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Die kältesten Winter in Moskau

1. Februar 2017

Schnee und Kälte haben uns in den letzten Monaten fest im Griff – endlich mal ein ordentlicher Winter!

Noch vor hundert Jahren, Ende des 19./Beginn des 20. Jahrhunderts, waren Temperaturen von -25 bis -30 Grad im Januar in Moskau nicht ungewöhnlich. Nicht umsonst hört man solche Begriffe wie „Weihnachtsfröste“ oder „Tauffröste“ – Kälte in dieser Zeit wurde geradezu erwartet.

Allerdings gab es auch extreme Situationen. 1902 fiel das Thermometer bereits Anfang Dezember unter -30 Grad. Um Obdachlose vor Erfrierungen zu bewahren, wurden gerade in diesem Dezember einige Armenhäuser von Wohltätern eröffnet.

Ende Dezember 1907 herrschte über eine Woche lang knackiger Frost, nie stieg die Temperatur auf

über -30. Drei Jahre später feierte man Weihnachten bei -37 Grad.

Auch die Revolution konnte die Kälte nicht verjagen. Starker Frost im Dezember 1919 verschärfte die auch sonst nicht einfache Situation – es fehlten Lebensmittel und Holz, die Straßenbahnen fuhren nicht, da die Leitungen eingefroren waren und die Moskauer waren gezwungen, alles anzuziehen, was sie hatten und zu Fuß oft lange Strecken auf Arbeit zu laufen.

Der stärkste Frost am 19. Januar (Taufe) seit Beginn der Wetterbeobachtung erreichte Moskau mit -32 Grad 1927. Von 1927 bis 1937 war es im Januar nur um die -10 Grad kalt.

Rekordverdächtig zeigte sich der Winter 1940/41. Die Frostperiode zog sich über drei Monate hin, dabei fiel die Temperatur auf unter -40 Grad, den Rekord hielt der 17. Januar 1941 mit -42.

Damals erlitten viele Menschen Erfrierungen, die meisten Betriebe wurden geschlossen, die meisten Heizkraftwerke konnten ihre Funktionen nicht mehr erfüllen. Rohre platzten, der öffentliche Nahverkehr kam zum Erliegen, alle Straßenbauarbeiten mussten eingestellt werden. Viele Apfelbäume erfroren. Die Stadt hatte noch lange alle Hände voll zu tun, um die Schäden dieser arktischen Kälte zu beseitigen.

Auch der Januar 1942 war ein sehr kalter Monat, -40 Grad vertrieben die deutschen Soldaten aus der Nähe von Moskau.

Bis an die -40 Grad ging es auch noch später, -38 im Januar 1956, -36 im Winter 1959, doch insgesamt wurden die Winter etwas wärmer.

Die älteren Leute erinnern sich wahrscheinlich noch an den Winter 1978/79, als dem europäischen Teil der Sowjetunion starke Fröste zusetzten. In Moskau fiel die Temperatur am 30./31. Dezember auf -36,5 Grad, einigen Angaben nach sogar auf -40. Im Umland wurden vor Silvester sogar -45 Grad erreicht.

Und noch einige Rekorde dieses Winters: der größte Temperaturabfall wurde im Dezember 1978 beobachtet, vom 15. bis zum 31. fiel die Temperatur um 40,3 Grad von +2,3 auf -37,9. Am 16. Dezember rutschte das Thermometer innerhalb von 24 Stunden um 26,3 Grad, von +1,3 auf -25.

In den letzten 25 Jahren war es 2011 am kältesten. Zwei Monate hielt der Frost an, die Temperatur stieg nicht über -20 Grad. Vor Silvester gab es zwei Tage lang Eisregen. Und dann schlug der Frost wieder zu.

Der Kältepol im Moskauer Umland scheint Naro-Fominsk in südwestlicher Richtung zu sein. Die Stadt ist in einer Senke gelegen, in der sich die kalten Luftmassen sammeln.

 

Simone Hillmann

 

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From → Landeskunde

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