Zum Inhalt springen

Die Moskauer Spatzenberge

1. September 2017

Die Spatzenberge befinden sich auf dem höchsten der sieben Hügel, auf denen Moskau steht und gehören mit einer Fläche von 137 Hektar zu den größten Moskauer Naherholungsgebieten. Gelegen am Ufer der Moskwa sind sie zudem sehr schön. 1987 wurde das Gebiet zum Naturdenkmal erklärt, 1998 zum Naturschutzgebiet. Seit 2013 gehört das Territorium zum Gorkipark und grenzt im Osten an die Nowoandrejewskij Eisenbahnbrücke über der Moskwa, im Süden und Westen an die ul. Kosygina und im Norden an das Flüsschen Setun. In der Mitte liegt die Luschnetzkij Brücke mit der Metrostation Worobjowy gory. Ganz in der Nähe ist noch die verlassene Kabinenbahn zu erkennen, die bis 1988 die Menschen von der Station bis zur Aussichtsplattform nach oben brachte.
Benannt wurde der Park nach dem ehemaligen dort befindlichen Dorf Worobjowo, das sich immer in Fürstenhand befunden hatte und wo mehrere Paläste gebaut wurden. Das Dorf wurde 1956 in Zusammenhang mit dem Neubau der Uni zerstört. Nur die kleine Dreifaltigkeitskirche an der Aussichtsplatt-form an der ul. Kosygina erinnert noch daran. Sie wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts im klassizistischen Stil errichtet. Auf Betreiben des Moskauer Gefängnisarztes Friedrich Joseph Haas wurde den Insassen des benachbarten Gefängnisses erlaubt, an den Gottesdiensten teilzunehmen. Sie wurde während der Sowjetzeit nicht geschlossen und konnte so ihre ursprüngliche schöne Einrichtung erhalten.

Zur Erinnerung an den Vaterländischen Krieg 1812/13 sollte am Abhang der Spatzenberge die Christi Erlöser Kirche errichtet werden. Die feierliche Grundsteinlegung fand am 12. Oktober 1817 statt.
Die Pläne klangen gut – 170 Meter hoch sollte die Kirche werden, mit einer Treppe zum Flussufer, mit einer unterirdischen Krypta. Doch 1826 wurden aufgrund von Schwierigkeiten mit dem Untergrund die Bauarbeiten eingestellt.

Nur wenige wissen, dass sich auf den Spatzenbergen ein Reservoir der Moskauer Wasserversorgung befindet. Dieses große Bauwerk mit einem Volumen von 170 000 m³ wurde 1902 errichtet, damals zusammen mit einem schönen Pavillon darüber und einer Aussichtsplattform.

Auf festem Grund begann man 1948 mit dem Bau der Universität. Das Gebäude misst eine Höhe von 182 Metern, mit Spitze sogar 240. Die Bildungseinrichtung mit 50 000 Räumen, 36 Etagen, 111 Fahr-stühlen und der größten Uhr Moskaus öffnete am 1. September 1953 seine Türen für Studenten. Damals war es das höchste Gebäude Europas. Im Studentenstädtchen war alles vorhanden – Post, Friseur, Fotostudio, Schuster, Schneider, Polizei.
Mit dem Hauptgebäude sind eine Menge Legenden verbunden – die unteririschen Kellerräume sollen genau so groß sein wie die Uni selbst, ein Tunnel soll von dort aus zu Stalins Datsche führen, vor allem wegen der Tunnel und der Vereisung des Bodens beim Bau der Uni macht die rote Linie der Metro einen so abrupten Schwenk von der Uni weg. Gerüchte berichten auch von der geheimen Metro-2 unter dem Hauptgebäude.

