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Steckbriefe für Denkmäler – Die unbekannte Provinz

21. November 2013

Der Verein Archnadsor (siehe den Beitrag über Denkmalsschutz) organisierte im März einen Vortrag über die Tätigkeit des Instituts für Kunstwissenschaften, speziell ging es um die Aufnahme archäologischer, historischer und Architekturdenkmäler in den Regionen Russlands, eine wahrscheinlich nicht wirklich vollständig zu bewältigende Aufgabe.  Das Institut befindet sich in einem ehemaligen Herrenhaus in der Kositzkij per. 5, um die Ecke vom Jelissejewskij Geschäft und hat recht schicke Räume und kleine Säle, in denen auch Konzerte und andere Veranstaltungen stattfinden. Es wurde 1944 gegründet und eine Abteilung beschäftigt sich seit den 70er Jahren mit der Inventarisierung archäologischer, architektonischer und historischer Denkmäler. Bearbeitet wurden alle, auch die, die nicht unter staatlicher „Aufsicht“ standen. (Mitte der 90er Jahre waren das ca. 15 000 Denkmäler, verglichen mit Großbritannien, wo sich eine private Organisation allein um 300 000 Landsitze kümmert, ist das natürlich superwenig.) In der Sowjetzeit wurde für dieses Projekt noch einiges an Geld ausgegeben, nach der Perestrojka allerdings nicht mehr. Die 20 Mitarbeiter, die Hälfte davon über 70!) fahren regelmäßig in die Regionen und fotografieren, befragen Leute usw., um an relevante Daten zu kommen. (Und sie kommen fast krank zurück, weil die vielen Ruinen sie einfach deprimieren.) Vor Ort sammeln Menschen aller möglichen Berufsgruppen, vom Professor bis zur Bibliothekarin, Informationen, die dann im Institut geprüft werden. Hier wird dann ein sogenannter „Passport“, eine Art Steckbrief erstellt, in dem die gefundenen Daten aufgenommen werden.

Zwischenzeitlich sind 15.000 Objekte in stark abweichender Qualität erfasst, wobei das Kriterium durchaus auch ein „historischer“ Kongress der Pionierorganisation in einem gewöhnlichen, nicht schützenswerten Saal sein konnte. Die benachbarte unikale Kirche aus dem 16. Jh. indes konnte sich der Aufmerksamkeit nicht erfreuen.Der Zustand vieler Bauten, Architekturdenkmäler im weitesten Sinne, ist sehr besorgniserregend. Was nicht schon in den Jahren nach der Revolution und später zerstört wurde (man geht davon aus, dass 50-70 Prozent der Kirchen in den Regionen nicht erhalten geblieben sind), steht heute oftmals als verlassene Ruine herum. Nach dem II. Weltkrieg wurde der Restaurierung mehr Aufmerksamkeit geschenkt, beschränkte sich jedoch vorzugsweise auf die Residenzen Moskau und St. Petersburg. Auch das Programm „Goldener Ring“, welches nicht unerheblich die Kleinodien russischer Architektur in das Bewusstsein der Weltöffentlichkeit rückte, wurde ins Leben gerufen, so dass es rings um Moskau nun kleine Inseln gibt, die schon in neuem Glanz erstrahlen. Doch es wurde angemerkt, dass im Prinzip jeder Kreis seinen eigenen kleinen „Silbernen Ring“ hätte, doch da wartet auf die Restaurateure noch viel Arbeit. Unter Chruschtschow trat Entspannung ein, er orientierte sich an europäischen Maßstäben der Denkmalspflege, und doch mussten die Kirchen weitere Verluste hinnehmen – noch vorhandenes Kircheninventar, Ikonenwände wurden zerstört. Die Dörfler versuchten, Ikonen zu retten und versteckten sie zu Hause. Doch viele Ikonen fanden den Weg ins Ausland, deshalb gibt es z. B. in Italien ein einzigartiges Museum russischer Ikonenmalerei des 19.Jhs – in Russland existiert solch ein Museum leider nicht. Wir sahen Fotos von Kirchen und Landsitzen, die sich fast alle in einem bedauernswerten Zustand befinden. Dazu gehören z. B. eine Kirche in Jeski im Gebiet Twer oder ein Landgut in der Nähe von Serpuchow. Einige Fotos und Informationen findet man unter http://www.ruinaru.ru, auch die Seite http://www.hramy.ru enthält interessante Informationen. Momentan werden im Institut für Kunstwissenschaften Fotos, die auch öffentlich zugänglich sind, von Objekten ausgestellt, die im letzten Jahr bearbeitet wurden.

 

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From → Architektur

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