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Schuluniform

1. September 2017

Am 1. September kann man sie wieder vor vielen Schulen sehen – Schüler und Schülerinnen in ihren Schuluniformen, Mädchen mit großen Schleifen in den Zöpfen, Jungs im Anzug.
Uniformen in den Schulen gibt es schon sehr lange. 1522 wurde erstmals in Europa in der englischen Christs Hospital Schule, in der hauptsächlich Waisenkinder aufgenommen wurden, eine Schuluniform eingeführt.
In Russland konnte eine erste Uniform 1834 nachgewiesen werden. Damals gab Nikolaj I. ein Dekret heraus, wie Ausgehuniformen auszusehen hätten. Das betraf auch die Kleidung für Gymnasiasten und Studenten. Die Uniform wurde überall getragen, in der Schule, auf der Straße, an Feiertagen. Sie wurde wie eine Auszeichnung betrachtet und hoben die Gymnasiasten von anderen Jugendlichen ab. Die Uniform sah wie Militärkleidung aus – Schirmmützen, Militärhemden und Mäntel, die sich nur in der Farbe, den Knöpfen und Emblems unterschieden.
Mädchen bekamen ihre erste Einheitskleidung bereits 1764 im Smolny-Institut, das Katharina die Große gegründet hatte.
In den nächsten 100 Jahren führte jede Schule ihre eigene Kleidung ein, sie waren bestrebt, sich voneinander zu unterscheiden.
Das änderte sich nach der Oktoberrevolution mit der Verabschiedung des Dekrets „über die einheitliche Arbeitsschule“. Das Gymnasium wurde für bürgerlich erklärt, alle lernten nun in einer Schule für alle. Da das Geld fehlte, um alle Schüler mit einer einheitlichen Uniform auszustatten, waren die Eltern angehalten, ihre Sprösslinge ordentlich anzuziehen.
1949 wurde die siebenjährige Schulpflicht eingeführt. Gleichzeitig bekamen alle eine Schuluniform. Die Jungen trugen grau-blaue Militärblusen mit einem schwarzen Lackgürtel, graublaue Hosen und Schirmmützen.
Die Mädchen erhielten dunkelbraune Kleider und Schürzen, normal waren sie schwarz, an Feiertagen aber weiß. Die weißen Manschetten und Kragen wurden regelmäßig extra gewaschen und gestärkt, sie mussten also immer wieder neu angenäht werden. Der Rock sollte bis übers Knie reichen. Vorgeschrieben waren nun Zöpfe, die mit Bändern in der Farbe der Schürze zu binden waren.
1962 wurde den Jungs erlaubt, die Hemden durch Jacketts zu ersetzen. So existierten die Uniformen fast ohne Veränderung bis zum Ende der Achtziger Jahre.

Das Oktoberabzeichen gehörte in den Anfangsklassen natürlich auch zur Ausstattung, ein Stern, in dessen Zentrum das Porträt des jungen Lenins zu sehen war. In der vierten Klasse wurden die Schüler in die Pionierorganisation aufgenommen, zur Uniform gehörte ab sofort das Halstuch und ein Abzeichen in Form eines Sterns mit dem Kopf Lenins und der Aufschrift „Immer bereit!“.
Mit 14 wurden die Schüler in den Komsomol aufgenommen, ein Abzeichen mit einer Flamme und dem Leninkopf wurde in der Nähe des Herzens auf der linken Seite der Uniform angebracht.
Üblich waren Wechselschuhe, wenn diese fehlten oder die Sohle aus schwarzem Gummi bestand, der hässliche Spuren auf dem Linoleum hinterließ, wurden die Kinder wieder nach Hause geschickt.
Seit 1994 war das Tragen der Schuluniform keine Pflicht mehr. Seit 2013 gilt eine Empfehlung für das Tragen einer Schuluniform. Jede Schule kann selbst über die Form entscheiden.

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From → Landeskunde

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