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Trjochgornaja manufaktura – die Manufaktur auf den drei Hügeln

8. Januar 2017

Die „Trjochgorka“ (Drei-Berge, abgeleitet vom Ort) ist eine Stofffabrik in Moskau. Sie ist mit nunmehr 217 Jahren die älteste ihrer Art auf dem russischen Markt. Sie bewahrt die besten Traditionen des russischen Unternehmertums und der Textilindustrie. In unserer Zeit präsentiert sie ein breites Sortiment, dessen Qualität modernen Standards und Ansprüchen genügt, der nationale russische Stil geht dabei nicht verloren. Die Manufaktur stellt Baumwoll- und Leinenstoffe her – für Bekleidung und Dekoration. Außerdem produziert sie Tischdecken, Bettwäsche, Servietten, Gardinen, Decken und Deckchen. Das ganze Sortiment inklusive Souvenirs wie beispielsweise Schürzen, Handtücher, Teewärmer oder Brotsäckchen findet man im Werksladen des Betriebes in der ul. Rodschelskaja 15, Metro 1905 goda oder Krasnopresnenskaja, sowie im Internetshop http://www.trekhgorka.ru/internet_magazin. Ein Besuch im Geschäft lohnt sich unbedingt, auch für Mitbringsel ist es eine gute Adresse.

Die Fabrik wurde 1799 vom Moskauer Kaufmann Wasilij Prochorow gegründet, sie entwickelte sich sowohl unter den Zaren als auch in der Sowjetzeit. An der Wende zum 19. Jahrhundert war die Kattundruckerei in Russland allerdings noch nicht weit entwickelt. Handwerkerzünfte gab es in dem riesigen Reich fast nicht, so dass entsprechend ausgebildete Meister und Arbeiter nur schwer aufzutreiben waren. Prochorow und seinem Kompagnon Resanow gelang es jedoch, alle Widerstände zu überwinden, um 1810 herum entstand die Stofffabrik an der Moskwa im Gebiet Nischnjaja Presnja. Es gab ein chemisches Labor für die Farbherstellung, eine Werkstatt für Verarbeitung, ein Lager. Russische Künstler entwarfen die Muster für die Stoffe selbst. Die Eigentümer kauften die Ausrüstung und begannen zu produzieren. Im Zuge des Einfalls der Franzosen 1812 wurden alle Moskauer Textilfabriken zerstört, die Trjochgorka konnte jedoch schnell wieder aufgebaut werden. Konkurrenzlos und auch dank des Friedens in Europa, der Abschwächung der Handelsverbote, der Entwicklung der Dampfmaschine wuchs der Gewinn der Manufaktur stetig.

In den zwanziger Jahren widmete man sich verstärkt der Entwicklung der Textilindustrie. Nach 1828 wurden in der Fabrik Jacquardwebstühle aufgestellt. Die Herstellung von Sitez, einem leichten Baumwollstoff, wurde eingeschränkt und auf den ersten Platz rückte die Herstellung von Tüchern, Schals und Bettdecken. In den dreißiger Jahren war die Trjochgorka der größte Moskauer Textilbetrieb und wurde aufgrund seiner quantitativ hochwertigen und mit schönen Mustern versehenen Stoffen stark beachtet. Die Unternehmer der Familie Prochorow fuhren auf Messen und Ausstellungen, um für ihre Produkte zu werben. Sie lernten ständig Neues über die Stoffherstellung und die Technologie des Produktionsprozesses. Trotzdem verlangsamte sich in den sechziger Jahren die Produktion. Das war den schwierigen Umständen im Staat geschuldet – Aufhebung der Leibeigenschaft, Missernten im Süden Russlands und Sibirien, Einschränkung des Handels mit dem Ausland. Die gesamte Textilindustrie geriet in eine Krise. Unter großen Schwierigkeiten hielten sich die Prochorows auf dem Markt. In den siebziger Jahren stellten sie hervorragende Künstler ein, die neue Muster entwarfen. Die gesamte Produktion wurde reorganisiert.

