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Die Gnesin-Musik-Akademie

1. Januar 2018

Die Akademie der Familie Gnesin kann auf eine lange Geschichte zurückblicken.
Die zukünftigen Gründerinnen der Akademie, Jevgenya, Jelena und Maria Gnesin, wurden in einer kinderreichen Familie in Rostow am Don geboren. Ihre Eltern, die die Musik sehr liebten, schickten die Mädchen an das Moskauer Konservatorium. Nach dem Tod des Vaters begann die begabteste unter ihnen, Jelena, als Pädagogin am Arsenjev-Gymnasium, einer elitären Bildungseinrichtung für Frauen, zu arbeiten. Außerdem trat sie als Pianistin auf.
Nachdem auch die dritte Schwester mit ihrer Ausbildung am Konservatorium fertig war, eröffneten sie am 15. Februar 1895 gemeinsam eine Musikschule. Anfangs unterrichteten sie alle Klassen selbst, da ihnen die Mittel fehlten, um andere Lehrer einzustellen.
Die Schwestern strebten nach einer eigenen Methodik, sie wollten sich vom Konservatorium abgrenzen und eine Alternative dazu bieten. Alle drei legten großen Wert auf eine allumfassende Ausbildung ihrer Schüler. Neben den Klassen für Klavier und Violine gab es theoretische Fächer sowie Kurse für Chor- und Ensemblemusik. Damit unterschieden sie sich von anderen privaten Musikschulen Moskaus.
Die Gnesin-Musikschule wurde schnell bekannt und auch erwachsene Schüler bereiteten sich dort auf den Eintritt ins Moskauer oder Petersburger Konservatorium vor.
Abends verwandelte sich die Musikschule in einen musikalischen Salon, den viele berühmte Komponisten und Künstler besuchten, unter ihnen beispielsweise Sergej Tanejev. Ein interessanter und damals ungewöhnlicher Fakt – neben klassischer Musik legten die Schwestern auch Wert auf freie Kompositionen.
Nach der Revolution 1917 erreichten die Schwestern, dass ihre private Bildungseinrichtung weiter bestehen durfte. Auf Geheiß Anatoli Lunatscharskijs, damals Minister für Volksbildung, mit dem Jelena bekannt war, erhielt die Schule 1925 sogar den Status des Staatlichen Musikalischen Gnesin-Technikums, ein Teil davon war die Musikschule für Kinder. 1936 schließlich wurde sie umgebildet zur Staatlichen Gnesin-Musikhochschule.
Das erste Hochschulgebäude, das im sowjetischen Moskau gebaut wurde, war die Gnesin-Musik-Akademie. Aufgrund des Krieges konnte der Hauptkomplex erst 1946 fertiggestellt werden. Zu Kriegs-beginn wurden die Gnesins nach Swerdlowsk, Joschkar-Ola und Kasan evakuiert. Doch Jelena kehrte bereits 1942 nach Moskau zurück und begann, Konzertbrigaden für Auftritte an der Front vorzubereiten.
1958 wurde in der Maly Rshevsky Gasse ein Konzertsaal gebaut. 1989 eröffnete das Institut einen musikalischen Salon im Schuvalov-Haus. Heute besetzt das „Gnesin-Kombinat“, wie es in der Stalinzeit genannt wurde, mehrere Häuser in der ul. Povarskaya.
Das Bildungsangebot im Gnesin-Institut ist heute dem des Konservatoriums ähnlich und doch gibt es einen entscheidenden Unterschied – die Absolventen des Konservatoriums arbeiten vorwiegend als Musiker und Pädagogen an Hochschulen, wohingegen an den einfachen Lehranstalten, die im ganzen Land eingerichtet wurden, ein Mangel an Musiklehrern mit Hochschulabschluss herrschte. Die Gnesin-Akademie, quasi das zweite Konservatorium in Moskau, bildet nun auch Musiklehrer aus. Seit 2011 darf sich die Bildungseinrichtung Russische Gnesin-Musikakademie nennen.
Es lohnt sich, auch dort das Konzertprogramm anzuschauen, es ist sehr umfangreich und zum Teil kostenlos. Wir besuchten am Silvesterabend ein sehr nettes Konzert, ein Kammerorchester spielte schöne Stücke von Grieg, Dvorzak, Schtschedrin und interessante Eigenkompositionen in quasi familiärer Atmosphäre. Infos unter http://www.gnesin-academy.ru/.

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From → Moskau

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