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Kosmismus in der russischen Kunst

30. März 2017

Der Kosmismus entstand als eine Strömung in der russischen Philosophie in der zweiten Hälfte des
19. Jahrhunderts. Einer ihrer berühmtesten Vertreter war der Astrophysiker Konstantin Ziolkowski, einer der Wegbereiter der russischen Raumfahrt. Die Kosmisten träumten von einer Zukunft, in der Wissenschaft und Technik es schaffen würden, alle Unzulänglichkeiten zu überwinden und auf ewig das Böse auszurotten. Auch sollten die Vorfahren wieder lebendig werden, doch wo sollten sie leben? Vielleicht auf dem Mond oder den nächsten Planeten?

Aus diesen Ideen erwuchs das gesamte russische Kosmosprogramm mit Ziolkowski an der Spitze. Künstlerisch verewigte er seine Ideen in seinem „Album der kosmischen Reisen“.
Die Ideen der Philosophen waren nicht nur unter den Wissenschaftlern populär, sie waren auch den Sowjetbürgern nah. Der einbalsamierte Lenin im Mausoleum war das beste Beispiel dafür … Und für den Sieg des Lebens über den Tod wurde 1926 das Institut des Bluts geschaffen, in dem mit Verjüngung und Verlängerung des Lebens experimentiert wurde.
Auch in der Kunst fand der Kosmismus seine Anhänger. Wladimir Tschekrygin schuf 1922 den dem Kosmismus gewidmeten Zyklus „Wiederkehr“. Die russischen Avantgardisten wie etwa Kasimir Malewitsch oder Aleksandr Rodschenko begeisterten sich ebenfalls für den Kosmos, allerdings sahen sie ihn als Symbol einer wunderbaren Zukunft.
Russische kosmistische Künstler stellten in den USA aus, es formierte sich 1927 die Künstlergruppe Amarawella, deren Hauptaugenmerk auf verschiedene Aspekte des Kosmos gerichtet war – im mensch-lichen Antlitz, in der Landschaft und der Wiedergabe abstrakten Typen des Innenlebens. Sie schufen eine künstlerische Modellierung des Kosmos als ein riesiges Musikinstrument, mit dem die Erde in Einklang steht. Ebenso widmeten sie sich den Vorstellungen vom Leben auf fremden Planeten. Himmel und Erde bilden darin eine Einheit und der Mensch fügt sich harmonisch darin ein. 1929 fand die letzte Ausstellung statt, viele der Gruppenmitglieder wurden danach verhaftet.
Nach ihnen wandten sich Künstler erst wieder Ende der vierziger Jahre dem Kosmos zu, als dieses Thema in der UdSSR eine große Rolle spielte. 1957 wurde der erste Sputnik gestartet, 1961 flog Juri Gagarin ins Weltall. Das inspirierte die Künstler.
Wieder interessant wurde der Kosmos in den 2000ern. So fotografierte Iwan Michailow beispielsweise auf Spielplätzen vergessene Raketen, die den Traum sowjetischer Kinder symbolisierten Kosmonaut zu werden. Pawel Pepperstein machte die schwarzen Löcher zum Thema seiner Zeichnungen, Ilja und Emilia Kabakow befassten sich mit der Serie „Zentrum der kosmischen Energie“.
Und noch immer gibt es Künstler, die sich mit dem Weltall beschäftigen. Aleksandr Maranow thematisiert in seinen Werken das Miteinander von Mensch und Kosmos. Seine Bilder hängen in vielen Galerien der Welt.
Auch Kosmonauten sind unter den Künstlern. Alexej Leonow, der elfte sowjetische Kosmonaut, flog 1965 in den Kosmos. Er betrat als erster das offene Weltall. Zehn Jahre später flog er im Rahmen des Sojus-Apollo-Programms erneut nach oben und begleitete die erste Zusammenkopplung zweier Raum-schiffe aus unterschiedlichen Ländern. Leonow bekam nicht nur als Kosmonaut Anerkennung, sondern auch als Künstler. Seiner Meinung nach können nur die Augen und der Pinsel eines Malers die Schönheit der Erde und des Weltraums sichtbar machen.
Damals dachten sie noch, dass die Eroberung des Mondes oder des Planeten Mars in naher Zukunft stattfinden würde. Niemand zweifelte daran, dass zu Beginn des 21. Jahrhunderts Menschen auch auf dem Mond leben würden, vielleicht in solchen Häusern.

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From → Landeskunde

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