Zum Inhalt springen

Von Moskau bis nach Rostov am Don

1. November 2017

Um den Fluss Don ranken sich viele Mythen und Geschichten.

Schon der Verlauf des Don ist sehr interessant. Der 1.870 km lange Fluss hat seine Quellflüsse nur etwa 150 km südlich von Moskau. Von dort fließt er als idyllischer naturbelassener Fluss Richtung Süden, macht dann einen großen Bogen nach Südosten, bis fast an die Wolga. Im Jahre 1952 wurde hier der 101 km lange Wolga-Don-Kanal eingeweiht, der die beiden Flüsse Wolga und Don miteinander verbindet. Er wurde von Strafgefangenen des Gulag Systems realisiert, wobei fast 15.000 Menschen ihr Leben lassen mussten. In Kalatsch am Don, im Russischen gleichbedeutend mit Flussschlinge, macht der Don eine scharfe Kurve und fließt wieder nach Südwesten. Ab hier wird der Don zu einem riesigen Stausee, dem Zimljansker Stausee, der an seiner breitesten Stelle unglaubliche 38 km misst und eine Länge von über 300 km hat. Am Anfang des Sees liegt der Ort Wolgodonsk mit der Staumauer, die hier von 1949 bis 1955 errichtet wurde. Weiter fließt der Don gemächlich Richtung Rostov am Don, in das 340 qkm große Mündungsdelta und schließlich in das Asowsche Meer.

Aber zurück nach Moskau oder besser gesagt nach Tula. Der Ort liegt 220 km südlich von Moskau.

Nur 12 km südwestlich von Tula, in Jasnaja Poljana befindet sich das ehemalige Anwesen von Leo Tolstoi. Es umfasst viele Hektar Land, mit Wäldern, Wiesen, Obstbäumen, Bienenstöcken und das gut erhaltene Wohnhaus Leo Tolstois. Hier schrieb er Krieg & Frieden, Anna Karenina und vieles mehr. Das Wohnhaus, in dem er mehr als 50 Jahre mit seiner Familie lebte, kann man mit einer Führung besichtigen. Diese werden nur in russischer Sprache angeboten, aber für den nicht russisch sprechenden Besucher liegt in jedem Raum eine kurze englische Beschreibung aus. Sein Grab, das sich übrigens auch auf dem Anwesen befindet, ist nur eine mit Gras bewachsene schlichte idyllisch im Wald gelegene Erhebung, umgeben von hohen Bäumen.

Wenn man die Autobahn M2 weiter nach Süden fährt, hat man einen schönen Blick auf den Ort Zadonsk (Задонск). Es lohnt sich hier abzufahren. Sehr sehenswert ist die wunderschön erhaltene und restaurierte Wladimir Kathedrale des Mutter-Gottes-Klosters. Hier wird die Ikone der Gottesmutter von Wladimir verehrt. Sie gehört zum Nationalheiligtum Russlands und ist die wichtigste Ikone der gesamten Russischen Orthodoxie. Interessant ist auch, dass die Kathedrale (erbaut 1845-1853) vom Architekten Konstantin Andrejewitsch Thon entworfen wurde, der auch die Christ Erlöser Kathedrale in Moskau erbaut hat. Die Besichtigung ist für Frauen nur mit Rock möglich, den man sich am Eingang ausleihen kann. 100 km südlich von Zadonsk liegt der Ort Voronezh (Воронеж) am gleichnamigen Fluss Voronezh, der hier in den Don mündet.

Sehenswert ist die „Maria Verkündigungs Kathedrale“, die mit ihren 97m eine der höchsten christlich orthodoxen Gotteshäuser der Welt ist.

Zu gewissen Zeiten, u.a. Mitte August finden im Hof vor der Kathedrale schöne Märkte statt, wo man Kleider, Honig, Lebkuchen, Gewürze und vieles mehr kaufen kann.

Peter der Große ließ in Voronezh 1696 eine Werft bauen und eine Flotte errichten. Ein Nachbau seines Schiffes kann man am Ufer des Voronezh Flusses besichtigen. Da nur kleine Gruppen zur Besichtigung zugelassen werden, sollte man sich frühzeitig ein Ticket kaufen, damit man bei einer der mehrmals täglichen Besichtigungstouren dabei sein kann. Tickets gibt es in einem Häuschen direkt neben dem Schiff.

Nur 50 km südlich von Voronezh liegt der kleine Ort Kostenki (Костенки) am Ufer des Don und ist einer der bisher größten bekannten Siedlungskomplexe der Altsteinzeit. Überraschenderweise kann man in dem kleinen Ort ein interessantes Museum besichtigen mit Originalresten von runden und ovalen Behausungen aus der Steinzeit, die aus Hunderten von Mammutknochen erbaut wurden. Zu sehen gibt es außerdem zahlreiche Stein- und Knochenwerkzeuge, teilweise mit Gravierungen und Figuren aus Mammutelfenbein und Stein. Der Weg dorthin ist gut ausgeschildert.