In der Sowjetzeit veränderten sich die Spatzenberge radikal. Vor der Revolution lebten in den Wäldern am Ufer der Moskwa vor allem Wildschweine, Elche und Hasen. Die ersten Pläne für ein Gebiet für aktive Erholung gab es bereits in den zwanziger Jahren. Eine gigantische Sportarena sollte errichtet werden, außerdem eine Rennstrecke für Autos und Fahrräder, ein Jachtklub, ein Theater und viele andere Einrichtungen, alles zusammen erhielt den Namen „Internationales Rotes Stadion.“ Nicht alle Pläne konnten verwirklicht werden.
Immerhin gab es eine Möglichkeit für Schwimmwettkämpfe in der Moskwa und auch mit dem Boot konnte man sich auf dem Fluss tummeln. Übrigens konnte man Anfang der achtziger Jahre noch unbesorgt in der Moskwa baden – heute bekommt man schon bei dem Gedanken daran Beklemmungen.

Mit dem Bau der Universität wurde auch die Aussichtsplattform gestaltet, zu der ein breiter Boulevard mit Springbrunnen, Blumenbeeten und Büsten bedeutender Wissenschaftler führt. Die Plattform wurde 2014 rekonstruiert und mit einer interaktiven Moskaukarte aus Granit versehen. Von hier aus hat man einen wundervollen Rundblick über die Stadt. Man kommt mit der Hochzeitsgesellschaft hierher, Künstler bannen das Panorama auf die Leinwand, Biker treffen sich, das Schulende wird gefeiert …

Die Spatzenberge wurden schon immer zum Spazierengehen genutzt, viele Familien kamen zum Picknick dorthin. Im Winter konnte man Skilaufen.
Diese vorrevolutionäre Tradition wurde 1953 mit dem Bau der Sprungschanze fortgesetzt. Die 80-Meter-Schanze war damals die beste Schanze der UdSSR. Alle Meisterschaften in den fünfziger Jahren fanden dort statt. Eine besondere Plastikbeschichtung machte sogar im Sommer ein Training möglich. Daneben wurden eine Piste für Abfahrtsski sowie ein Lift gebaut, der das ganze Jahr über in Betrieb ist.

Die Spatzenberge sind ein Naturschutzgebiet, in dem viele seltene Pflanzen wachsen. Auf einem ökologischen Lehrpfad kann man spazieren gehen und Flora und Fauna kennen lernen.
Am Ufer der Moskwa wurde eine weitläufige Fußgängerzone angelegt, Radfahrer, Skater, Rollerfahrer kommen ebenfalls nicht zu kurz.
Die Moskauer Stadtregierung hat große Pläne in der Zukunft. Die Sprungschanze soll rekonstruiert werden und die Aussichtsplattform soll mit Luschniki mittels einer fast 700 Meter langen Seilbahn verbunden werden. Für das Projekt ist das Porsche Design Studio zuständig, ein bedeutendes Produktdesign-Unternehmen. Die Aussichtsplattform hoch über der Moskwa wird so direkt von der Metrostation Worobjowy Gory zu erreichen sein.

Auch der Sportpark Luschniki entwickelt neue Dimensionen. Nachdem der Krieg den Bau des Roten Stadions verhindert hatte, wurde 1955 quasi vom gesamten Land der Aufbau der „Sportstadt“ in Angriff genommen. Baumaterialien kamen aus Leningrad und Armenien, Elektroausrüstung und das Eichenholz für die Zuschauerbänke aus der Ukraine, Mobiliar aus Riga und Kaunas, das Glas aus Minsk und Lärchenholz aus Irkutsk. 1956 konnte das Stadion feierlich eröffnet werden. Im Laufe der Jahre fanden dort viele Sportwettkämpfe und Konzerte statt.

Inzwischen wird das Interesse der Moskauer am Sport immer größer. Viele laufen, walken oder fahren mit dem Rad, tausende Sportler nehmen alljährlich am Marathon teil. Neben der Sanierung solcher Stadien wie Lokomotiv oder Dinamo und dem Neubau der Arena in Tuschino entstand in Luschniki ein Stadion mit 81 000 Plätzen.
Damit ist Moskau gut gerüstet für das Eröffnungs- und Endspiel der Fußball-WM im nächsten Jahr.

Advertisements

From → Parks

Schreibe einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: