Skip to content

Russische Frauen

1. März 2017

In der russischen Geschichte gab es durchaus Frauen in der ersten Reihe, sie führten die Staatsgeschäfte, spielten in der Politik mit, hatten erheblichen Anteil am wissenschaftlichen und geistigen Leben. Zu den bedeutendsten Frauen in der russischen Geschichte gehören diese:

Katharina II. – sie schenkte jeder russischen Provinz ihr eigenes Wappen, besiegte die Türken zwei Mal, teilte Polen und eroberte die Krim. Während ihrer 34-jährigen Herrschaft hatte sie 21 Liebhaber. Sie liebte außerdem Kaffee, Schnupftabak, kleine Hündchen und den Briefwechsel mit Voltaire.

Fürstin Olga – die erste russische Feministin, sie führte 17 Jahre lang die Kiewer Rus. Sie war die erste, die das Christentum annahm.

Jelisaweta Petrowna – die Stilikone … wenn es im 18. Jahrhundert bereits Instagram gegeben hätte, so hätte sie mehr Follower gehabt als Kim Kardaschian. Ihre Garderobe bestand aus

15 000 Teilen. Die Zarin hatte sieben Liebhaber, heiratete aber nicht und hinterließ keinen Erben. Unter ihrer Herrschaft betrat das russische Heer erstmals Berlin.

Jekatarina Woronzowa-Daschkowa – die Direktorin der Akademie der Wissenschaften, ihr hat man das ё zu verdanken, sie nahm am Umsturz gegen Peter III. teil, obwohl dieser ihr Patenonkel war. Sie kannte Voltaire und Diderot.

Die heilige Matrona von Moskau gehört zu den meist verehrten Heiligen Russlands. Ihr werden viele Wunder zugeschrieben. Selbst blind zur Welt gekommen, heißt es der Legende nach, dass sie während des Krieges Stalin gesegnet hätte und daraufhin der Feind von der Hauptstadt ferngehalten werden konnte.

Valentina Tereschkowa – die erste Frau im Kosmos, anstelle des lakonischen „Pojechali“ ihres Kollegen Gagarin rief sie: „Hej, Himmel, nimm den Hut ab, ich komme zu dir!“ Auf der Erde zurück verteilte sie an die Dorfbewohner Kosmonautenessen, selbst aber aß sie normale Lebensmittel. Koroljow, der begnadete Konstrukteur und Managaer, war darüber nicht erbaut und schwor, dass, solange er lebt, keine Frau mehr in den Kosmos fliegt. Und er behielt recht.

Jewdokija Dmitriewa – die Helden-Frau, Ehefrau von Dmitri Donskoj, nach dessen Tod sie die Truppen des Tamerlan aufhielt. Zur Verteidigung baute sie Klöster und Kirchen. Sie war es, die vorschlug, den Sieg auf dem Kulikowo Pole am 8. September zu feiern.

Katharina I. – das russische Aschenputtel, nach ihr wurde Jekaterinburg benannt. Die Witwe Peters I. kam auf den Thron mit Hilfe des Preobraschensker Heeres. Obwohl sie nur zwei Jahre an der Macht war, brachte sie die russische Flotte nach vorn und unterstützte die Formierung des antitürkischen Blocks.

Sofija Aleksejewna – die Unglückliche, sie versuchte zwei Mal an die Macht zu kommen, stiftete die Strelitzenaufstände an. Peter I., ihr Bruder, steckte sie ins Neujungfrauenkloster und selbst von dort aus versuchte sie ihn zu stürzen.

Bojarynja Morosowa – die Frau auf dem Gemälde von Surikow, für die Nähe zum Altgläubigentum und im Ergebnis des Streites mit dem Zaren wurde sie gefangen genommen, ihr Besitz wurde ihr entzogen und sie wurde verbannt.

Gerade wird wieder diskutiert in der russischen Gesellschaft: Das Gesetz über die Entkriminalisierung der häuslichen Gewalt beunruhigt viele Gemüter. Wird die Hand zum ersten Mal gegen einen Verwandten erhoben, so erfüllt dies nun keinen Straftatbestand mehr. Die Hälfte aller russischen Frauen und ein Drittel der russischen Männer ist gegen dieses Gesetz, das von Abgeordneten, unter ihnen sogar eine Frau, in die Duma eingebracht wurde. Im Endergebnis stimmten 380 Abgeordnete dafür und nur 3 dagegen. 23 % der Bevölkerung sind der Meinung, dass Eheleute ihre Probleme selbst zu lösen haben. 77 % der Bevölkerung sind gegen Gewalt, 9 % haben nichts dagegen. Im Durchschnitt wird jeder fünften Frau in Russland physische Gewalt angetan. Jeder zehnte Russe gibt an, mit Gewalt in der Familie konfrontiert worden zu sein.

