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Moskauer Bahnhöfe

1. Februar 2015

Das 19. Jahrhundert war das Jahrhundert der Geburt und Entwicklung des Eisenbahnwesens in Russland. Die Entwicklung des Handels mit dem westlichen Teil des Russischen Imperiums erklärte die Notwendigkeit einer Eisenbahnlinie bis Smolensk und weiter bis nach Brest und Warschau. 1868 erlaubte Zar Alexander II. den Bau einer solchen Strecke. Den Ort für den Weißrussischen Bahnhof in Moskau wählte man nicht zufällig aus, der Platz Twerskaja Sastawa war damals eine Einöde nicht weit entfernt von Moskau und die westliche Richtung war von dort aus gut zu erreichen. Bereits 1870 konnten die Strecke Moskau-Smolensk und der Bahnhof eingeweiht werden. Im darauffolgenden Jahr wurde die Strecke bis Brest verlängert.

In den neunziger Jahren erhöhten sich die Passagierzahlen, die Strecke wurde zweigleisig ausgebaut, auf dem einzigen Bahnsteig bekam man langsam Platzprobleme. Doch erst 1907 wurde der Bau eines größeren Bahnhofs bewilligt. Von den vier Bahnsteigen war einer nur für die Zarenfamilie vorgesehen. Im rechten Flügel wurde ein VIP-Saal für den Hof eingerichtet. 1910 konnte der neue Bahnhof im neoklassizistischen Stil eröffnet werden. Er weist auch Elemente der Pseudogotik und des Empire auf, es wurde innovativ mit Metall und Beton gebaut. Modern waren auch die Kassen und der Telegraph. Hier wurden erstmals die Fahrkarten nicht von Hand, sondern von speziellen Apparaten ausgestellt. Die zentrale Fassade wurde mit den Wappen der Städte längs der Eisenbahnstrecke verziert. Über den vier Eingängen erheben sich Türmchen mit Fahnenstangen. Die letzte Rekonstruktion 2007/09 konnte den historischen Anblick des Bahnhofs erhalten.

Der Kasaner Bahnhof ist einer der größten Bahnhöfe der Welt, von hier aus verkehren Züge nach Ost, Süd und Südost. 1862 wurde an dieser Stelle der Rjasaner Bahnhof aus Holz errichtet. Doch schon bald konnte er die vielen Passagiere nicht mehr bewältigen, die Menschen mussten aus den Zügen springen, da die Bahnsteige zu kurz waren. Auch das folgende Gebäude aus Stein war bald zu klein. Ende des
19. Jahrhunderts wurde die Strecke von Moskau bis nach Kasan gebaut. Die Ausschreibung der Rekonstruktion des Bahnhofs gewann Schtschusew. Er plante die Komposition mehrerer Gebäude, die unterschiedlich groß und hoch sein sollten, mit verschiedenen Etagen. Sein Projekt lehnte sich an den Stil der russischen nationalen Architektur an. Außerdem plante der Architekt einen 73 Meter hohen Turm in der Mitte. Er war dem Turm Siuiumbeke im Kasaner Kreml nachempfunden, gekrönt von Schlange Silant, einem alten Symbol Kasans. Der Bahnhof sollte die Atmosphäre des alten Moskaus wiedergeben. Im Geist des Naryschkinbarocks gebrauchte er weiße Ornamente auf rotem Ziegel. Schtschusew verwendete eine mutige Eisenbetonkonstruktion. Links neben dem Hauptgebäude steht ein kleiner Turm mit einer Uhr, auf dem Zifferblatt, das Schtschusew selbst entworfen hatte, sind Sternzeichen gemalt. Hinter dem Uhrenturm befand sich ein beheizter Bahnsteig, heute ist dort ein Wartesaal, das ehemalige Restaurant wurde zum VIP-Saal umfunktioniert. Schtschusew leitete die Arbeiter persönlich an, sein Büro hatte er vor Ort eingerichtet. Leider vereitelten der Ausbruch des Ersten Weltkriegs, Bürgerkrieg und Revolution fast alle seine Pläne. Erst die Rekonstruktion in den siebziger Jahren setzte einige seiner Ideen um. Nach der Perestroika wurde die Fassade erneuert, innen erfolgte ein Umbau, neue Wartesäle entstanden sowie ein Tunnel, der die drei Bahnhöfe verband.

l3Der Leningrader Bahnhof ist der älteste Bahnhof der Hauptstadt. Schon 1842 gab Nikolaus I. den Befehl zum Bau der Strecke Sankt Petersburg-Moskau. Das Projekt wurde von Konstantin Ton ausgearbeitet, der durch die Christi Erlöser Kirche und den Großen Kremlpalast bereits bekannt war. In Moskau suchte man den Kalantschewskij Platz aus, dort stand nichts, in Sankt Petersburg baute man einen Bahnhof nach dem gleichen Projekt in der Nähe des Newskij Prospekts: eine zweigeschossige Fassade mit strengen Formen, Säulen, Bogenfenstern, einem Turm mit einer Uhr und einer Fahnenstange ganz oben. 1849 wurde der reichlich 50 Meter lange und 25 Meter breite Bahnhof fertiggestellt. Im Erdgeschoss befanden sich eine lichtdurchflutete Halle, Wartesäle für die Reisenden sowie die Zarengemächer. Im ersten Stock wurden Dienstwohnungen eingerichtet. Den Fußboden bedeckte Eichenparkett, schwedische Öfen aus Marmor und beheizte Toiletten vervollständigten den schicken Bahnhof. Der erste Zug von Moskau nach Sankt Petersburg fuhr am 3. August 1851. Die umgekehrte Strecke hatte die Zarenfamilie schon einige Wochen früher ausgetestet. 1934 erhielt der Bahnhof ordentliche Kassen, eine Auskunft, eine Post, sogar eine Sparkasse und einen Telegraf. Es gab spezielle Säle nur für Durchgangsreisende. In den ehemaligen Zarenzimmern wurden Bereiche für Mutter und Kind eingerichtet. Bei der Rekonstruktion in den siebziger Jahren blieb nur die Fassade unangetastet.

Der Platz am Kiewer Bahnhof gehörte früher zu Dorogomilowo, der Vorstadt der Kutscher. Sie hatten die Aufgabe, Passagiere und Lasten zu befördern und waren von allen anderen Pflichten befreit. Später entstanden andere Kutschersiedlungen in Kolomenskoje und Rogoschskoje. 1895 gab der Zar die Erlaubnis zum Bau der Strecke Moskau-Brjansk. Auch bei den Kutschern in Dorogomilowo war viel Platz für den Bau eines Bahnhofes. Allerdings verhängte die Duma die Auflage, die Borodinsker Brücke zu rekonstruieren sowie das Ufer der Moskwa zu verstärken. 1899 wurde das nicht sehr ansehnliche Gebäude eingeweiht. k1Das hundertjährige Jubiläum der Schlacht bei Borodino wurde 1912 zum Anlass für den Bau eines neuen Bahnhofs genommen. 1914 konnte mit dem Bau begonnen werden und trotz des Krieges wurde er zügig fertiggestellt. Die ersten Züge fuhren bereits 1918. Ungewöhnlich war der Empirestil, damals war eher der Jugendstil in Mode. Der Brjansker Bahnhof war damals der größte in Moskau. Der berühmte Ingenieur Schuchow (siehe auch https://moskultinfo.wordpress.com/2013/10/20/schuchow-ein-genialer-ingenieur-und-konstrukteur-des-gleichnamigen-sendeturms/) errichtete damals Bahnsteige aus Eisen und Glas. Das verglaste Dach, 28 Meter hoch und 48 Meter breit und insgesamt 321 Meter lang war damals eine tolle Leistung. Schuchow zeichnet ebenfalls für die Überdachung der Bahnsteige verantwortlich. Der asymmetrische Turm mit Uhr ist 51 Meter hoch. Der Adler wurde in Gedenken an die Schlacht bei Borodino angebracht. Das Bahnhofsgebäude überdauerte so bis zu den Olympischen Sommerspielen 1980, für die es dann modernisiert und verbreitert wurde. Bei einer nochmaligen Rekonstruktion 2003 gedachte man Schuchow und erhielt an der Überdachung der Bahnsteige einige seiner Bögen mit Nietenverbindungen.

