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Moskauer Gastlichkeit

2. Dezember 2016

Seit dem 15. Jahrhundert konzentrierte sich aufgrund seiner guten geografischen Lage das politische, religiöse und ökonomische Leben Russlands in Moskau. Die Stadt war dafür bestimmt, die zersplitterten Fürstentümer ringsherum zu einem zentralen Staat zu vereinen. Kaufleute kamen aus allen Teilen des Landes nach Moskau, um die verschiedensten Waren gewinnbringend zu verkaufen, Saisonarbeiter, Pilger – alle strebten nach Moskau. Sie übernachteten in der Regel in den Vertretungen der Klöster, in Herbergen oder Poststationen.

Die Anzahl der Zimmer vergrößerte sich Jahr um Jahr. Die Herbergen waren die ersten Übernachtungsmöglichkeiten. Ein großer Gebäudekomplex mit Zimmern, Kneipen und einem großen Hof für die Pferde und Kutscher gab es in allen Städten, sie waren in der Regel eine Tagesreise mit dem Pferd voneinander entfernt. Allerdings vermochten sie die Kaufleute aus Übersee mit ihrem ausgesuchten Geschmack nicht zufrieden zu stellen. Schon die ersten Einwohner Moskaus trieben Handel mit Ausländern, vor allem mit den östlichen Ländern. Kaufleute aus den fremden Ländern, aber auch reiche russische Kaufleute (vor der Einführung der  Kaufmanns-Gilden) wurden als „gost“ bezeichnet. Sie organisierten in den Handelsstädten spezielle Gebäude – Handelshöfe mit Galerien und kleinen Läden, wo man nicht nur übernachten, sondern auch seine Geschäfte abwickeln und Waren aufbewahren konnte. Im Zentrum der  Handelshöfe befand sich eine Zollstation. In Moskau gab es einige nationale Handelshöfe – einen englischen, armenischen, holländischen, griechischen und deutschen. Der Handelshof in Kitaigorod, der im 16. Jahrhundert zwischen den Straßen Warwarka und Iljinka gegründet wurde, steht bis in die heutige Zeit. An der Wende zum 19. Jahrhundert wurde er nach einem Projekt von Quarenghi umgebaut. Heute finden dort vor allem Messen und Ausstellungen statt.

Peter I. führte einige Veränderungen ein. Er liebte Europa und versuchte, das russische Leben dem europäischen anzupassen. Er schlichtete und stärkte die diplomatischen und Handelsbeziehungen mit vielen europäischen Staaten. Viele Ausländer reisten nach Moskau – Diplomaten, Kuriere, Kaufleute. Für sie mussten mehr und bessere Übernachtungsmöglichkeiten geschaffen werden. Auch die Verlegung der Hauptstadt von Moskau nach Petersburg im Jahre 1712 konnte daran nichts ändern: Moskau blieb trotzdem ein wichtiges Handels- und Wirtschaftszentrum des Russischen Reiches.

Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden in Moskau die ersten Hotels nach europäischem Standard. In den Zeiten des Klassizismus erfüllten die Hotels nicht nur ihren Zweck, sondern verschönerten eine Stadt auch noch. Sie wurden mit Säulen und Säulengängen versehen und sahen wie die reichsten Anwesen aus. Bis in unsere Tage steht auf der ul. Pokrowka ein Hotel, das 1797 von Stasow gebaut wurde. Leider sind seine Säulen verloren gegangen, doch die typischen Merkmale eines Gasthauses an der Wende zum 19. Jahrhundert konnten erhalten werden. Mehr als zehn solcher Typenbauten wurde in dieser Zeit auf dem Boulevardring an den einzelnen Stadttoren errichtet.

Gab es zu Beginn des   19. Jahrhunderts nur sieben Hotels, stieg ihre Zahl im Laufe des Jahrhunderts auf das Zehnfache an. Reiche Klöster wie beispielsweise das Sawwo-Storoschewskij im heutigen Swenigorod ließen in Moskau eigene Gasthäuser bauen, in denen nicht nur Pilger, sondern auch andere Gäste aufgenommen wurden. Zu ihnen gehört das Gebäude in der ul. Twerskaja 6.

Nach den liberalen Reformen Alexanders II. und erst recht nach der Aufhebung der Leibeigenschaft strömten auf der Suche nach Arbeit massenhaft Bauern in die Großstadt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren Hotels für jeden Geschmack zu finden – von billigen Absteigen bis hin zu möblierten Zimmern und luxuriösen Hotels. Kaufleute bebauten ganze Viertel mit Hotels, möblierten Zimmern, Lagern und Geschäften. Diese Anlagen trugen meist den Namen der Eigentümer wie beispielsweise die Anlage Kokorewskoje podworie am Sophienufer.

Ende des 19. Jahrhunderts konnte Moskau auf etwa 200 Hotels und einige Dutzend Herbergen verweisen. Kitaigorod entwickelte sich zum Zentrum des wirtschaftlichen Lebens. Hier standen bis zur Oktoberrevolution die meisten Hotels. Fast alle Viertel dieses Bezirks sind ehemalige Vertretungen verschiedener Regionen oder Dynastien mit Hotels und möblierten Zimmern – Pantelejewskoje, Kasanskoje, Scheremetjewskoje.

Vor der Revolution von 1917 wurden im Stadtzentrum solche prestigeträchtigen und teuren Hotels gebaut wie das National, das Metropol, das Nowomoskowskaja (heute Kempinski). Allerdings wurden sie in der Sowjetzeit nationalisiert. Andere bekannte Hotels wurden nach der Oktoberrevolution liquidiert – das Leipzig, Slawjanskij Basar oder Europa.

In den dreißiger Jahren entwickelte sich in Russland ein neuer Architekturstil, der sowjetische monumentale Klassizismus, auch Stalinempire genannt. Die Gebäude, und natürlich auch die Hotels, wurden als erhabene Symbole des Sozialismus errichtet. Ein Beispiel ist das Hotel Moskwa, wegen dem der größte Moskauer Markt Ochotnyj Rjad entfernt werden musste.

In den fünfziger Jahren werden die neuen Hotels zum Wahrzeichen Moskaus, zwei der berühmten Stalinschwestern sind Hotels, das Ukraina und das Leningradskaja. In den sechziger und siebziger Jahren wurde auch am Stadtrand gebaut. Das zwischen 1964 und 1967 errichtete Hotel Rossija mit über 6 000 Betten wurde vor einigen Jahren abgerissen. Gegenwärtig wird dieses Territorium am Ufer der Moskwa in einen großen Park verwandelt. Er soll zum nächsten Stadtgeburtstag eröffnet werden. Anstelle des ehemaligen Hotels Intourist auf der ul. Twerskaja steht nun das Fünf-Sterne-Hotel Ritz Carlton. In den letzten Jahrzehnten der UdSSR wurden Hotels vorrangig außerhalb des Boulevardrings gebaut.

Momentan werden vor allem im Zentrum der Hauptstadt neue Hotels aller Kategorien errichtet. 2013/14 wurden 24 Hotels mit 6 800 Betten eröffnet. Anlässlich der Fußball-WM 2018 soll es weitere 115 neue Hotels geben. Moskaus größte Übernachtungseinrichtungen sind Ismailowo (10 000 Betten) und Kosmos (3 600 Betten). Seit den neunziger Jahren entstehen viele kleinere private Pensionen und Hostels.

Ungefähr 9 000 Zimmer befinden sich in der Hand ausländischer Ketten wie Kempinski, Hyatt, Novotel, Renaissance oder Radisson.

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