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Ausflug nach Jurjew-Pol’skij

22. November 2013

Eines der langen Wochenenden im Mai nutzen wir für einen Ausflug in die „nähere“ Umgebung.
Auf dem Weg nach Jurjew-Polskij wollten wir das Smolensker-Sosimov-Männerkloster in Arsaki besuchen, das sich auf einem Militärgelände befindet und daher nur mit Erlaubnisschein betreten werden konnte. Auf das Gelände zu fahren war für Ausländer fast unmöglich. Wir riefen also im Kloster an und Vater Aristoklij versprach sich zu kümmern. Da das Militär trotz Kümmern uns nicht auf das Gelände fahren lassen wollte, versprach der Mönch uns am Bahnhof abzuholen und in seinem Auto mitzunehmen. Nun kamen wir allerdings von der anderen Seite, über eine im Atlas gelb gekennzeichnete Landstraße, die einem zerklüfteten Feldweg ähnelte und die plötzlich vor einem grünen Tor endete, dahinter Kühe, ein breites Rinnsal und eine Wachhabende. Von Militär war bis dahin nur zu hören gewesen – Kanonenschüsse donnerten durch den Wald. Vater Aristoklij und Vater Hermann holten uns mit dem Auto ab, ohne Schein, alles kein Problem. Wir bekamen ein Mittagessen, aßen, unter dem Gemurmel des Gebetes nebenan, wie die Klosterbrüder – Borschtsch, Fisch, Nudeln und Salat. Fleisch essen sie nie, trinken auch keinen Alkohol. Vater Aristoklij, ein netter Mensch und früherer Lehrer, erzählte uns inzwischen ein bisschen über die Geschichte des Klosters, die orthodoxe Kirche überhaupt.
Das Kloster ist noch nicht sehr alt, aber immerhin leben hier 17 Mönche. Eine wundersame Ikone hängt in der Hauptkirche – sie soll sich selbst erneuert haben, gefunden wurde ein Stück Holz, auf dem vor einigen Jahren die Farben langsam wieder erschienen. Ich war natürlich in mein Kirchenoutfit geschlüpft – Wickelrock und Kopftuch, wir waren ja schließlich in einem Männerkloster! – das wurde von Vater Aristoklij, der mich auch in Hosen und ohne Tuch toleriert hätte, aber wohlwollend zur Kenntnis genommen.
Nach der Besichtigung rumpelten wir zurück bis zur Autobahn und setzen unseren Weg fort bis nach Alexandrov. Diese typisch russische Kleinstadt überzeugte uns erstmal gar nicht – ziemlich verbaut und schmutzig. Aber hier war einstmals die Residenz von Iwan dem Schrecklichen, später wurden seine Gebäude ergänzt und das Uspensker Frauenkloster gegründet. Hier befindet sich heute ein schönes Museumsgelände. Einen Abstecher kann man in Richtung Norden und Süden machen. Dort befinden sich in Lukjanzewo ein Männerkloster und in Machra ein Frauenkloster.
Weiter ging es nach Jurjew-Pol‘skij, eine Stadt des Goldenen Rings, leider nicht sehr gut in Schuss gehalten. Wir stiegen ab im ersten Haus am Platz, im Hotel Jurjewskaja, bekamen unser Drei-Sterne-Frühstück aufs Zimmer, der Blick nach hinten raus ergötzte uns allerdings nicht sehr. Die Zimmer waren groß und mit Holzmöbeln eingerichtet. Essen konnte man ganz gut im Café Bagration zwischen Markt und Lenindenkmal, oder aber im Solotoj teljonok im Keller neben unserem Hotel. Hier in der Stadt wurde der gleichnamige sowjetische Kultfilm gedreht.
In Jurjew-Polskij, das 1152 gegründet wurde, besichtigten wir 2 Klöster und die Georgi-Kirche, die mit schönen Schnitzereien verziert war und aus dem 13. Jh. stammte.
Eine kleine Tour führte uns noch durch ein paar Dörfer im Umkreis, zerstörte Kirchen, schiefe Häuser, marode Läden in den kleinsten unter ihnen, nur die größeren Orte waren aufgeräumter. Und doch sahen wir ein Mütterchen, das den Müll vor ihrem Grundstück wegräumte, allerdings kippte sie ihn auf der anderen Straßenseite in eine leerstehende Ruine…

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From → Umgebung Moskaus

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