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Moskauer Untergrundflüsse

1. Februar 2017

Durch die Hauptstadt fließt eigentlich wenig Wasser – nur die Moskwa und die Jausa sind als größere Flüsse zu nennen. Doch in früheren Jahrhunderten gab es noch mehr Gewässer – an die fünfzig Flussläufe brachten Wasser nach Moskau.
Wir laufen heute durch die Straßen und können uns nur schwer vorstellen, dass unter unseren Füßen auch Leben ist. Dabei geht es nicht um die Metro, Kanalisation oder unterirdische Parkhäuser, sondern um Dutzende von Menschen in den Untergrund verlegte Flussläufe.
Die fünf bedeutendsten von ihnen waren die Lichoborka, Sosenka, Filka, Chapilka und Neglinnaja.

Die Lichoborka ist mit 16 km, 12 km davon in Moskau, das längste unterirdische Flüsschen. Nur ganz selten darf es an die Oberfläche. Das Wasser entspringt in einem Sumpf zwischen der Station Nowodatschnaja Platforma und der Dmitrowskoje Chaussee. An der Schnittstelle MKAD und Kowrinskoje Chaussee verschwindet es in einer Röhre. Im Park Otradnoje fließt es ein Stückchen oberirdisch. In der Nähe der Metrostation Botanitscheskij Sad fließt es in die Jausa.
Mit 10 km Länge landet die Filka auf Platz 2. Sie ist fast vollständig in Ziegelkollektoren verschwunden, nur an ihrer Quelle in einem Sumpf in der Nähe des Dorfes Tscherepkowo und in einem kurzen Stück durch den Serebrjanoborskij Les ist sie noch zu sehen. Durch die Röhren wurde der natürliche Lauf des Flüsschens stark verändert. Die Filjowskaja Linie der Moskauer Metro wurde auf dem Grund des Flusses gebaut. Die Filka fließt in die Moskwa in der Nähe des Westlichen Flusshafens. Das ehemalige Dorf Fili wurde nach dem Flüsschen benannt, später ein Moskauer Bezirk, Straßen, ein Park und eine Metrostation.
Die Sosenka ist 8,8 km lang. Ihren Namen bekam sie dank der charakteristischen Kiefern an ihren Ufern. Sie entspringt im südlichen Teil von Wostotschnoje und fließt unter der Erde, wobei sie sich einmal in den Goljanowskij Teich und den Tscherkisowskij Teich einbringt. Am Ende vereint sie sich unterirdisch mit der Serebrjanka.
Der vierte Fluss, die Chapilowka, ist nicht besonders lang, nur 2,8 km. Besonders macht ihn das größte Bassin, es hat 75 m². Die Chapilowka bildete sich aus der Sosenka und der Serebrjanka und ist im Bezirk Preobraschenksoje angesiedelt.

Der bekannteste Fluss in Röhren ist die Neglinka. Ihr Weg führt vollständig und über 7,5 km unter dem Zentrum Moskaus entlang. Sie entspringt in der Gegend von Marina Roschtscha, plätschert unter Parks entlang bis zum Trubnaja Platz, dann unter der ul. Neglinnaja entlang, am Metropol vorbei und weiter in Richtung Alexandergarten bis in die Moskwa. Die Straßennamen weisen auf den unterirdischen Fluss hin – Trubnaja – dort gibt es Rohre, Neglinnaja – so hieß eben der Fluss. Früher bildete sie einige Teiche, von denen es heute nur noch den Selesnjowskij Teich gibt, allerdings hat er nunmehr schon keine Verbindung mehr zur Neglinka.
Die unterirdische Neglinka führt inzwischen ihr eigenes Leben. Auf einer Exkursion erkundeten wir eine lange Strecke in den Sammelbehältern, fast überall kann man stehen, das Wasser ist (wenn es nicht regnet) auch nicht besonders tief und da die Rohre Regenwasser aufnehmen, ist es relativ sauber und Ratten gibt es nicht. Dort unten wird mitunter von der Digger-Szene gegrillt oder gepaddelt. Wenn also vor dem Hotel Metropol aus dem Gully etwas Grillaroma aufsteigt, dann ist der Grillpatz wieder in Betrieb.

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From → Moskau

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