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Die Kirchen der russisch-orthodoxen Gemeinde des FSB

1. Juni 2017

Es ist in der russischen Orthodoxie durchaus Brauch, dass die Kirchenorganisation auch in privaten Kirchengebäuden tätig ist. Eine deutlich sichtbare Privatkirche, die nicht zugänglich ist, sehen wir z. B. auf der linken Seite am Anfang des Prospekts Mira. So können auch Organisationen oder staatliche Einrichtungen „ihre“ Kirche haben. Für den ausländischen Betrachter mutet es seltsam an, wenn die Nachfolgeorganisation von Tscheka/NKWD/KGB, die bekanntlich für die massenhaften Morde an Priestern der orthodoxen Kirche verantwortlich sind, nun auch „eigene“ Kirchen haben.

Die Sophienkirche an der Ljubjanka
Vor einigen Jahrhunderten existierten in der Gegend der Sophienkirche und der heutigen Ljubjanka Gießereien, in denen die Glocken für die Moskauer Kirchen und auch die große Glocke Zar-Puschka gegossen wurden. Im 19. Jahrhundert wurden die Gießereien geschlossen, die Kirche aber steht noch da.
Die Sophienkirche wurde von den Nowgoroder Bürgern, die sich im 15. Jahrhundert in Moskau niederließen, in Erinnerung an die Sophienkathedrale in ihrer Heimatstadt, gebaut. Die benachbarte Straße nannten sie nach dem Stadtbezirk Ljubjanitzy in Nowgorod. 1692 wurde die Kirche aus Stein errichtet. Sie wurde mehrfach umgebaut, ihr heutiges Aussehen erhielt sie im 19. Jahrhundert. Nach der Revolution wurde sie wie viele andere Kirchen geschlossen und teilweise zerstört. Das Gebäude ging in den Besitz des KGB über und wurde als Lagerraum genutzt. Später befand sich im Kirchengebäude eine Fabrik, in der Sportkleidung hergestellt wurde.
2001 beschlossen die Mitarbeiter des russischen Geheimdienstes eine eigene orthodoxe Gemeinschaft zu gründen, dieses Ansinnen wurde von den Chefs unterstützt und so kam die Sophienkirche in den Genuss des Wiederaufbaus. Am 6. März 2002 wurde sie geweiht und der Chef des Geheimdienstes übergab Aleksij II. symbolisch den Kirchenschlüssel.

Die Kirche der Ikone der Gottesmutter an der Pforte
Diese Kirche auf dem Territorium der Akademie des FSB an der Kreuzung der Straßen Mitschurinskaya und Lobatschowskaya wurde im Rahmen des 200-Kirchen-Programms errichtet. Sie erreicht eine Höhe von 57 Metern und ist damit der höchste Kirchenneubau des Programms.
Die untere Kirche schmückt eine Ikonenwand aus mit Blattgold belegtem geschnitztem Holz, die Fresken wurden nach dem Vorbild der Malereien in alten Klöstern auf dem Berg Athos ausgeführt. Die Hauptikone, die Gottesmutter an der Pforte, „schrieben“ Ikonenmaler von dort.
Die Kirche, in der circa 1 000 Gläubige Platz finden, wurde nach dem Vorbild der russischen Kirchenarchitektur des 15. Jahrhunderts errichtet. Auf dem Glockenturm hängen 13 Glocken, deren Klang der Rostower Schule folgt. Die größte wiegt drei Tonnen. Ausgestaltet wurde der zentrale Kirchenraum von Spezialisten der Russischen Akademie der Künste, die auch mit dem Interieur der wiederaufgebauten Christi Erlöser Kirche sowie der Kronstädter Marine-Kathedrale befasst waren.

Die Maria-Schutz-und-Fürbitte-Kirche
Das mächtige Gebäude ul. Bolschaya Lubyanka 20 gehört der Verwaltung des Geheimdienstes von Moskau und dem Moskauer Gebiet. Für den Bau im Jahr 1982 wurde ein ganzes Wohnviertel zwischen der Bolschaya Lubyanka, Sretenskiy pereulok und Miljutinskij pereulok abgerissen. Im Volksmund kursiert der Spitzname Reaktorschiff.
Im 17. Jahrhundert befanden sich in dieser Gegend Anwesen der Fürsten Romodanowskiy, im 18. Jahrhundert der Fürsten Golizyn, nach 1812 bauten hier Moskauer Kaufleute. In den zwanziger Jahren arbeitete dort die Redaktion der Zeitschrift „Medizinskiy rabotnik“, in dem Bulgakows „Die Aufzeichnungen eines jungen Arztes“ veröffentlicht wurden.
Die Kirche befindet sich im vorgelagerten älteren Gebäude im Erdgeschoss, ihr Eingang und der Glockenturm sind an der Rückseite des Hauses gelegen. Im Prinzip ist die Kirche frei zugänglich, entweder durch den linken Torbogen oder von der ul. Malaya Lubyanka.

Die Fjodor-Uschakov-Kirche in Butovo
Butowo ist bekannt als eine Hinrichtungsstätte, wo gemäß den Ergebnissen wissenschaftlicher Untersuchungen in den dreißiger bis fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts Zehntausende Menschen erschossen wurden, unter ihnen auch Frauen, Kinder und Alte.
Die Russisch-orthodoxe Kirche baut nun in der Nähe der Metrostation Admirala Uschakova in der ul. Jushnobutovskaya eine Kirche, in der man beten wird, nicht für die Opfer, sondern für die Täter. Ab-surd ist ebenso, dass zu den Opfern des Sowjetregimes praktisch das gesamte Moskauer Bistum der Orthodoxen Kirche, tausende einfache Priester, Dutzende davon wurden unter Aleksij II. zu heiligen Märtyrern erhoben. All das hielt den Patriarchen Kirill nicht davon ab, im April 2015 den Grundstein einer Kirche für die in Ausübung ihres Dienstes umgekommenen Mitarbeiter des Geheimdienstes zu weihen. Im Dezember letzten Jahres wurde in der Fjodor-Uschakow-Kirche, die im Rahmen des „200-Kirchen-Programms“ nach dem Vorbild der traditionellen Architektur von Wladimir und Susdal errichtet wird, das Kreuz auf der Kuppel gesegnet. Im Oktober 2017 soll sie fertiggestellt werden, schließlich sollen in diesem Jahr des 100. Gründungsjubiläum des Geheimdienstes und der 200. Todestag des unbesiegten Feldmarschalls Fjodor Uschakov begangen werden.

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From → Religion

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