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Die Warwarka-Straße

1. Februar 2017

Die ul. Warwarka ist eine der ältesten Straßen Moskaus und auch eine der prächtigsten. Alle Gebäude auf der südlichen Seite sind Architekturdenkmäler.

Die Bezeichnung Warwarskaja ulitza begegnet uns zum ersten Mal in der Wladimirer Chronik im November 1434 – in diesem Jahr wurde in einer der Kirchen der Heilige Maxim bestattet, sein Feiertag ist der 24. November, dieser Tag steht nun als Geburtstag der ul. Warwarka fest. Er wird nun gemäß einer neuen hauptstädtischen Tradition, die sich in den letzten Jahren herausgebildet hat, in jedem Jahr gefeiert.

Die Straße wird geprägt von Kirchen. Zu Beginn befindet sich die Georgskirche, an deren Wänden und Deckengewölben noch Fresken aus dem 17. und 18. Jahrhundert zu sehen sind.

Gleich daneben sieht man eins der interessantesten russischen Architekturdenkmäler – die Gemächer der Bojarenfamilie Romanow – ein sehenswertes Ensemble eines Bojarenanwesens aus der vorpetrinischen Zeit. Das erste Steingebäude baute im 16. Jahrhundert der Großvater des Zaren Fjodor Michailowitsch, zu Beginn des 17. Jahrhunderts war es nach dem Hof des Zaren das reichste Anwesen in Moskau. Später wurden um- und angebaut und 1857 offiziell als Denkmal anerkannt. Heute befindet sich dort ein Museum, eine Filiale des Historischen Museums. Auf der Rückseite versteckt sich ein kleiner gemütlicher Hof. Innen schnuppert man die Atmosphäre eines Bojarenschlosses des 17. Jahrhunderts. Das Haus stellt ein interessantes Bauwerk dar. Es wurde aus Ziegelstein errichtet, die dritte Etage aus Holz. Je höher man im Haus hinaufsteigt, desto niedriger wird die Deckenhöhe. Im Laufe der Zeit wurde  das Haus mehrfach umgebaut, original ist noch das Kellergeschoss aus dem 16. Jahrhundert. Traditionell war das Gebäude in einen Männer- (1. Etage) und einen Frauenbereich (2. Etage) unterteilt. Hier wurde 1596 der erste Zar der Dynastie der Romanows, Michail Fjodorowitsch geboren. Nach seiner Krönung wurden diese Gebäude Alter Zarenhof genannt. Im 18. Jahrhundert verfiel das Anwesen. Als Alexander II. 1856 Moskau besuchte, fiel ihm der beklagenswerte Zustand der Bojarengebäude auf. Er ließ alles originalgetreu rekonstruieren und richtete dort eins der ersten Museen Moskaus mit 80% authentischen Gegenständen aus dem 17. Jahrhundert ein. Dazu gehören beispielsweise Silbergeschirr, Kachelöfen, Truhen und Kleidung.

Um 1630 wurde hier durch Michail Fjodorowitsch, das Muttergottes-vom-Zeichen-Kloster gegründet, der Boden gehörte der Familie Romanow. Heute steht davon noch die gleichnamige Kirche, die die ul. Warwarka dominiert und das Zentrum des Klosters bestimmte. Sie besteht aus einer unteren Winter- und der oberen Sommerkirche. Auch der Glockenturm sowie das Gebäude mit den Mönchszellen daneben gehören zum Kloster.

Danach folgt die Maxim Blaschennow Kirche, errichtet zu Beginn der neunziger Jahre des 17. Jahrhunderts. Sie hat innen keine zusätzlichen Säulen als Stützen.

Ein weiteres Profangebäude auf der Warwarka ist der Alte Englische Hof, der im 16. Jahrhundert gebaut wurde und damit ist er eins der ältesten Wohngebäude Moskaus. In dieser Zeit wurde fast nur mit Holz gebaut, und wenn aus Stein, dann waren dies Kirchen oder Gebäude in Klöstern, insofern ist der Englische Hof ein seltenes Denkmal.

Der überdachte Aufgang geht um drei Ecken. Wenn der Gast eingeladen und erwünscht war, traf man ihn unten, konnte man ihn nicht so gut leiden, ging man ihm bis zur Mitte entgegen, war er aber unerwünscht und nicht eingeladen, dann musste sich der Gast bis zum Hausherren hinauf bewegen.

Eigentlich könnte man den Hof als Botschaft bezeichnen, denn Iwan IV. unterhielt damals enge Handelsbeziehungen mit England und hielt sogar um die Hand Elisabeth I. an. Der Englische Hof war die Residenz von Diplomaten und der Handelsvertretung von England. Der schönste Teil des Englischen Hofes ist die Fassade, die man früher nur vom jetzt abgerissenen Hotel Rossija sehen konnte – und bald kann sie jeder Moskauer vom Park Sarjade aus betrachten, der zum Stadtgeburtstag eingeweiht werden soll.

Die wichtigste Kirche der Straße steht am anderen Ende – die Kirche der Heiligen Warwara bzw. Barbara. Sie wurde 1805 nach einem Projekt von Kasakow im klassizistischen Stil gebaut. Durch die vielen Fenster wirkt sie innen sehr hell. Innen sind Fresken aus dem 19. Jahrhundert erhalten.

Und alle diese schönen Bauten folgen Schlag auf Schlag innerhalb von nur 300 Metern! Und außerdem eröffnet sich von hier aus der Blick auf den Kreml und die Basilius-Kathedrale.

Auf der gegenüberliegenden Seite erstreckt sich das Quartal der Mittleren Handelsreihen geplant von Roman Klein, die frisch renoviert sind. Leider wurden dabei die inneren Gebäudeteile abgerissen. Der Teil der Fassade, der zum Roten Platz ausgerichtet ist, gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Daneben steht der Gostinny Dwor, der Handelshof, der an der Wende zum 19. Jahrhundert gebaut und später erweitert wurde. Seinen Innenhof überspannt ein riesiges Glasdach. Nun folgen viele administrative Gebäude.  Neben dem ehemaligen Handelshaus der Familie Morosow, indem offensichtlich Büros untergebracht sind, steht das Mietshaus einer Aktiengesellschaft von Hausbesitzern, auch hier hatte Roman Klein seine Hand im Spiel, ebenso wie bei der Planung des benachbarten Büro- und Handelshauses dieser AG. Beide Häuser beherbergen nun Einrichtungen der Regierung. Überhaupt erstreckt sich auf dieser Seite in vielen Gebäuden und Durchgangshöfen die Verwaltung des russischen Präsidenten.

Die Johanneskirche wird gerade wieder aufgebaut.

Auf dem Territorium der Präsidentenadministration stehen auch Kirchen, die wie durch ein Wunder überlebt haben, beispielsweise die Dreifaltigkeitskirche in Nikitniki. Ein Kaufmann aus Jaroslawl stiftete im 17. Jahrhundert Geld für ihren Bau, 1651 stand sie fertig da. Damals war sie noch mit dem Wohnhaus des Kaufmanns neben der Kirche verbunden. Er benutzte die Kirche als seine Hauskirche und lagerte im Untergeschoss seine Waren. Die fünf dekorativen Türmchen, verziert mit grünen Kacheln, die breiten Zeltdächer, der Glockenturm mit einem Zeltdach, die geschmückten Fenster-all das machte sie zum Vorbild für viele neue Moskauer Kirchen, die bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts errichtet wurden. Die Wände sind mit Steinschnitzereien versehen. Fein heraus gearbeitete Papageien am Fenster an der Südfassade ziehen die Aufmerksamkeit auf sich. Das benachbarte Portal weist einige Gemeinsamkeiten mit den Fenstern des Terempalasts im Kreml auf. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Nikitnikow für seine Kirche Handwerker aus dem Kreml dingte. Die Ikonenwand wurde in der Rüstkammer hergestellt, für einige Ikonen zeigt der beste Meister seiner Zeit Simon Uschakow verantwortlich.

Leckere Piroggen gibt es in der kleinen Teestube neben dem Romanow-Anwesen, ul. Warwarka 8B.

 

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From → Architektur

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