Skip to content

Das Kraftwerk neben dem Haus am Ufer

3. Juni 2016

Am Bolotnaja Nabereschnjaja wird in Kürze ein neues kulturelles Zentrum entstehen. Das italienische Architekturbüro Renzo Piano hat ein Projekt für die Umgestaltung des Kraftwerkes, das GES-2, erarbeitet. Piano zeichnet auch verantwortlich beispielsweise für das Pariser Centre Pompidou oder The Shard in London.

Der Betrieb wurde zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts als Zentrales Kraftwerk des Unternehmens der Moskauer Eisenbahn errichtet. Damals war die Duma dabei, die Pferdefuhrwerke durch Straßenbahnen zu ersetzen. Sie bekamen ihren ersten Strom vom Kraftwerk der „Gesellschaft für elektrische Beleuchtung 1886“ am Rauschskaja Nabereschnjaja, jetzt GES-1. Das Straßenbahnnetz entwickelte sich schnell und deshalb wurde der Bau eines weiteren Kraftwerkes notwendig. Der Platz am Bolotnjaja Nabereschnjaja erwies sich als günstig, denn Wasser konnte problemlos aus dem Kanal entnommen werden. Das lange Gebäude mit den vier hohen Schornsteinen hat große Bogenfenster, um den zwei Maschinenräumen genügend Licht zuzuführen. Im Haus an der heutigen ul. Serafimowitscha befanden sich das Dispatcherzentrum und die Verwaltung. Der Zaun am Nabereschnjaja Ufer wurde mit Jugendstilgemälden und Blitzen, dem Symbol des Stroms, verziert.
Am 2. Februar 1907 konnte das Kraftwerk seine Arbeit aufnehmen. Über Kabel, die auf dem Grund der Moskwa verlegt wurden, floss der Strom in die Stationen Lubjanskaja, Krasnoprudnaja und Miusskaja, später auch nach Sokolniki. Neben der Belieferung der Straßenbahnstrecken mit Strom war das Kraftwerk auch zuständig für Wärme und Licht im Zentrum Moskau, u. a. für die Versorgung der Christi Erlöser Kirche und der Tretjakow-Galerie.
1925 wurden die beiden Kraftwerke auf der Insel durch Leitungen vereinigt und modernisiert. In dieser Zeit begann in unmittelbarer Umgebung der Bau eines riesigen Wohnkomplexes für Kremlangestellte, mit Kantine, Klub, Supermarkt, Kino und Theater – heute bekannt unter dem Namen Haus am Ufer. Das Kraftwerk verschwand im Hintergrund.
Im Juli 1946 erhielt Moskau erstmals Gas aus Saratow und das Kraftwerk wurde 1947 auf Gas umge-stellt.
In den neunziger Jahren erfolgte eine weitere Modernisierung, neue Technologien erlaubten den Bau eines viel kleineren Werkes, das alte Gebäude hatte seinen Zweck erfüllt. Es befindet sich nun in Privatbesitz. Ein Fond beschäftigt sich seit letztem Jahr mit seiner Umrüstung.
Was ist geplant?
Die Architekten wollen den historischen Anblick des Gebäudes erhalten. Der Maschinensaal wird sich in einen Ausstellungssaal verwandeln, in den Schornsteinen wird die Luft zirkulieren, alles wird dafür getan, um ein möglichst energieeffizientes System einzurichten. Dabei kommt der zentralen Fassade eine regulierende Funktion zu, sie schützt die Räume vor Kälte, verwendet Sonnenenergie und schirmt die Galerien vor direkter Sonneneinstrahlung ab. Das Gebäude wird nicht nur Sonnenenergie, sondern auch Wasser aus der Moskwa zur Stromherstellung verwenden. Außerdem soll Regenwasser gesammelt werden. Des weiteren wird ein Birkenwäldchen angepflanzt, das die Luft reinigen soll. Man darf also gespannt sein, wie und was davon alles verwirklicht werden wird.
Die Elemente, die dem Gebäude zur ökologischen Nutzung verhelfen, sollen den Besuchern teilweise sichtbar gemacht werden. Die Sonnenbatterien sollen zu sehen und der Mechanismus des Ansaugens von Frischluft sollen nachvollziehbar sein.
So wird in den nächsten Jahren auf dem Werksgelände in unmittelbarer Nachbarschaft des Roten Oktober ein neuer kultureller Raum entstehen, in dem Ausstellungen, Vorträge und Konzerte stattfinden werden.

Advertisements

From → Moskau

Schreibe einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: