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Feuertürme in Moskau

1. März 2014

Vor vielen Jahrhunderten gab es in Moskau nur Holzhäuser. Mehrfach wurde Moskau im Laufe der Geschichte von teilweise verheerenden Bränden heimgesucht. Eins der letzten großen Feuer war der Brand von 1812, als die Moskauer die Stadt selbst anzündeten, ehe sie sich Napoleon ergaben.
Die Feuerwehren gehörten immer zu den wichtigsten städtischen Einrichtungen. Man geht davon aus, dass erstmals zu Beginn des 16. Jahrhunderts Iwan III. befahl, Feuerwehren zu gründen. Rund um die Uhr passten einfache Leute auf, dass nirgendwo ein Feuer aufflammte. Seit Mitte des 16. Jahrhunderts waren die Feuerwehren militärischen Einheiten zugeordnet, die mit Äxten ausgerüstet wurden, mit denen sie die um das Feuer liegenden Gebäude zerstören und die anderen Gebäude somit vor den Flammen schützen konnten. Erst im 17. Jahrhundert stellte man in wichtigen Objekten Kübel und Eimer mit Wasser und Pumpen auf. Die Städte wuchsen und es wurde immer schwieriger, aufkommende Brände zu erkennen. So begann man Anfang des 19. Jahrhunderts spezielle Türme zu bauen. In Moskau gab es 16 Feu-erwehrtürme, die auf den Dächern der Polizeistationen montiert wurden, da dort auch die Feuerwehr ihren Platz hatte. Brach irgendwo ein Feuer aus, wurden die benachbarten Stationen mit Hilfe von aufgehängten Kugeln oder Laternen informiert. Zum Löschen rückten Pferdewagen aus, auf zweien fuhren die Feuerwehrleute, zwei weitere zogen den Hydranten und die Schläuche sowie eine ausziehbare Leiter, die bis in die fünfte Etage reichte. Die Pferde der einzelnen Einheiten unterschieden sich in der Farbe, um sie bei einem Großeinsatz nicht zu verwechseln. Erst 1907 wurden zwei Stationen mit den ersten Feuerwehrautos ausgerüstet. Nach 1930 wurden keine Feuerwehrtürme mehr errichtet, es gab zu viele Hochhäuser, auf die man von den Türmen nicht mehr schauen konnte. Außerdem gab es Telefon und zu Beginn der dreißiger Jahre führte man die 01 als Notrufnummer ein.

Auch heute noch gibt es einige dieser Türme, die zwar ihre eigentliche Funktion verloren haben, aber Beispiele der damaligen Architektur sind.

367839022Der Turm auf dem Polizeigebäude in Chamowniki, Komsomolskij Prospekt 16/2 wurde vor kurzem während der Sanierung wieder aufgebaut. Früher befanden sich dort Kasernen und Pferdeställe der Armee, auch eine Kirche gehörte dazu. Es kann sein, dass der Feuerwehrturm aus dem Kirchturm gebaut wurde. 1941 baute man den Turm ab, um den deutschen Bombern kein Ziel zu geben. Noch jetzt arbeitet in diesem Gebäude eine Feuerwehreinheit.

Der älteste noch existierende Turm steht in der ul. Selesnjowskaja 11a und ist ein Architekturdenkmal des 19. Jahrhunderts. Das Polizeigebäude wurde 1850 gebaut, hier saßen auch die Feuerwehrleute. Neben den administrativen Einrichtungen gab es im Gebäude Wohnungen für die Polizeibeamten sowie Arrestzellen. Auch Wladimir Majakowski saß einst hier wegen der Verbreitung revolutionärer Schriften. Diese Polizeistation war außerdem mit der Verbrennung von unerwünschter Literatur beauftragt. Heute befindet sich dort das Zentrale Museum des Ministeriums des Innern. http://www.museum.ru/M432

Der 1884 errichtete und damit zweitälteste Turm erhebt sich über dem Polizeigebäude in der ul. Rusakowskaja 26. Auf seiner runden Plattform hielten die Feuerwehrleute rund um die Uhr Wache.

OLYMPUS DIGITAL CAMERADer Feuerturm in der ul. Nikolojamskaja 54 wurde vor zwei Jahren wieder aufgebaut, nachdem er in den dreißiger Jahren entfernt und im Gebäude Wohnungen eingerichtet wurden.

turmsokolEnde der zwanziger Jahre begann man spezielle Gebäude im konstruktivistischen Stil für die Feuerwehr mit Garagen für die Autos zu bauen. Ein solcher Feuerturm befindet sich in der Nähe der Metrostation Sokol, Leningradskij Prospekt 74 im ehemaligen Dorf Wsechswjatskoje, das 1917 eingemeindet wurde. Er war das höchste Gebäude im Ort, sogar höher als die in der Nähe stehende Allerheiligenkirche. Ebendiese Kirche, ein Architekturdenkmal, schützte den Turm vor dem Abriss. Mitte 2000 sollte dort ein Einkaufszentrum gebaut werden, doch man musste feststellen, dass der Turm noch in die Zone fällt, die unter Denkmalschutz steht.

Der letzte Turm steht in der Nähe der Metrostation Awiamotornaja in der Schosse Entusiastow 11. Im Unterschied zu dem hinter den Hochhäusern des Leningradskij Prospekts versteckt liegenden Zwillingsturm in Sokol ist dieser weithin sichtbar und wird noch in seiner ursprünglichen Funktion verwendet. Hier befindet sich die 16. Feuerwehreinheit. Im hohen Turm werden die Schläuche getrocknet, auf den Treppen und Balkons wird trainiert.

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From → Architektur

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