzen gehört der Herrensitz aus dem 18. Jahrhundert nun zu Moskau.
Das Landgut befindet sich in einem schönen Park mit See. Im Museum wird eine in Russland einzigartige Medaillensammlung gezeigt, die mehr als 50 000 Exponate umfasst.
Das Anwesen ging in die Geschichte der russischen Fliegerei ein – 1803 landete auf dem Territorium Praskowja Gagarina, die erste russische Frau, die mit einem Ballon fuhr. Lange wurden dessen Überreste in Ostafjewo aufbewahrt. Im literarischen Salon verkehrten viele russische Schriftsteller, unter ihnen Puschkin, Gribojedow, Batjuschkow und Gogol. Ende des 19. Jahrhunderts befand sich das Gut im Besitz von Scheremetjew, der sich sehr um den Erhalt der Adelskultur bemühte und das Anwesen 1899 anlässlich des hundertsten Geburtstages von Puschkin in ein Museum verwandelte. 1930 wurde es geschlossen und die Kunstgegenstände verteilte man auf andere Einrichtungen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde im Haus ein Sanatorium für den Ministerrat der UdSSR eingerichtet, in dem sich auch sowjetische Schriftsteller erholen durften. 1988 erhielt das Ensemble den Status eines Museums zurück, seine Exponate kehrten zurück. Inzwischen wurde es innen und außen restauriert. Zu jeder Jahreszeit ist es schön einfach dort nur spazieren zu gehen.

Vielerorts gelang es auch, die Inneneinrichtung der Gebäude zu erhalten oder zu rekonstruieren wie beispielsweise im Anwesen der Familie Tatischtschev, Petrowskij Boulevard 8, mit seinem wundervollen Parkett.
Liebevoll saniert, sowohl innen als auch außen, wurde das Botkin-Haus in der Petroverigskij Gasse 4, heute Sitz der Russischen Militärhistorischen Gesellschaft.
Am Hotel von Kokorjew aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts am Sophienufer neben der So-phienkirche und gegenüber vom Kreml besticht der lange, über die gesamte Fassade reichende gussei-serne Balkon, der in Sowjetzeiten verloren ging.

Zu den Kirchengebäuden, die restauriert wurden, gehören die Erzengel Michael Kirche im Donkloster und der Glockenturm des Roshdestvensky Klosters auf dem gleichnamigen Boulevard.
Auch in den Parks wurde viel getan. Der Haupteingang in den Gorkipark wurde erneuert. Auf dem Gelände der WDNCh wurden neue Blumenbeete und Pflanzenlandschaften angelegt. Restauriert wurden das Puschkin-Denkmal an der Metro Twerskaya, das Gorki-Denkmal steht wieder auf dem Platz vor dem Weißrussischen Bahnhof und auch das Grab der Familie Tarasov auf dem Armenischen Friedhof wurde restauriert.

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From → Architektur

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