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Die prächtigen Eier der Familie Fabergé

30. März 2017

Kaum ein Juwelier und Europäer wurde in Russland so bewundert wie Carl Fabergé. Er belieferte Adlige und den Zarenhof. Während einer Industrieausstellung fiel der junge Juwelier dem Zaren Alexej III. auf, der bei ihm zwei zikadenförmige Manschettenknöpfe bestellte. Damit begann die Verbundenheit Fabergès mit dem Haus der Romanows.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfuhr die wirtschaftliche Entwicklung Russlands einen großen Aufschwung, ebenso entfaltete sich die Kunst. Die russischen Juweliere besannen sich auf ihre nationalen Wurzeln und da Schmuck und Edelmetalle damals Statussymbole der Adeligen und des Zarenhofes waren, sah Fabergè seine Stunde gekommen. 1842 gründete Gustav Fabergé in Sankt Petersburgs ein Juweliergeschäft. 1872 übernahm sein Sohn Carl Fabergé die Leitung des Familienunternehmens. Carl war zwar erst 26, konnte jedoch auf seinen Reisen durch Europa und während seiner Studien dort reichhaltige Erfahrung sammeln. Um in die traditionelle russische Juwelierkunst einzusteigen, bot er der Eremitage seine Dienste an und restaurierte kostenlos die dortige Juwelensammlung.
Im Jahr 1884 wurde Fabergé zum Lieferanten des Zarenhofs und stieg zu einem großen Geschäftsmann auf. Carl legte größten Wert auf die Qualität seiner Materialien, die Verarbeitung seiner Erzeugnisse musste absolut perfekt sein. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, erlaubte er sich auch mit Goldlegierungen zu arbeiten, was seinen Erzeugnissen ein einzigartiges Äußeres verlieh.

Seit dem 17. Jahrhundert schenkt man sich in Russland an Ostern bemalte Eier. Die Machart und das Material, aus dem die Eier gefertigt wurden, verwiesen dabei auf den Status – hölzerne Eier waren dem niederen Volk vorbehalten, kostbare Eier aus Glas, Porzellan oder Metall wurden in höheren Kreisen verschenkt. Alexander III. gab bei Fabergé 1885 das Hennen-Ei, das erste der weltbekannten Ostereier in Auftrag, das er seiner Ehefrau schenkte.
Das Zarenpaar war begeistert und ab da bestellte der Zar in jedem Jahr ein Ei bei dem Juwelier, insgesamt zehn bis zu seinem Tod. Das Unternehmen kreierte insgesamt 71 Prunkeier, 52 davon waren für die Zarenfamilie bestimmt. Daneben erfüllte Fabergè Aufträge für besondere Anlässe, wie beispielsweise die Krönung Nikolais II. oder zum Jubiläum der Romanows 1913.
Natürlich entwarf er auch Eier für andere reiche Leute beispielsweise für den Goldminenbesitzer Alexander Kelch, Beatrice Ephrussi, geborene Rothschild, den Duke of Marlborough, den Ölmagnaten Emanuel Nobel oder Felix Felixowitsch Jussupow.
Fabergé und seine Mitarbeiter wendeten immer mehr Zeit für die Herstellung der Eier auf, benutzten immer edleres Material. Kostete das Hennen-Ei noch 4 115 Rubel, musste man für das Maiglöckchen-Ei, das aus Elfenbein geformt und mit Perlen und Diamanten besetzt war, schon 6 700 Rubel auf den Tisch legen.
Das teuerste Ei war das 1913 für die Zarenmutter aus Anlass des 300-jährigen Bestehens der Romanow-Dynastie produzierte Winter-Ei mit 24.600 Rubeln.
Die Geschichte der Eier ist auch mit politischen Ereignissen in Russland verbunden. Die Zaren-Mutter nahm das letzte an sie verschenkte Ei, das St.-Georgsorden-Ei (1916), mit auf ihre Flucht nach Dänemark. Die restlichen Eier ließ Lenin beschlagnahmen. Anfang der 1920er Jahre verkaufte er die Eier schließlich an westliche Kunsthändler, wie etwa an den Geschäftsmann Armand Hammer, der nicht weniger als 13 Schmuckeier erstand.

Neben den berühmten Eiern fertigte das Haus Fabergé vielfältige andere Juwelen, Statuen und Geschirr aus Edelmetallen. Fabergé machte sich nicht nur innerhalb des Russischen Reiches einen Namen, sondern er wurde auch über seine Grenzen hinaus hoch geschätzt. Selbst europäische Königshäuser order-ten bei ihm Geschenke.
Der Erfolg des Unternehmens war nicht nur auf das Geschick und die Innovation Carl Fabergès zurückzuführen, sondern auch auf sein gutes Händchen im Management und Marketing. Er fand die besten Kunsthandwerker und um Kunden selbst in entfernten Regionen zu gewinnen, erstellte er Kataloge, die er dorthin ausliefern ließ.
Der Erste Weltkrieg ging einher mit dem Einbrechen von Konsum und Luxus. Fabergé nahm Aufträge der Armee an und verlegte sich auf die Herstellung von Rangabzeichen. Doch mit dem Niedergang der Romanows war auch sein Sturz verbunden. Viele seiner Kunden verließen Russland oder wurden verhaftet. Das Unternehmen wurde verstaatlicht und auch Fabergé emigrierte in die Schweiz, wo er 1920 verstarb. Seine Söhne gründeten zwei Jahre darauf ihre eigene Firma in Paris – Fabergé et Cie, an den Erfolg ihres Vaters reichten sie allerdings nicht heran. Sie verkauften die Marke Fabergé an Samuel Rubin, der das auf Düfte spezialisierte Unternehmen Fabergé Inc. gründete. Es wurde später mehrere Male weiterverkauft, bis es schließlich 2012 von der Firma Gemfields für 142 Millionen US-Dollar übernommen wurde.
Von 1989 bis 2009 wurde die Tradition Fabergés durch die Pforzheimer Juwelenmanufaktur Victor Mayer mit dem Exklusivrecht, den Stempel „Fabergé“ für ihre Produkte zu verwenden, weitergeführt. Um den Stil des russischen Vorbildes pflegen zu können, unterstützt die Manufaktur Berufe wie Ziseleur, Granuleur, Guillocheur, Emailleur und Pailletteur.

Ein Fabergé-Museum, das dem russischen Milliardär Wiktor Wekselberg gehört, wurde am 19. November 2013 im Schuwalow-Schloss mit Werken aus seiner privaten Sammlung in Sankt Peters-burg eröffnet.
Ein Fabergè-Museum gibt es auch in Deutschland, in Baden-Baden. http://www.faberge-museum.de/

Gegenwärtig existieren 62 Eier von insgesamt 71 bekannten Schmuckstücken. Wie viele Fabergé-Eier genau hergestellt worden sind, ist nicht bekannt, weil nur die Zarenkollektion dokumentiert ist.
Aus der Kollektion des Zaren sind bis heute acht Stück verschollen. Die meisten Eier befinden sich in Museen in Russland und den USA.
Nach wie vor begeistern die Arbeiten des Hauses Fabergé die Kunstliebhaber.
2007 wurde das Rothschild-Ei von Carl Fabergé bei Christie‘ s für 12,5 Millionen Euro versteigert, wodurch es zum teuersten Objekt des russischen Kunsthandwerks aller Zeiten geworden ist. Das Ei kann seit 2009 im Fabergé Museum in Baden-Baden besichtigt werden.

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From → Landeskunde

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