Doch eine neue Tragödie ließ nicht lange auf sich warten – in der Nacht vom 22. zum 23. Dezember 1877 zerstörte ein Feuer alle Gebäude am Moskwa-Ufer. Die Produktion musste an einen anderen Ort verlegt werden. An der Moskwa wurde eine ganz neue Fabrik gebaut, die Maschinen für die Stoffherstellung  stammten aus England. 1882 wurde unter der Leitung von Oskar Miller das Labor  eingeweiht.  Ebenso konnten die Werkstätten auf den „drei Bergen“ ihre Arbeit fortsetzen.

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges arbeiteten ungefähr 7 300 Menschen in der Fabrik. Nach der Oktoberrevolution wurde die Fabrik nationalisiert. Anfang der zwanziger Jahre nahm die Fabrik ihre Produktion wieder auf. Vieles wurde in den Zwanzigern erneuert – die Maschinen, die Farbenrezepturen, eine neues Kraftwerk wurde errichtet. Das Sortiment umfasste Baumwollstoffe aller Art. Das Drei-Schicht-System wurde eingeführt. In den dreißiger Jahren wurden zwei Fünfjahrpläne sehr erfolgreich absolviert – im ersten wurden 731 Millionen Meter Stoff produziert, im zweiten konnte der Ausstoß um zwanzig Prozent erhöht werden. Außerdem wurden neue Gebäude, eingeschlossen Wohnhäuser für die Arbeiter errichtet. Ein Kulturpalst, ein Theater, Parks und Alleen vervollständigten das Ensemble. Eine Diät-Kantine wurde eröffnet. Zusätzlich wurden, um die Lebensmittelsituation zu verbessern, ein Sowchos gebildet, ein Schweine- sowie ein Karnickelstall eingerichtet, die die Betriebskantine mit frischem Fleisch belieferten.

Zu Beginn der dreißiger Jahre begann man mit Viskosefasern zu experimentieren. Leider wurden alle Versuche durch den Beginn des Zeiten Weltkrieges gestoppt. Nunmehr wurden nur noch Stoffe hergestellt, die an der Front gebraucht wurden.

Nach dem Krieg wandte man sich wieder den alltäglichen Stoffen zu. Außerdem kümmerte man sich verstärkt um soziale Probleme. Eine Poliklinik wurde eröffnet, in der sich die Arbeiter nachts Untersuchungen oder Anwendungen unterziehen konnten, also ohne Unterbrechung ihrer eigentlichen Arbeit.

Neue Stoffe wurden entwickelt, vor allem Deko- und Spitzenstoffe. Auf dem Modekongress 1956 in Warschau wurde ein Kleid aus Spitze mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Stoffe für die Lenin-Ecken und für besondere Anlässe wurden herausgebracht, ebenso Embleme und Souvenirs.

Die Weberei wurde 1980 rekonstruiert. Die Trjochgorka wurde immer bekannter, alle Schichten der Bevölkerung wollten mit ihrem Stoff versorgt werden. In den achtziger Jahren wurden ungefähr 200 Millionen Meter Stoff produziert.

In den Neunzigern musste die Fabrik um ihr Überleben kämpfen. Die Künstler machten sich selbständig und arbeiteten an der Herstellung neuer moderner Stoffe. 1992 wurde das Werk privatisiert und in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.

In Zusammenhang mit dem Beschluss zur Standortverlagerung  von Industriebetrieben in das Moskauer Umland musste auch die Trjochgorka ihren angestammten Platz verlassen. Zurück blieben nur die Direktion, ein Lager, das Design-Zentrum, eine Nähwerkstatt und der Werksladen.

Die Erfahrungen in der Stoffherstellung, des Färbens und Entwerfens der Bilder und Muster wurde von Generation zu Generation weitergegeben und trotz aller Schwierigkeiten überlebte die berühmte Marke Trjochgornaja Manufaktura mit ihren russischen nationalen Traditionen und dem Zusatz „Hergestellt in Russland“.

Und – man versucht, das ehemalige Industriegebiet zu entwickeln. Im Innenhof der ehemaligen Manufaktur haben sich Werkstätten und viele zum Teil auch sehr nette Kneipen angesiedelt, zum Chillen ideal.

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