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An der Jausa entlang

1. November 2017

Diese Tour zählt nicht unbedingt zu den touristischen Highlights Moskaus, doch beispielsweise mit dem Fahrrad kann man in den zeitigen Morgenstunden am Wochenende gut am Ufer der Jausa entlangfahren. Die Jausa mündet in der Nähe der Ustinskij Brücke in die Moskwa. Und hier, am Platz der Grenzer und dem Glockenturm der Dreifaltigkeitskirche mit einer funktionierenden Uhr in der Serebrjannki Gasse beginnt der Weg.

In der Serebrannyj Gasse 7 gibt es seit einigen Monaten eine Filiale des Zentrums für Seidenmalerei Tjoply veter, http://www.butikbatika.ru/. Dort stellen auch andere Mitglieder der Künstlervereinigung aus. Wenn man ein Geschenk braucht, lohnt es sich hineinzuschauen.

Eins der Wohnhäuser im sogenannten Zuckerbäckerstil erhebt sich auf der anderen Seite. Seine Fassade wurde vor kurzem gesäubert. In diesem Haus stellte Stalin in den fünfziger Jahren der Primaballerina des Bolschoi Theaters, Galina Ulanowa, eine Wohnung zur Verfügung, die heute als Museum besichtigt werden kann. Im Erdgeschoss befinden sich mehrere Geschäfte, unter anderem ein Supermarkt, dessen Einrichtung ein wenig noch an die Zeit vor siebzig Jahren erinnert, und außerdem das Kino Illusion, in dem meist ältere ausländische Filme gezeigt werden.

Läuft man den Berg hinauf, erreicht man die hinter dem Stalinhochhaus am Kotelnitcheskaya naberezhnaya in der ul. Gontscharnaya 4-6, Metro Taganskaya, die Außenstelle des Klosters auf dem Berg Athos in Griechenland. Sie wird dominiert von der Nikolai der Märtyrer Kirche hinter der Jausa. Die auf dem Berg Schvivaya gorka 1595 errichtete Kirche gehört zu den ältesten Moskaus. Archäologische Untersuchungen haben ergeben, dass sich an diesem Ort eine der frühesten Siedlungen noch vor der Gründung Moskaus befand. Im 15. und 16. Jahrhundert wurde der Hügel außerhalb der Stadt von Handwerkern besiedelt, die feuergefährliche Gewerke ausübten – Schmiede und Töpfer.
Die Vorschriften im Kloster sind streng und orientieren sich an denen auf dem Heiligen Berg. Die Sonntagsgottesdienste werden nachts ab 22.30 Uhr gefeiert. Frauen ist der Zutritt nur im Rock gestattet. Einzigartig für die russisch-orthodoxen Kirchen – am Eingang weist ein Schild darauf hin, dass Betteln verboten ist. Gegenüber befindet sich das sehenswerte Museum der russischen Ikone, http://www.russikona.ru/.

Dort, wo sich die Straße gabelt in das Jausa-Ufer und die ul. Nikolojamskaja, steht die Bibliothek für ausländische Literatur, in deren Innenhof viele Schriftsteller und Denker verschiedener Epochen in Bronze gegossen anzusehen sind. Manchmal finden hier auch interessante Ausstellungen statt.

Es geht weiter am Bernikovsky-Ufer der Jausa entlang und wir kreuzen den Gartenring. Auf der gegenüberliegenden Seite fällt ein besonderer Platz ins Auge – in zwei kleinen Häusern wurde 1996 ein Museum eröffnet, das dem sowjetischen Physiker, Dissidenten und Friedensnobelpreisträger Andrej Sacharow gewidmet ist. Kurz zuvor stehen ein Stück der Berliner Mauer sowie ein Denkmal für die russische Intelligenz.

Auf dem rechten hohen Ufer sieht man die Kirchtürme des Andronikov-Klosters. Es wurde Mitte des 14. Jahrhunderts gegründet. Die kleine Erlöser-Kirche mit dem Helmdach von 1425-27 ist wohl das älteste Gebäude Moskaus. Gegenwärtig werden im Museum der Altrussischen Malerei im Kloster viele Ikonen ausgestellt. Andrej Rubljow, ein Ikonenmaler, lebte im Kloster als orthodoxer Mönch.

Natürlich treffen wir auch auf Ingenieursbauwerke wie beispielsweise das Andronikov-Viadukt, eine Eisenbahnbrücke, die 1865 gebaut wurde und die geschmückt wird von kleinen Balkons.

Die Jausa an sich hat auch einiges zu bieten. In der Nähe von Artplay wurde 1940 eine Schleuse, eine kleine Staumauer und einem Miniwasserkraftwerk errichtet. Dort warten die Müllsammlerboote auf ihren Einsatz.

Schräg gegenüber geht es künstlerisch zu. Im ehemaligen Manometer-Werk siedelte sich das  kreative Zentrum Artplay an, mit vielen Läden, Ausstellungsräumen, Designstudios, der Britischen Designschule  und kleinen Restaurants.

Und noch einmal stehen zwei Kirchen auf der rechten Seite.

Die Dreifaltigkeitskirche im Empirestil wurde 1819 als Sommerkirche errichtet. In ihr werden Gottesdienste nach altgläubigem Ritus durchgeführt. Die daneben stehende Unserer lieben Frauen Kirche war als Winterkirche geplant. 1931 wurden die Kirchengebäude geschlossen und zu Wohnungen umgebaut. Bereits in den achtziger Jahren begann die Restaurierung, die Kirchen gehörten damals der Akademie der Wissenschaften. Zu Beginn der neunziger Jahre wurden sie der orthodoxen Kirche zurückgegeben.

Beschließen kann man den Spaziergang oder die Radtour im Park Lefortowo, dem sogenannten „Versailles an der Jausa“. Er gehörte zu Beginn des 18. Jahrhunderts zum Katharinenpalast und ist damit einer der ältesten Parks Moskaus.

 

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