Weiter südlich, ca 100 km von Kostenki befindet sich das Höhlenkloster Diwnogorje (Дивногорье). Das Gebiet um Diwnogorje ist seit 1991 Naturschutzgebiet. In die Kreidefelsen von Diwnogorje wurde um 1650 von Mönchen eine Kirche gehauen, die bis 1918 genutzt wurde und danach erst 1996 wieder geöffnet wurde. Der ganze Komplex besteht aus mehreren Höhlenklöstern, die man alle besichtigen kann. Innen herrschen im Sommer angenehme kühle Temperaturen. Bis zum Gipfel sind es 400 Stufen. Von dort gibt es einen Weg mit atemberaubenden Ausblicken, der zum Diwnogorje Canyon führt.

Bis zum nächsten, sehr sehenswerten Höhlenklosterkomplex „Svyato Spassky“ in  Kostomarovo (Костомарово) sind es weitere 70 km. Wie alt diese Höhlenklöster sind weiß niemand ganz genau. Es wird angenommen, dass sie im 17. Jahrhundert entstanden sind, aber sie könnten auch schon viel älter sein. Durch ein mächtiges Tor gelangt man auf einen Weg, der ansteigend zu den Klöstern führt. Die Mönche, die damals dort lebten, haben die Klöster nie verlassen und hatten nur Kontakt mit der Außenwelt durch kleine Fenster. Unter den Kommunisten wurden die Mönche umgebracht.

Im 2. Weltkrieg boten die Klöster Schutz für die russischen Soldaten. Nachdem es 1943 zu einem Treffen von Stalin und dem Metropoliten Sergius kam, wurden die orthodoxen Kirchen wiedereröffnet. Interessanterweise wurde das Kloster vorübergehend eine offizielle Heilige Katholische Kirche, bis Chruschtschow sie in den frühen 60er Jahren schließen und die externen Gebäude abbrennen ließ.

Die Atmosphäre dort ist sehr friedlich und entspannend. Schwalben nisten in den alten Gewölben der Höhlen über den heiligen Ikonen. Pilger aus ganz Russland kommen hierher. Insgesamt gibt es in dieser Gegend mehr als 40 Höhlenklöster.

Unweit von Kostomarovo liegt der kleine Ort Kolodezhnoye (Колодежное) mit einer urigen alten Wassermühle und einer Trinkwasser Quelle.

Am Ufer des Don kann man fantastisch baden, angeln, die wunderschöne idyllische Landschaft genießen und einfach die Seele baumeln lassen.

Von hier aus kann man in Belogorye über den Don auf die Autobahn A4 fahren und erreicht nach 400 km Rostov am Don. Die Autobahn ist in einem sehr guten Zustand und man durchquert einen Teil der Kornkammer Russland.

Rostov am Don (Ростов на Дону) liegt am nordöstlichen Donufer und besitzt viel historische Bausubstanz. Ähnlich wie in Moskau, wurden hier im Sommer 2017  die Straßen, Gehwege und Häuser renoviert. Besonders zu erwähnen sind die Straßen Bolschaja Sadowaja und Puschkinskaja mit zahlreichen Häusern aus der Gründerzeit, mit Theatern, Museen und Konzerthallen. Die Uferpromenade hat eine sehenswerte großzügige Flaniermeile mit vielen Restaurants und Sitzmöglichkeiten.

Im Sommer kann man hier wunderbar mit Blick auf den Don verweilen. Die Stadt besitzt sehr viele Klöster und Kirchen, insgesamt 41 an der Zahl. Eine davon ist die „Heilige Jungfrau Maria“ Kathedrale. Sie wurde 1860, wie auch die Kathedrale in Zadonsk, vom Architekten Thon entworfen. Auch sie befand sich im August 2017 unter Renovierung und konnte deshalb nicht besichtigt werden. Rostov ist einer der Austragungsorte der Fußball WM 2018.

Sehr sehenswert ist auch noch das kleine Städtchen Starocherkassk (Старочеркасская). Es liegt 35 km östlich von Rostov am Don. Der Ort stammt aus dem 16. Jahrhundert und war einst Zentrum der Don Kosaken. In diesem Ort hat sich eine typische russische Atmosphäre erhalten mit vielen kulturelle Sehenswürdigkeiten. Immer am letzten Sonntag im Monat von Mai bis September gibt es ein Kosakenfest mit Tanz, Gesang und einem Markt.

Von hieraus kann man entweder die 1100km über die Autobahn nach Moskau zurück fahren, oder man fährt quer durchs Land nach Osten an die Wolga nach Wolgograd, weiter nach Saratov, Samara, Kazan und wieder nach Moskau.

Falls man diesen Weg zurücklegen möchte, so noch ein kleiner Tipp. Unweit der Stadt Wolgodonsk liegt das großes Weingut mit Käserei Usadba Sarkel (Усдьба Саркел Tel. 8-928-176-73-49), wo man auch in einem geräumigen Gästehaus übernachten kann.

Wie heißt es doch so schön „Viele Wege führen nach Rom / Moskau“.

Advertisements

From → Russland

Schreibe einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: