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Wasili Iwanowitsch Baschenow

1. März 2017

Am 12. März jährt sich zum 200. Mal der Geburtstag des berühmten russischen Architekten. Er war nicht nur in Russland eine Berühmtheit, man kannte ihn auch in Europa. Die besten Architektur-Akademien des 18. Jahrhunderts in Rom und Florenz verliehen ihm Titel und ehrten ihn.

Baschenow lernte an der Slawisch-griechisch-lateinischen Akademie, von wo aus er aufgrund seiner Fähigkeiten an die Schule des berühmten Bildhauers Uchtomskij geschickt wurde. Dor studierte er Architektur. Uchtomskij beschäftigte sich damals mit dem Ausbau und der Sanierung des Kremls, baute das Rote Tor und den Glockenturm des Klosters in Sergejew Posad. So kam auch Baschenow mit der russischen Architektur des 17. Jahrhunderts in Berührung und mochte sie sehr. An der Moskauer Universität vervollkommnete er seine Sprachstudien.

1758 wurde er als einer der fähigsten an die Akademie der Künste nach Petersburg delegiert. Dort schloss er sein Studium im Range eines Architektengehilfen ab. Weiterhin lernt er an den Kunstakademien in Paris und in Italien, wo er mit seinen Modellen bereits die Aufmerksamkeit der ganz Großen auf sich zog. An der Römischen Akademie erwarb er das Diplom eines Akademikers und Professors, die Akademie in Florenz nahm ihn als Mitglied auf. Im Frühjahr 1765 kehrt er nach Petersburg zurück. Seine Arbeiten hatten Erfolg, doch dennoch wurde ihm keine Professur in der Akademie angetragen.

Zu dieser Zeit war Petersburg noch lange nicht fertig gebaut. Katharina II. und der Akademiepräsident Bezkij verhielten sich der barocken Architektur gegenüber sehr kritisch und luden ausländische Architekten ein, den Engländer Cameron und den Italiener Quarenghi, die den Klassizismus in die Hauptstadt brachten, was Baschenow nicht gefiel. So erhielt er keine prestigeträchtigen Aufträge. Die beste Arbeit damals war das Projekt des Smolnyj Instituts.

Schließlich verlässt er Petersburg, um in Moskau in der Artilleriebehörde zu dienen. Außerdem arbeitet er am Ausbau des Kremls mit und träumt von seinen nicht zu verwirklichenden Plänen.
Ende der siebziger Jahre beginnt Katharina II. die beiden Hauptstädte neu zu planen. In Moskau existiert keine Residenz, die einem Herrscher und seinem Hofstaat würdig gewesen wäre. Baschenow überlegt, eine solche Residenz im Kreml zu bauen. Ihm schwebt ein architektonisches Wunder vor – ein prächtiges Gebäude wie man es noch nie gesehen hatte. Katharina gefällt es, sie gibt das Projekt frei und Baschenow beginnt unter Mitwirkung Matwej Kasakows mit der Herstellung eines Modells aus Lindenholz. Die Erarbeitung des Projekts und der Bau des Modells dauern fünf Jahre. Katharina lobte ihn und zeichnete ihn aus. Schließlich näherte sich der Tag der Grundsteinlegung, Baschenow hatte bis dahin an alles gedacht, sogar um die Materialien für den Bau hatte er sich bereits gekümmert und in Erfahrung gebracht, wo in Sibirien man extragroße Steine herbekommen kann. Der Architekt war in Moskau angekommen, hatte ein Haus gebaut, eine Familie gegründet und die vergangenen Jahre zählten zu den besten seines Lebens. Doch plötzlich verlor sich das Interesse der Zarin am Palast, sie befahl damit aufzuhören – Baschenow war am Boden zerstört und löste seine Werkstatt auf. Doch schon das Modell brachte ihm einigen Ruhm unter den europäischen Architekten ein. Er kopierte nichts, sondern nahm seine Ideen aus dem Leben, schuf eine neue originale russische Architektur.
Das Modell des Kremlpalasts wurde in den dreißiger Jahren dem Architekturmuseum in Moskau übergeben und kann dort bis heute angesehen werden.

Nach dem Misserfolg mit dem Kremlpalast nahm Baschenow private Aufträge an. So errichtete er gegenüber vom Kreml auf einem Hügel das Paschkow-Haus, das heute zur Stattlichen Bibliothek gehört. Das Paschkow-Haus ist der erste Profanbau, bei dem man sich beim Betrachten des Kremls nicht den Kopf verrenken musste, sondern einfach aus den Fenstern von oben darauf schauen konnte. Die Moskauer nannten es das „Zauberschloss auf dem Hügel“. Früher gab es hier Wintergärten und im Anwesen einen großen Garten mit allerlei freilaufendem Getier. Während des Feuers 1812 erlitt das Gebäude großen Schaden. 1839 erwarb die Stadt das wieder aufgebaute Haus von den verarmten Paschkows. Ein Adelsinstitut zog ein, später folgte ein Gymnasium. In dieser Zeit sammelte Graf Rumjanzew-Sadunajskij in Sankt Petersburg verschiedene Bilder und andere Kunstgegenstände. Da die Petersburger Stadtväter die Kollektion nicht erhalten wollten, entschieden die Moskauer, dass die Sammlung bei ihnen gut aufgehoben wäre. Außerdem fehlte in Moskau schon lange eine öffentliche Bibliothek. 1862 öffnete schließlich das Paschkow-Haus, nunmehr ein allen zugängliches Museum, seine Türen. Den Grundstock bildeten die Kunstexponate der Moskauer Universität. Im gleichen Jahr wurde die Rumjanzew-Bibliothek eingerichtet. Einer ihrer treuesten Leser war Lew Tolstoi.

Um Baschenow wieder für sich zu gewinnen, übertrug Katharina ihm den Bau von Einrichtungen für die Feierlichkeiten anlässlich des Friedens mit der Türkei auf dem Chodynskoje Pole. Das geriet zu einem Riesenerfolg für den Architekten und die Zarin beauftragte ihn mit dem Bau einer neuen Residenz in Zaryzino. Doch wiederum missfiel der Zarin das Werk Baschenows, vor allem die romantischen Züge, die der klassischen Linie Camerons oder Quarenghi in Petersburg widersprachen. Nur wenige seiner Bauten blieben erhalten.

Nach dem Tod Katharinas II. rief ihn Paul I. nach Petersburg. Er verehrte den Architekten sehr und beauftragte ihn mit dem Projekt für das Schloss des Heiligen Michael. Baschenow wird Vizepräsident der Akademie der Künste, wird ausgezeichnet und geachtet. Kurz vor seinem Tod 1799 schlug er der Akademie vor, die besten Objekte der russischen Architekten zu sammeln und zu veröffentlichen. Außerdem schlug er eine Bildungsreform für die Akademie vor. Die Nachwelt ehrt ihn für seine fortschrittlichen Ideen und Ansichten.
Weitere seiner Bauten in Moskau sind das Anwesen der Familie Rumjanzew in der ul. Marosejka 17, wo sich heute die Botschaft Weißrusslands befindet oder die Kirche in der ul. Bolschaja Ordynka 20.

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