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Die Zentrale Banja in Moskau

30. März 2017

Nachdem die alte Zentrale Banja 1737 abgebrannt war und das Publikum von da an die Sandunowskie Bani besuchte, unterstützte im 19. Jahrhundert der bedeutende Unternehmer Chludow das Projekt des berühmten und teuersten Architekten Eibuschitz, an gleicher Stelle wieder eine Banja unter dem Namen Kitaisker zu errichten.

Chludow, ein altgläubiger Textilunternehmer, war außerdem immer für eine Überraschung gut. Er sammelte sein gesamtes Leben lang Werke russischer Maler, die er in seinem Anwesen an der Jause gerne ausstellte und hochgestellten Persönlichkeiten zeigte. Außerdem war er ein großer Wohltäter und baute nach dem frühen Tod seines Sohnes ein großes Mietshaus für Waisen und Witwen. Chludow untersuchte die Einnahmesituation der Sanduny-Banja und verstand, dass man mit solch einer Banja durchaus viel Geld verdienen kann. Er erwarb den Grund und Boden zwischen der ul. Neglinnaya und der ul. Roshdestvenka, das georgischen Zarensöhnen gehörte. Als seinen Helfer verpflichtete er den später sehr bekannten Lew Kekuschew.
Auf Wunsch des Bauherren sollte die Banja prunkvoll ausfallen – und so baute Eibuschitz die Banja im eklektischen Stil, also in einer Mischung verschiedener architektonischer Stile. Die Komposition der Fassade beispielsweise folgte klassischen russischen Traditionen, verbunden mit westeuropäischen barocken Details.

Die ersten Räume für das einfache Volk wurden am damaligen Kitaigorodsker projesd, heutiger Teatralny projesd 3, str. 3, im Jahr 1881 eröffnet. Eine Banja für die Adligen folgte. Und danach wurden verschiedene Säle in den Banjas (ein Bankettsaal, ein russischer, ein finnischer, ein türkischer) mit Fresken und Butzenscheiben für ein ausgewähltes Publikum eingeweiht. Materialien waren z. B. ausgesuchte Harthölzer und Blattgold. Die Banja wurde komplettiert mit einem Masseur und einem Arzt. In den prächtig ausgestatteten Sälen mit weichen Sesseln konnte man sich bei Erfrischungsgetränken gut erholen. Der Besuch der Banja kostete von 5 Kopeken in der einfachsten Klasse bis zu 10 Rubel für eine Dreimannkabine. Oft war auch Leo Tolstoi hier, um sich zu waschen, denn in seinem Anwesen in Chamowniki gab es keine Wasserleitung. Auf Initiative Chludows entstand dort die erste mechanische Wäscherei Russlands. Während sich der Banjabesucher wusch, wurde seine Kleidung gesäubert, getrocknet und gebügelt. Auf Vorschlag einer seiner Töchter wurden erstmals überdachte Schwimmbecken angelegt.

Nach der Zeremonie in der Banja konnte man sich anderen Vergnügungen zuwenden – z. B. das Par-fümgeschäft Emil Bodlo besuchen. Gewinn sollte nicht nur aus der Banja gezogen werden, deshalb gab es dort auch ein kleines Hotel, einige Mietwohnungen, Geschäfte mit ausgesuchten Waren, Restaurants und sogar ein Businesszentrum für geschäftliche Treffen. Selbst an die Kinder hatte Chludow gedacht.

Chludow vererbte sein Vermögen seinen Töchtern, die sein Unternehmen in seinem Sinne weiterführten und ausbauten. 1917 verließen sie Russland in Richtung Frankreich. Aber was sollte man mit dem Familienschatz – drei goldenen und vierzig silbernen reich verzierten Gefäßen machen? Ausführen ließen sie sich nicht. So versteckte man sie in der Banja. Sie wurden bis heute nicht gefunden.

In der Sowjetzeit wurde die Banja in Zentrale Banja umbenannt und erst in den neunziger Jahren ge-schlossen. Das Mietshaus der Familie Chludow an der Ecke der ul. Neglinnaya bekam zwei zusätzliche Etagen, dort befand sich der Vorläufer des heutigen Museums Moskva.

1993 wurde ein großer Teil der Einrichtung durch ein Feuer zerstört. Nach der Restaurierung öffnete das Restaurant Serebrjanny vek seine Türen. Die Banja wurde umgebaut, doch blieb einiges der Inneneinrichtung erhalten, ebenso einige Räumlichkeiten – das Foyer, ein Bankettsaal, das mauretanische Zimmer, das Bassin sowie die marmorne Treppe nach einem Projekt von Lew Kekuschew.

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From → Landeskunde

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