Skip to content

Die Nikolskaja Straße

29. August 2014

Seit einiger Zeit ist die Nikolskaja Straße, die vom Roten Platz bis zur Lubjanka verläuft, eine Fußgängerzone. Sie ist eine der ältesten Moskauer Straßen. Das ehemalige Nikola des Älteren Kloster gab der Straße ihren Namen. Im 17. Jahrhundert bauten hier viele reiche Familien ihre Paläste. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts befand sich dort das Zentrum des Buchhandels. Leider wurden in der Sowjetzeit viele Gebäude abgerissen. Doch einiges lohnt sich noch anzusehen.

081a5620f3b9f3b5807707c0c1318862Gleich am Anfang steht die kleine Kasaner Kirche, die ursprünglich in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts gebaut wurde. 1936 wurde sie abgerissen, Boris Jofan errichtete an dieser Stelle einen Pavillon zu Ehren der Dritten Internationale. Zu Beginn der neunziger Jahre konnte die Kirche wieder aufgebaut werden.

Schräg gegenüber erheben sich die Oberen Handelsreihen, das GUM. In nur 2,5 Jahren wurden die Oberen Handelsreihen mit zwei Gebäuden, einem unterirdischen Geschoss, einer Zentralheizung sowie einem unabhängigen Kraftwerk fertiggestellt. Der gesamte Platz wurde zwi-schen Händlern der bekanntesten Firmen aufgeteilt. Nun wurde nicht mehr in Buden, sondern in ausgesucht eingerichteten Salons verkauft. Auf drei Etagen gab es in 322 Geschäften alles, was man sich vorstellen konnte. Der Anblick fügt sich würdig in eine Reihe mit dem Kreml und dem Historischen Museum. Das Highlight stellt das originelle Glasdach des Ingenieurs Wladimir Schuchow dar. Es scheint fast durchsichtig wie Spitze zu sein, und doch ist es sicher, der Konstrukteur verarbeitete 16 000 Pud Metall und 20 000 große Glasflächen. Nach der Revolution wurden die Handelsreihen nationalisiert, das Geschäft kam zum Erliegen. Beamte mit Telefonen und Schreibtischen zogen in die Räume ein. Erst in den Zeiten der Neuen Ökonomischen Politik wurde das Haus wiederbelebt, jedoch wurden fast ausschließlich Schreibwaren verkauft. In den dreißiger Jahren wurde der Handel erneut eingeschränkt, die Salons umgebaut. Die Druckerei des Rates der Volkskommissare wurde hier untergebracht. Die Handelsreihen sollten nach dem Stalinschen Generalplan abgerissen werden, da sie der Vergrößerung des Roten Platzes und der Errichtung eines Siegesdenkmals im Wege standen. Doch das wurde zum Glück nie umgesetzt. 1953 erlebte das GUM als Staatliches Kaufhaus seine Wiedergeburt. Unabhängig von allen Höhen und Tiefen der sowjetischen Wirtschaft verkaufte das GUM seine Waren und eröffnete immer neue Filialen.

Auf dem Territorium des ehemaligen Nikola des Älteren Klosters wurde 1660 das Saikonnospasskij Kloster errichtet. Im Hof unter der Nummer 7-9 steht noch die Hauptkirche des Klosters, eins der besten Beispiele des Moskauer Barock der petrinischen Zeit.
In der Kirche traten auch die Zöglinge der Slawisch-Griechisch-Lateinischen Akademie mit Reden auf, unter ihnen Michail Lomonossow. Die Akademie (Nummer 7-9, Gebäude 3) war lange Zeit eine bedeutende Bildungseinrichtung, die nicht nur der Kirche unterstand, sondern auch weltliche Bildung vermittelte. Lange glaubte man, dass von der Akademie nichts übriggeblieben ist. Wissenschaftliche Untersuchungen bewiesen, dass die Lehreinrichtungen und Wohnhäuser der Lehranstalt zwar umgebaut wurden, aber doch noch vorhanden sind.
Ein kurzer Abstecher in die Bogojawlenskij Gasse führt zum gleichnamigen Kloster.

In der Nachbarschaft, Nummer 11-13, befand sich das Griechische Nikolaj Kloster. Hier machten früher die griechischen Gesandten und Mönche Halt, die aus Griechenland aufgebrochen waren, um Geld zu sammeln. Das Gebäude wurde mehrfach umgebaut. 1902 wurde ein neues Haus mit einem Glockenturm im byzantinischen Stil errichtet. Heute sind dort Geschäfte und Unterrichtsräume der Universität.

druckereiUnter der Nummer 15 existierte im 17. Jahrhundert die Druckerei des Zarenhofes, in der Iwan Fjodorov 1564 das erste russische Buch herausgab. Die erste Zeitung, „Vedomosti“, erschien 1703. Um neue Produktionsflächen zu schaffen wurde ein neues Haus mit der Fassade zur ul. Nikolskaja gebaut. 1811 im gotischen Stil umgebaut zog hier die Synodaldruckerei ein. Über dem Eingang befindet sich eine Sonnenuhr. Heute beherbergt das Gebäude die Universität.
Die Nummer 17 war früher das bekannte Hotel „Slawjanskij Basar“, in dem auch Tschaikowskij und Tschechow logierten. Besonders begeisterte die Gäste das angeschlossene Restaurant, das erste russische Restaurant mit russischer Küche und europäischem Service. 1993 brannte das Gebäude aus. Nach der Rekonstruktion befindet sich dort das Staatliche akademische musikalische Kammertheater.
Der Tretjakowskij Projesd gehörte und gehört nach der letzten Sanierung wieder zu den teuersten Plätzen Moskaus. Hier siedelten sich Filialen großer Firmen an – das Geschäft der Brü-der Aleksejew bot die modischste Kleidung an, es gab einen Teeladen, eine Bank und andere.

Die bekannteste Apotheke Russlands des 19. Jahrhunderts, betrieben vom deutschstämmigen Karl Ferrein, befand sich im Haus Nummer 21. Das heutige Gebäude stammt von 1890, es wurde von vier Göttinnen der Medizin mit Schlangen in den Händen geschmückt. Nach der Oktoberrevolution floh die Familie Ferrein aus Russland und ließ alles im Stich – den Laden, die Plantagen in Podmoskowie und auf der Krim, Laboratorien, eine Chemiefabrik und ein Pharmawerk, auch heute bekannt unter dem Namen „Ferrein“.

Das Haus Nummer 23 hat eine lange Geschichte. Die unteren Etagen weisen Fragmente der Gemächer der Fürsten Chowanski aus dem 17. Jahrhundert auf. Viele Moskauer kennen das Haus allerdings als „Erschießungshaus“. Hier saß das Militärgericht der UdSSR. Zwischen 1934 und 1955 wurden dort 47549 Menschen verurteilt. Zwischen 1936 und 1938 wurden fast alle zum Tode verurteilt. Das traf auch solche bekannten Künstler wie die Schriftsteller Isaak Babel oder Boris Pilnjak, den Regisseur Meyerhold, aber auch den Marschall der Sowjetunion Tuchatschewskij und die Mitglieder des Politbüros Bucharin oder Sinowjew.

Advertisements

From → Moskau

Schreibe einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: