Skip to content
Tags

Sotschi im Sommer

1. Dezember 2014

Nach den olympischen Spielen von Sotschi stand für uns bald fest: Das müssen wir uns im Sommer mal näher ansehen. Wir buchten alsbald Flüge und eine Woche Hotel für uns mit unserem Vierzehnjährigen und dann ging es im August los. Nach dem zweieinhalbstündigen Flug konnten wir an einem Schalter in der Halle der Gepäckausgabe ein Taxi zum fairen Preis bestellen, ohne dass wir von den „Wegelagerern“ belästigt wurden. Die Fahrt was dann nur kurz, da Flughafen und unser Hotel am Olympiapark in Adler gelegen sind. Adler ist ein Stadtteil Sotschis, der rund 30km entfernt vom Zentrum an der Küste Richtung Osten liegt. Das Hotel, direkt am Rund der olympischen Stadien gelegen heißt „Богатыр“, zu Deutsch „Ritter“ und tat dem Namen alle Ehre: Von außen mit Erkern und Türmchen wie ein Disneyschloss (nachts in wechselnden Farben angestrahlt) und innen burgartig ausgestattet mit dem Personal in passender Kleidung und den Zimmern entsprechend möbliert.

Durch das sehr weitläufige Gelände, in dem gerade ein Freizeitpark angelegt wurde, gelangten wir bei 35 Grad bald an den Strand, der leider aus grobem Kies besteht (Vorteil: Man trägt keinen Sand aufs Zimmer). Im Gespräch mit anderen Gästen, offenbar ausschließlich Russen, bekamen wir den Eindruck, dass alle hier ihren ersten Sommerurlaub im eigenen Land verbrachten und es als schön, aber teuer empfanden. In unserem teuren Hotel gab es allerdings ein reichhaltiges preiswertes Abendbüffet.
Mitten im Rund der Stadien beeindruckten uns dann im Dunkeln die Wasserspiele unter der olympischen Fackel mit klassischer Musik und dazu passend pulsierenden bunt beleuchteten Fontänen. Eine nette Atmosphäre mit den zahlreichen schön herausgeputzt flanierenden Gästen!
Am nächsten Tag buchten wir am Stand im Hotel gleich den ersten Ausflug ins Umland. Es ging um 13 Uhr los und sollte bis 20 Uhr dauern. Klar, bei den Entfernungen braucht man die Zeit. Der Bus wurde vom Reiseleiter selbst gesteuert und der redete die ganze Fahrt praktisch ohne Unterbrechungen. Jedes Dorf und jeder Bach wurden erläutert: „Für die Herkunft des Namens gibt es drei Erklärungen, wobei die ersten beiden natürlich nicht ernst zu nehmen sind …“. Mit unseren mäßigen Russischkenntnissen war das schon eine Herausforderung konstant zu lauschen. Als erstes Ziel erreichten wir um vier Uhr eine Honigverkostung. Das war recht interessant, die graue kaukasische Biene gibt vielen Menschen hier einen Broterwerb, doch nachdem es im Hotel noch kein Mittagessen gegeben hatte, hing uns der Magen in den Kniekehlen. Aber auf Nachfrage hieß es, dass hier nur Honig verkauft würde… So mussten wir uns noch gedulden. Die anderen Gäste schienen nicht zu hungern, obwohl wir keine Proviantpakete bemerkten. Um sechs erreichten wir eine Käse- und Weinverkostung bei der wir versuchten uns mit leckeren Häppchen Räucherkäse zu stärken. Auch hier kein Verkauf irgendwelcher Speisen oder Getränke außer Käse und Wein… Auf der Weiterfahrt konnten wir weiteren Erläuterungen lauschen und uns an dem atemberaubenden Bergpanorama erfreuen: Sattgrüne Wälder, schroffe Felsen und keine Be-bauung. Schließlich näherten wir uns um 18.30 den Zielpunkt der Reise: Erst mal mussten wir auf der Ladefläche eines uralten Armeelasters auf Bänken Platz nehmen. Der fuhr alsbald los durch das Bett eines Bergbaches: mit Vollgas über das Geröll zum Teil auch durchs Wasser bis zu den „33 Wasserfällen“. Hier konnten wir absteigen und einem Bächlein aufwärts folgen, das sich in der Reihe von Wasserfällen ergießt. In den Teichen dazwischen badeten viele der Mitreisenden und ließen sich fotografieren. Dann ging es wieder ebenso rasant zurück und nun folgte endlich (um 20.45) in einem Saal das Abendessen. Praktischerweise hatten wir schon vorab aus Schaschlik, Forelle und Huhn ausgewählt, so dass alsbald auch aufgetragen wurde. Währenddessen konnten wir eine Tanzshow erleben mit den kraftvollen Rhythmen und Schrittfolgen des Kaukasus. Dann war aber auch schon zehn Uhr vorbei und wir kamen schließlich um ein Uhr nachts im Hotelzimmer an.
Nach einem Schlaf- und Badetag waren wir wieder bereit für ein neues Abenteuer und buchten einen Tagesausflug (geplant von 8-20 Uhr) nach Abchasien. Das ist ein kleines Land am Schwarzen Meer, das sich 1992 nach einem Bürgerkrieg unter Russlands Schutz von Georgien unabhängig erklärt hat und direkt bei Adler an Russland grenzt. Als erstes mussten wir an der Grenze über eine Stunde warten. Dabei gab es nur auf russischer Seite eine Passkontrolle (ohne Stempel! Das wäre sonst bei einer späteren Einreise nach Georgien ein Problem). Die Reiseleiterin, eine Abchasierin voller Enthusiasmus für ihr Land, sprach über die Se-henswürdigkeiten, Land und Leute und alte Sagen. Wir sahen ein verfallendes Strandbad im sowjetischen Charme, dann ging es in die wild romantischen Berge in einen Nationalpark. Selbstverständlich nach einer Honigverkostung, obwohl schon nach Mittag, gab es keine weitere Verköstigung. Dichtgrüner Wald, aus dem schroffe Felsen ragen, eine 100m-Felswand hängt so weit über, dass man sich darunter stellen kann, klare Bergseen praktisch ohne Bebauung. Endlich um 17 Uhr konnten wir uns dann mit Schaschlik, Forelle und anderen Köstlichkeiten stärken.
Als es nun wieder Richtung Küste ging, rechnete unser Sohn fest mit der direkten Rückfahrt. Stattdessen bogen wir am Meer nach links ab und weiter ging es ins Land: es folgten die älteste Kirche des Landes, die leider sehr baufällig war und dann das sehr beeindruckende Kloster Nowy Afon (Neu-Athos). Dies wurde ab 1874 durch russische Mönche die vom Athos in Griechenland kamen am Hang des Berges, den sie ebenfalls Athos nannten, begründet. Eine schöne Parkanlage und prächtige Ausmalung in der Kirche! Unser Sohn, der meinte, nun hätten wir das Programm absolviert, hatte sich wieder getäuscht: Um halb neun erreichten wir das nächste Ziel. Es ging mit einer kleinen U-Bahn in den Berg zu einer Tropfsteinhöhle! Es heißt, unter den bekannten eine der größten und war tatsächlich ein besonderes Erlebnis. Als wir dann um zehn Uhr abends (solange hat in Deutschland keine Sehenswürdigkeit geöffnet!) wieder draußen waren, ging es nicht ohne eine Probe verschiedener Abchasischer Weine weiter. Diese sind überwiegend recht schwer, wir haben aber doch einen, der sich als Dessertwein eignet, mitgenommen. Schließlich kehrten wir nach der erneuten Grenzkontrolle erschöpft um ein Uhr ins Hotel zurück.
Für den Abend des folgenden Tages, den wir mit Baden verbrachten, hatten wir uns Karten für die Eis-Revue „Feuer eine großen Stadt“ im „Eisberg“-Stadion gekauft. Das war ein atemberaubendes Erlebnis, wie zu Livemusik Eistanz, Ballett und Akrobatik kombiniert wurden. Die Ausführenden waren größtenteils Weltmeister und Olympiasieger, bis auf eine vielleicht Fünfjährige, die schon großartiges Können darbot.
Den nächsten Tag fuhren wir mit der S-Bahn („Lastotschka“) nach Sotschi und bummelten im Ort und an der Promenade. Eine Mischung aus alten Villen und Hochhäusern der Sowjet- und Nachwendezeit. Die Fußgängerzone ist geprägt von etlichen Filialen einer Kette namens „Berlin – Die Allee“, die behauptet deutsche Mode anzubieten. Verblüffend auch ein junger Straßenkehrer, der uns in fließendem Englisch ansprach, den Weg wies und uns schließlich noch dringend das Stadtmuseum empfahl. Am letzten Tag ging es dann noch mit einer Tour nach Krasnaja Poljana, wieder mit durchlaufender Erklärung. Ja, die Reiseleiter nehmen ihre Aufgabe wirklich ernst! Wieder zwischendurch mit Honig- und Weinverkostung. Man kann im Msymta-Tal die neugebaute Bahnstrecke bewundern und erlebt die grandiose Berglandschaft. Krasnaja Poljana zeigt sich als eine recht neue Siedlung im Tal entlang der Msymta. Sehr gepflegt, wirkt aber auch etwas freizeitparkhaft unecht. Vom Ort aus fuhren wir in drei Abschnitten mit Gondelbahnen zum Pik Rosa auf 2320m rauf. Man hätte es erwarten können: Oben war Nebel. Doch es zog etwas auf, so dass man einen schönen Blick auf die nähere Umgebung und ins Tal hatte. Erstaunlich fanden wir die mit Rhododendron-Büschen überwucherten Felsen und die gelb-blühenden Krokusse. Auf dem Rückweg gab es wieder ein Grill-Essen und in Adler eine Besichtigung des Olympiaparks.
Alles in Allem war es eine sehr gelungene Woche. Die Reiseleitungen waren immer sehr engagiert und alles klappte, wobei wir uns wunderten, wie man so enge Zeitpläne aufstellen kann, die gar nicht zu halten sind…
Sotschi hat mit seinem Umland viel zu bieten und wir werden gern wieder kommen. Vielleicht auch mal zum Skifahren.
Matthias Borcholt

Advertisements

From → Russland

Schreibe einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: