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Das russische Glas

29. April 2015

Die Herkunft des russischen Pressglases ist nicht ganz geklärt. Die Legende besagt, dass das erste Glas noch zu Zeiten Peters I. gefertigt wurde. Ein Glaskocher aus Wladimir schenkte dem Zaren solch ein Gefäß und versicherte, dass es nicht kaputtgehen würde. Peter trank einen Schluck und schleuderte das Glas auf den Boden, wo es zerbrach … Daraus soll sich die Tradition entwickelt haben, während einer Feier Gläser an die Wand oder auf den Boden zu werfen.

Der Geburtstag des Glases wird am 11. September gefeiert. Genau an diesem Tag soll 1943 das erste Glas in der alten Stadt Gus-Chsustalnyj vom Band gelaufen sein. Das Design des berühmten Glases für die Arbeiterklasse wurde möglicherweise von Wera Muchina, der Autorin der monumentalen Skulptur „Arbeiter und Kolchosbäuerin“, entwickelt. Damals musste man sich mit der Form für Gläser in den Kantinen auseinandersetzen. Sie leitete in der Zeit der Blockade in Leningrad eine Glaskunstwerkstatt. Vielleicht haben ihr dabei Malewitsch oder gar ihr Ehemann geholfen. Jedoch gibt es keinen schriftlichen Nachweis. Eine andere Version gibt dem Ingenieur Slawjanow, der sich in der Metallindustrie verdient machte, den Vorzug.
Das einfache Glas ist wohl doch schon älter, denn auf einem Gemälde von Petrow-Wodkin aus dem Jahr 1918 ist eins mit zwölf Kanten.

Im Vergleich mit dem herkömmlichen Glas weist es einige Vorteile auf: es hat eine leicht zylindrische Form, durch seinen Schliff ist es stabiler und es geht auch nicht kaputt, wenn es aus einem Meter Höhe auf einen Betonboden fällt. Deshalb werden sie immer noch hergestellt und gern in Kantinen und Zügen eingesetzt. Und es war aufgrund seiner Parameter zu gebrauchen, als in der Sowjetunion Geschirrspüler auftauchten. Lange Zeit wurden sie auch in den sowjetischen Wasserautomaten eingesetzt.

Die sowjetische Hausfrau benutzte das Glas nicht nur zum Trinken, sie nahm es auch zum Abmessen von Mehl, Bohnen usw., zum Ausstechen von Teig für Pelmeni und Wareniki. Im Winter wurde ein Glas, das halb mit Salz gefüllt war, zwischen die Fenster gestellt, um so die Luftfeuchtigkeit zwischen den Rahmen zu verringern und Schimmel- und Eisbildung zu verhindern. Auch Pflanzen wurden im Glas gezogen.

Der Rohstoff für das Glas wurde bei 1400 bis 1600 Grad gekocht, die Gläser wurden noch zwei Mal gebrannt und nach einer speziellen Technologie geschliffen. Manchmal wurde der Glasmischung noch Blei hinzugefügt, das bei der Kristallherstellung verwendet wurde.
Die Gläser wurden mit einer unterschiedlichen Anzahl, nämlich acht bis vierzehn, von Schliffen hergestellt. Klassisch sind zehn oder siebzehn Schliffe.
Die sowjetischen Alkoholiker meinten, dass die Welt, die man durch so ein Glas betrachtet, viel besser aussieht als sonst. In den fünfziger Jahren hieß es, dass der, der aus einem Pressglas trinkt, immer genug Wodka im Haus haben wird. Die Brüche im Glas sollen ein genaues Maß nicht zugelassen haben. Und es gab den Aberglauben, dass man nach einer Sauferei am nächsten Tag nicht so einen großen Kater bekam.

Inzwischen wurde das mittlerweile exotische Glas zum Symbol der Sowjetunion, Kultobjekt einiger russischer Generationen und zu einem gerne genommenen Souvenir ausländischer Touristen.

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From → Landeskunde

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