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Stadtbegrünung Moskaus

1. März 2017

Langsam haben wir vom Winter genug und warten darauf, dass die Stadt grün wird. Im Herbst wurden überall Bäume gepflanzt, sogar auf der ul. Twerskaja und auf dem Gartenring. Das war nicht immer so. Die Stadtbegrünung war einem ständigen Auf und Ab unterworfen.
Das entstehende Moskau war überall von Wald bedeckt. Nicht umsonst heißt der Borowitzkij Hügel, auf dem der Kreml steht, nach bor, der Wald.
Im 14. Jahrhundert überwogen Fichten und Kiefern, die gefällt und für die Bautätigkeit verwendet wurden. Die Stadt dehnte sich aus und ringsherum wurde der Wald abgeholzt. Solche Gebiete wurden als kulischki bezeichnet, und die Redewendung shit` u tscherta na kulischkach – beim Teufel in den kulischki wohnen – bedeutet am äußersten Rand der Stadt zu leben. Der österreichische Diplomat Sigismund von Gerberstein, der im 16. Jahrhundert in Moskau lebte, schrieb, dass in Moskau nicht nur viele Fichten und Kiefern standen, sondern auch Haselnusssträucher.
In dieser Zeit wurden in Moskau sogenannte Apothekergärten angepflanzt. Der erste entstand gegenüber vom Kreml, daran erinnern die ul. Sadownitscheskaja und das gleichnamige Ufer.

Eine planmäßige und sinnvolle Begrünung Moskaus entwickelt sich erst im 18. Jahrhundert, als Katharina II. die Mauern der Weißen Stadt abreißen und an deren Stelle den Boulevardring nach dem Vorbild der Pariser Boulevards anlegen ließ. Hier konnten die Moskauer flanieren und spazieren gehen.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entsteht so etwas wie Stadtforschung. Als ersten Urbanisten könnte man den Schriftsteller Wladimir Odojewskij bezeichnen, der eine Reihe von Artikeln darüber veröffentlichte, wie in einer Stadt alles organisiert sein sollte – die Boulevards, Fußgängerzonen und
die städtischen Dienste.

Auch der Gartenring war im 19. Jahrhundert voller Bäume. Doch alles veränderte sich in den dreißiger Jahren unter der Sowjetmacht. Der Stalinsche Generalplan der Stadtentwicklung wurde angenommen. Er sah die Umwandlung vieler Straßen in große Magistralen vor. 1935 sah der Gartenring dann so aus … Das Grün wurde nicht mehr als für die Lebensqualität wichtig empfunden, wichtiger waren breite Straßen als Wege in eine lichte Zukunft. Stolz war man auch auf Tankstellen im Zentrum.
Sogar in den Parks, beispielsweise dem Gorki-Park, setzte man weniger auf Bepflanzung als vielmehr auf Freizeiteinrichtungen und Pavillons. Wer unbedingt Natur brauchte, der sollte doch in den Sokolniki-Park fahren, außerhalb der Stadt.

Nach dem Krieg, setzten vor allem die Bestrebungen Chruschtschows Akzente in den neuen Bezirken, wo man der Begrünung, wie hier in Nowye Tscherjomuschki, wieder mehr Aufmerksamkeit widmete. Damals wurden vor allem Pappeln gepflanzt, sie wachsen schnell, brauchen nicht viel Pflege und spenden viel Sauerstoff.
Das Zentrum blieb außen vor und wurde weiterhin etwas stiefmütterlich behandelt. In den siebziger Jahren wurden zwar viele Architekturdenkmäler restauriert, doch grüner wurde es nicht, heraus stachen nur der Boulevardring und einige Teile der ul. Twerskaja.

Seit einiger Zeit jedoch denken die Stadtväter wieder mehr an die Menschen, kommen Bäume und Pflanzen zurück. Moskau entwickelt sich langsam, aber sicher zu einer der grünsten Großstädte.
In den letzten sechs Jahren wurden ungefähr 432 000 Bäume und 3,5 Millionen Büsche gesetzt und das Programm „Eine Million Bäume“ wird konsequent umgesetzt und kommt besonders den Territorien öffentlicher Einrichtungen zugute. Auch in 2017 werden 40 000 Bäume und 308 000 Büsche gepflanzt.
Kein Baum soll mehr gefällt werden, auf den Baustellen ist man sehr um sie bemüht und kleidet sie mit Holz ein, damit sie keinen Schaden nehmen. Sollte das Fällen doch notwendig sein, ist der Bauherr gehalten, einen abgeholzten Baum später durch zwei neue zu ersetzen.

Das wichtigste und schwierigste Projekt der Begrünung Moskaus ist das Programm „Moja ulitza“ („Meine Straße“), im Rahmen dessen nicht nur die Hauptstraßen mit Bäumen und Büschen versorgt werden. Die Bevölkerung kann sogar über das Internet die Begrünung ihrer Höfe fordern und bestellen.
Und natürlich werden auch die Bäume ersetzt, die bei Unwettern zu Schaden kamen, beispielsweise nach dem Orkan im letzten Jahr im Juli.

In den letzten Jahren wurden wir Zeugen der Veränderungen in den Parks, allen voran im Museon- und Gorkipark – der Uferbereich wurde saniert und umgebaut, Bänke wurden aufgestellt, die alten Buden verschwanden, dafür stehen nun moderne Restaurants an den Wegen.
Auch im Park Sokolniki ging es voran, ebenso auf der Elchinsel und in weiteren fünfzig Parks der Stadt. Der Boulevardring wurde rekonstruiert und neu bepflanzt.
Im Stadtgebiet werden Fuß- und Radwege, Fußballfelder, Spielplätze, im Winter Loipen und Eisbahnen angelegt.
Seit 2013 entstehen neue Parks, darunter solche großen wie in Sarjadje, Nagatio, Mnewniki und im Neuen Moskau, wo ein Themenpark entstehen wird, der sich für die Rekonstruktion historischer Ereig-nisse anbieten wird. Genutzt werden auch derzeit unbebaute Flächen wie das Chodynskoje Pole.

Die berühmteste Wüste Moskaus ist das Territorium gleich neben dem Kreml, wo 2006 das Hotel Rossija abgerissen wurde. Seitdem wurde darüber gestritten, was an dieser Stelle gebaut werden sollte. 2012 schließlich wurde beschlossen, dass ein Park mit vier Vegetationszonen – Steppe, Sumpf, Wald und Tundra – entstehen soll – eine für Russland sehr außergewöhnliche Entscheidung. Neben dem Park wird eine Philharmonie gebaut, das umliegende Gebiet wird saniert.

Die Warwarka-Straße wird eine Fußgängerzone. Wir sind gespannt, denn der Park mit Picknickzonen und Eishöhle soll zum Stadtgeburtstag Anfang September eröffnet werden.

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From → Landeskunde

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