Aller 63 Minuten erleidet eine russische Frau den Tod durch die Hand ihres Mannes oder Partners, jährlich sterben also 14 000. Das ist kaum zu fassen. Mehr als 650 000 werden regelmäßig von Mann, Partner oder einem anderen Verwandten geschlagen. Zum Teil lässt sich das durch die patriarchalischen Ansichten, die die russische Gesellschaft dominieren, erklären – Frauen sind an Gewalt als normales Mittel der Konfliktlösung in der Familie gewöhnt.

Wie entwickelte sich die durchschnittliche Lebenserwartung in den letzten 130 Jahren? 1896/97 lebten die Männer ungefähr 30 Jahre, die Frauen 32. In sowjetischer Zeit stieg die Lebenserwartung rasch an und erreichte 1961/62 für Männer 64 und für Frauen 72 Jahre. Heute ergibt sich folgendes Bild – durchschnittlich leben die Russen 66, die Männer 59 und die Frauen 73 Jahre.

Die Veränderung im wirtschaftlichen Sektor nach der Perestroika betraf viele Frauen. Von 12 Millionen Russen, die ihren Arbeitsplatz verloren haben, waren 8 Millionen weiblichen Geschlechts.

Die politischen Rechte der Frauen werden nur zum Teil realisiert, sie dürfen wählen, aber aktiv an der Machtausübung sind die wenigsten beteiligt. 1985 saßen 32 % weibliche Abgeordnete im Obersten Sowjet der UdSSR, in der Föderationsversammlung Russlands 1993 noch 11 % und in der letzten Duma saßen 14 % Frauen, wobei der Anteil der Frauen an der Gesamtbevölkerung 52 % beträgt.

Nur wenige Frauen sind in leitenden Positionen tätig, die meisten von ihnen befinden sich nicht an der Spitze, sondern in zweiter oder dritter Reihe, dort, wo gearbeitet wird. Zu den Chefs der Föderationssubjekte Russlands zählten im vergangenen Jahr nur drei Frauen, die den Autonomen Bezirk Chanty-Mansisk, das Gebiet Murmansk und das Gebiet Wladimir anführen.

Die erste Ministerin in der Weltgeschichte kam aus Russland – Alexandra Kollontai wurde 1917 Vorsitzende eines Volkskommissariats der neuen Regierung, heute würde man sie als Ministerin für Soziales bezeichnen. Nach ihr rückte zu Sowjetzeiten nur noch eine Frau auf den Ministerposten – Jekaterina Furzewa, die von 1960 bis 1974 Kultusministerin war.

Beginnend mit 1991 waren zehn Frauen im Ministerkabinett, nie mehr als drei auf einmal und manchmal gar keine wie zwischen 2004 und 2007.

Traditionell bekleideten Frauen in der russischen Regierung die sozialen Ämter – standen dem Gesundheits- oder dem Kultusministerium vor. Doch 2007 stieg Elvira Nabiullina zur Wirtschaftsministerin auf. 2014 stand sie der Zentrobank vor. Aus der Reihe fiel auch Jelena Skrynnik, die zwischen 2009 und 2012 das Landwirtschaftsministerium leitete.

In der Regierung arbeiten derzeit drei Frauen, Vizepremierministerin ist Olga Golodez, die den sozialen Bereich vertritt, sowie Veronika Skworzowa, die Gesundheitsministerin. Den einflussreichsten Posten unter den Damen hat allerdings die Sprecherin des Föderationsrates Walentina Matwienko inne.

Echo Moskwy gab 2013 eine Liste der einflussreichsten Frauen heraus. Die ersten fünf Plätze belegten Politikerinnen, den sechsten hatte die Sängerin Alla Pugatschowa inne.

2016 ergab eine soziologische Befragung, dass jeder dritte Russe eine Frau als Präsidentin akzeptieren würde, 77% der Befragten wollen Frauen in der Politik.

Natürlich gibt es auch wichtige Positionen, die Frauen bekleiden wie Ella Pamfilowa, Vorsitzende des Zentralen Wahlkomitees oder die Vorsitzende der Menschenrechtskommission Tatjana Moskalkowa. Anastasija Rakowa ist stellvertretende Bürgermeisterin von Moskau. Stellvertretende Verteidigungsministerin ist Tatjana Schewzowa. Doch das sind nur Einzelfälle.

Unter den Beamten im Staatsapparat gibt es weitaus mehr Frauen als Männer, nämlich 561 100 und 225 300. Allerdings arbeiten die Frauen oft in untergeordneten Positionen als Sekretärinnen, im Dienstleistungssektor oder als Sachbearbeiterin.

Nach Angaben von Grand Thornton belegt Russland einen der führenden Plätze im Bereich der Gleichberechtigung im Arbeitssektor. Zwei von fünf Unternehmen werden von Frauen geleitet, vor allem in den Bereichen Handel, Nachrichtendienste, Transport und Kommunikation, wohingegen die Erdöl- und Erdgasindustrie sowie die Metallurgie von Männern dominiert werden. Gleiches gilt für die Politik. Durchschnittlich verdienen Frauen dreißig Prozent weniger als Männer.

Advertisements

From → Landeskunde

Schreibe einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: