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Moskauer Modezaren – Slawa Saizew

8. Januar 2017

Über 70 Designer aus Russland, Georgien und der Ukraine zeigten auf diesjährigen “Fashion Week Russia” im Oktober ihre Kollektionen. In den vergangen zwanzig Jahren hat sich in Russland eine solide Modeindustrie entwickelt mit vielen einheimischen Stars, aber nur einigen wenigen international bekannten Namen. Einer von ihnen ist zweifelsohne Slawa Saizew, der als der Wegbereiter der russischen Mode gilt.

Vor einiger Zeit besuchten wir eine Modenschau im Haus der Mode – das ist das Haus des sowjetisch/russischen Modeschöpfers Slawa Saizew, eigentlich Wjatscheslaw Michailowitsch Saizew. Er wurde 1938 in Iwanowo geboren. Aus einfachen Verhältnissen stammend – seine Mutter war Wäscherin, sein Vater wurde nach deutscher Kriegsgefangenschaft verbannt – beendete er 1956 das dortige Technikum als Stoffdesigner. 1962 verließ er das Moskauer Textilinstitut und begann als künstlerischer Leiter in der Experimentellen Nähfabrik in Babuschkino zu arbeiten. Seine Karriere fing mit der Ausarbeitung einer Kollektion für Berufskleidung für Frauen auf dem Dorf, die allerdings nicht beachtet wurde – jedenfalls nicht in der Sowjetunion, aber im Ausland. Pariser Modeschöpfer wurden auf ihn aufmerksam. Drei Jahre später, als Saizew sich auch in Moskau bereits einen Namen als Macher von Frauenmode im Handel gemacht hatte, wurde er zum künstlerischen Leiter des Hauses der Modelle auf Kusnetzkij Most berufen. Die Pariser Kollegen betrachteten ihn als gleichberechtigten Partner. Wirklich gleichberechtigt war er allerdings erst in seinen Fünfzigern, bis 1986 hatte er keine Möglichkeit, selbst ins kapitalistische Ausland zu fahren. In seiner Zeit im Haus der Modelle entwarf er eine Reihe von Kollektionen, darunter beispielsweise die „Russische Serie“ (1965-1968). Sie wurden auch, allerdings ohne die Anwesenheit des Schöpfers, im Ausland gezeigt. Für sein Kleid zum Thema „Russland“ erhielt Saizew 1967 den Grand Prix auf dem Internationalen Modefestival in Moskau. Im Ausland wurde er inzwischen aufgrund seiner Fähigkeiten als Roter Dior bezeichnet.

Allerdings behinderten die zahlreichen Vorschriften und Gutachter, die seine Modelle entstellten und den Produktionsprozess verzögerten, seine Arbeit im Haus der Modelle, das er schließlich nach 13 Jahren verließ. 1982 wird er künstlerischer Leiter des wiedereröffneten Haus der Mode auf dem Prospekt Mira 21, 1988 gar dessen Direktor. Und hier schuf und entwickelt er immer noch seine weit über die Grenzen des Landes bekannten Kollektionen. Als erster Modeschöpfer in der UdSSR durfte er sein eigenes Label betreiben.

1988 präsentierte er seine Modekollektionen in Frankreich und wurde von Jacques Chirac zum Pariser Ehrenbürger ernannt. 1989 wurde er zum Mode-Mann des Jahres gekürt. Neben seiner Arbeit als Modemacher kreierte er Parfüms und Duschgels.

Zu seinen bedeutendsten Kollektionen gehören „Russische Saison“ in Paris, Männermode, Damenmode aus europäischen Stoffen, aber auch Damenmode aus russischen Stoffen. Saizew galt in den 1990er Jahren als bedeutendster russischer Modeschöpfer.

Saizew tritt ebenfalls mit Vorträgen auf, führt Weiterbildungen durch. Für Theatervorstellungen entwirft er zahlreiche Kostüme. 1988 erarbeitet er sogar Kostüme für ein Theater am Broadway. 1980 entwarf er die Uniformen der sowjetischen Olympiamannschaft und schuf die neue Bekleidung der sowjetischen Miliz. Von 2007 bis 2009 moderierte er eine Modesendung im russischen Fernsehen.

Im Haus der Mode werden nicht nur die neuen Kollektionen der laufenden Saison entworfen, hergestellt und angeboten, dort kann man sich auch ein individuell auf seine Person zugeschnittenes Modell kreieren lassen.

Und mit stolzen 78 denkt Saizew noch lange nicht ans Aufgeben und entwirft bis heute zwei Kollektionen pro Jahr.

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From → Landeskunde

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