Der Paweletzker Bahnhof wurde zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts für das damals größte private Verkehrsunternehmen Russlands, die Rjasan-Ural-Eisenbahngesellschaft, gebaut. Im Jahre 1900 nannte die Gesellschaft 3484 Werst Schienenwege ihr Eigen. Der kleine Abschnitt bis nach Paweletzk im Gebiet Rjasan sollte Moskau mit der Haupttrasse verbinden und die Möglichkeit eröffnen, Brot und andere Produkte aus Südrussland nach Moskau zu transportieren. Gebaut wurde im damals angesagten Jugendstil. Es gab bequeme Eingänge, eine Gepäckabteilung, Kassen, eine Apotheke, nach Klassen getrennte Wartesäle, einen Telegraf, ein Restaurant.
Für die Fassade wurde ein spezieller Ziegel verwendet. Im hinteren Bereich waren die Ausgänge zu den Zügen gelegen, außerdem Räume für das Personal und die Polizei sowie der Bereich für die Zarenfamilie. Die Restaurierung in den achtziger Jahren sah den Erhalt der Fassade vor, aber für die Passagiere sollten moderne Annehmlichkeiten geschaffen werden. Die Durchlassfähigkeit des Bahnhofes erhöhte sich auf 10 000 Passagiere pro Stunde. Am 23. Januar 1924 kam der Trauerzug mit dem Leichnam Lenins auf diesem Bahnhof an. Daran erinnert ein Museum links neben dem Bahnhof.

ja3Zum Jaroslawskij Bahnhof führte eine Linie, die mit Unterstützung der Unternehmerfamilie Mamontow gebaut wurde. Auf gleicher Höhe wie der damals schon existierende Nikolaj-Bahnhof stand 1862 das erste Bahnhofsgebäude, klein, aber mit klaren Formen, schön und schlicht. Ein Wagenpark und ein Lokomotivdepot, wo die ersten acht Loks der deutschen Firma Borsig ankamen, vervollständigten die Anlage. 1900 wurde die Strecke verstaatlicht, andere Strecken wurden angeschlossen, das Passagieraufkommen stieg. Den neuen Bahnhof plante 1902 Franz Schechtel. Er verwendete alle Innovationen der damaligen Zeit, Metallkonstruktionen, Eisenbeton, Verblendplatten und sparte viel Geld und Zeit ein. 1906 konnte das Jugendstilgebäude in Betrieb genommen werden. Vorn an der Fassade sind die Wappen der Städte angebracht, die durch die Eisenbahn verbunden wurden – Archangelsk, Moskau und Jaroslawl. Die Bahnsteige wurden später von Lew Kekuschew rekonstruiert. 1995 erfolgte eine Sanierung, im Erdgeschoss wurden Kassen eingerichtet, in der ersten Etage Wartesäle, der Säulensaal und die Galerie wurden erneuert. Zurzeit fahren die Züge von 16 Bahnsteigen ab.
Ende des 19. Jahrhunderts erfuhr der Handel mit dem Pribaltikum und den europäischen Staaten einen rasanten Aufschwung. Russland verhandelte mit den baltischen Ländern über eine Eisenbahnstrecke und einen eisfreien Zugang zur Ostsee. 1897 konnte Nikolaus II. den Bau der Strecke Moskau-Windawo-Rybinskaja mit einer Länge von 2453 km bewilligen. Ein unbebauter Platz in der Nähe des Lasarew-Friedhofs wurde ausgewählt, die Stadtväter beauftragten die Bauherren mit dem Bau einer Wasserleitung, die Brücke über die Trifonowgasse sollte repariert und eine Straße zum Friedhof gebaut werden. 1901 konnte der Rigaer Bahnhof im traditionellen altrussischen Stil eingeweiht werden. Die Rekonstruktion 1995 wurde sehr sorgsam ausgeführt, der Stuck konnte wiederhergestellt werden, ebenso das Interieur der alten Säle sowie die Kronleuchter. Heute können gleichzeitig 1300 Reisende in den Wartesälen Platz nehmen.

Die Idee des Baus der Sawjolow-Eisenbahnlinie kam auch von Sawwa Mamontow. Die Strecke sollte bis an die Wolga führen, die 130 km von Moskau entfernt floss, erster Punkt war Sawjolowo, am anderen Ufer liegt Kimry. Später sollte der Schienenweg bis nach Kaljasin und Uglitsch verlängert werden. Der Sawjolowskij Bahnhof, ein einfaches Gebäude mit Wartesälen, Dienstwohnungen, Polizei, daneben ein kleines Gebäude für den Güterverkehr, konnte 1902 eröffnet werden. Die Rekonstruktion 1987 veränderte an der Fassade nichts, seit 2000 verkehren am Sawjolowskij Bahnhof nur noch Vorortzüge.

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From → Architektur

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