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Urlaub in Sibirien

29. August 2014

Ausgestattet mit zwei großen Rucksäcken, in denen sich unsere Überlebensmittel, Bekleidung, Unterkunft und sogar Luxus – zwei Paar Ohrringe befanden, starteten wir von Moskau aus nach Irkutsk an der Angara, Hauptstadt und wichtigstes Wirtschaftsgebiet Sibiriens. Bedeutung haben vor allem die Pelzverarbeitung, die Textil- und Luftfahrtindustrie. Sehr viele Holzhäuser prägen den Charakter der Stadt. 3irkuEinige sind hergerichtet, mit schönen Schnitzereien verziert, die dem Bösen den Zutritt zum Haus verwehren sollten. Ein ganzes Ensemble aus Holzgebäuden steht in der ul. Engelsa, heute befindet sich dort eine kulturelle Begegnungsstätte. Viele Gebäude machen leider einen etwas verwahrlosten Eindruck. Die Fußgängerzone ul. Urickogo führt zum größten Kaufhaus und zum Markt. Von über zwanzig Kirchen an der Wende zum 20. Jahrhundert stehen heute nur noch sieben der größeren, teilweise werden sie aber immer noch fremdgenutzt. Interessant ist die ul. Liebknechta, hier stehen die russisch-orthodoxe Kreuzkirche, eine Moschee und eine Synagoge in unmittelbarer Nachbarschaft.

Von Listwianka aus, einem Ausgangspunkt für Touren rings um den Baikalsee, zuckelten wir mit der Baikalrundbahn, einem Totgleis der Transsibirischen Eisenbahn, 89 km in acht Stunden immer am See entlang bis nach Sludjanka. 18krugloTolle Strecke! Die Bahn wurde zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts erbaut und ersetzte die Fähre über den Baikalsee. Im Vergleich zu anderen Abschnitten der Transsib waren die Baukosten sehr hoch, denn die Schienen mussten am zerklüfteten und steilen Ufer des Baikals verlegt werden. Die 38 Tunnel und viele Galerien sind auch heute noch sehr sehenswerte Konstruktionen der damaligen Ingenieursbaukunst. Bis 1949 gehörte dieser Abschnitt noch zur Transsibirischen Eisenbahn. Danach fuhr der Zug über eine neue Strecke nach Sludjanka. Anfang der fünfziger Jahre wurde in Irkutsk die Angara aufgestaut, ein Wasserkraftwerk wurde in Betrieb genommen, Teile der alten Strecke zwischen Irkutsk und Port Baikal wurden überflutet. So wurde die Strecke Baikal-Sludjanka zur Sackgasse. Jetzt haben vor allem Touristen die Möglichkeit, die einzigartige Strecke am See entlang, vorbei an kleinen Holzhäusern im Jugendstil kennen zu lernen.

23slludIn Sludjanka, dem Ort mit dem weltweit einzigen Bahnhof aus Marmor, erreichte uns die Nachricht, dass der Ausgangsort für unsere Trekkingtour durch das Ostsajangebirge einen Tag vorher überflutet und halb zerstört wurde. So mussten wir unseren Plan ändern und stiegen, umschwärmt von Mücken und anderen stechenden und beißenden Insekten, in Nilova Pustyn in die Berge ein. Lange Zeit führte die teilweise sehr schwierig zu laufende Strecke durch die Taiga, also Wald. 31asajanDie Wege waren matschig, zerwühlt, oft mussten wir über Stämme klettern, durch Wasserläufe waten oder sogar Gebirgsflüsse durchqueren. Sehr schön waren die Wiesen mit ver-schiedenen bunten Blumen, sogar Orchideen, Rhabarber und wilde Zwiebeln wuchsen dort. Am Pass begrüßte uns der frühe Morgen mit Frost, selbst unser Zelt war gefroren. Nach mehreren Tagen der Wanderung erreichten wir das Gebiet Schumak.

Dort warteten auf uns mehr als hundert warme Quellen. Wir lagen in der Radonquelle, haben Wasser gegen alles Mögliche getrunken, es war eine richtige Minikur. Es regnete immer mal wieder und gewitterte, so dass der Umzug vom Zelt in eine der einfachen burjatischen Hütten nicht von Nachteil war. 74chumZurück ging es per Hubschrauber! Von oben schauten wir auf das weite russische Land.

121uuEinen weiteren Eindruck von der Größe der Wälder und unbesiedelten Landschaft bekamen wir während der Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn von Irkutsk nach Ulan Ude, der Hauptstadt Burjatiens. Hier treffen die burjatische und russische Kultur aufeinander und kommen offenbar gut miteinander aus. Die wohl markanteste Sehenswürdigkeit ist der monumentale Leninkopf auf dem zentralen Platz. Von dort aus kann man die Fußgängerzone gut erreichen. Wir haben im Hotel Burjatija übernachtet, etwas von sowjetischem Charme geprägt, aber die Angestellten waren sehr freundlich und hilfsbereit.

145uuVon Ulan Ude aus besuchten wir zwei Dörfer, in denen hauptsächlich Altgläubige leben, deren Vorfahren im 18. Jahrhundert nach Sibirien vertrieben wurden. Sie werden als Semejskie (von semja-Familie) bezeichnet, da sie in großen Familienverbänden in die Baikalgegend kamen. Sie bauten große Bauernhöfe und waren hauptsächlich mit Landwirtschaft beschäftigt. In Tarbagatai zeugt ein kleines Museum gegenüber der neu errichteten Kirche vom alltäglichen Leben der Familien. Altgläubige Traditionen werden beispielsweise im Chor im entlegenen Bolschie Kunalej gepflegt.

114uuIn Iwolginsk in der Nähe von Ulan Ude besichtigten wir den Hauptdazan der Burjaten. Dort befindet sich auch eine Universität, an der Philosophie, Theologie, buddhistische Medizin und Malerei gelehrt werden.

Ein gut gemachtes Freiluftmuseum zeigt in der Nähe von Ulan Ude Behausungen der Altgläubigen, Burjaten und Ewenken.

152bZur Entspannung fuhren wir noch an die Ostküste des Baikalsees. Traumhaft! Dort muss man einfach gezeltet haben, anders kann man den See in seiner Vielfalt nicht auf sich wirken lassen. Klares, kaltes Wasser, Sandstrand – Erholung pur. Möwen, Enten und Streifenhörnchen waren unsere Abwechslung. Von einer Minute auf die andere verändert sich das Wetter, wird es plötzlich stürmisch oder legt sich der Wind wieder. Leider gab es hier wie auch schon in den Bergen Müll, obwohl in Ust Bargusin, unserer Endstation am Baikal, beispielsweise im Mai und im Oktober der Strand aufgeräumt wird.181ub

Burjatische Küche haben wir bis zum Abwinken genossen, Buusy (Hammelfleisch im Teig, so ähnlich wie Pelmeni, nur größer), Omul, der Fisch aus dem Baikal, gesalzen, gebraten und geräuchert, wir schreckten auch vor roher Leber und Wodka aus Milch nicht zurück. Alles in allem ein schöner, interessanter, teilweise sehr anstrengender, aber auch erholsamer Urlaub.

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From → Andere Regionen

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