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Le Corbusier und sein Einfluss auf Moskau

21. November 2013

In Moskauer Museum der schönen Künste ist derzeit eine Ausstellung Le Corbusiers zu sehen. Le Corbusier war einer der bedeutendsten Architekten des 20. Jahrhunderts. Mit Moskau verbindet ihn eine besondere Beziehung. In vielen Gebäuden spiegeln sich seine Ideen wider.

Erstmals reiste Le Corbusier im Oktober 1928 in die sowjetische Hauptstadt. Er war hingerissen von den möglichen Perspektiven des riesigen Landes und wollte am Wettbewerb um die Ausschreibung der Planung des Hauses des Zentralverbandes der Konsumgenossenschaften der UdSSR (Zentrosojus) teilnehmen. Er betrachtete die Sowjetunion als eine „Fabrik für Projekte“, in der seine Rolle als internationaler Experte geschätzt werden würde. Leider ging sein Wunsch nicht in Erfüllung. Sein innovativer und mutiger Plan zur Sanierung Moskaus wurde nicht befürwortet.

Immerhin wurde das Zentrosojus-Haus (ul. Mjasnitzkaja 39, Metro Tschistye Prudy) nach seinen Vorgaben gebaut. Das sehr ehrgeizige Projekt war das größte in diesen Jahren errichtete konstruktivistische Gebäude Le Corbusiers. Mit Glasfassaden, damals ein Novum auch in Europa, und einer Skelettkonstruktion passte es so gar nicht in die bisherige Bebauung Moskaus. Zwischen der Vorder- und Rückfassade gibt es kaum einen Unterschied. Ursprünglich sollte das Gebäude auf Pfeiler gestellt werden, was leider nicht durchgängig verwirklicht werden konnte.
1932 beteiligte sich Le Corbusier an der Ausschreibung für die Projektierung des Palasts der Sowjets, gewann aber nicht.
Der Architekt fuhr einige Male nach Moskau und lernte verschiedene sowjetische Künstler kennen, unter ihnen Sergej Eisenstein, Ilja Ehrenburg und El Lisitzki.

Die modernen sowjetischen Architekten ließen sich von den konstruktivistischen Ideen ihres westlichen Kollegen beeinflussen. So entstand 1930 ein Gebäude für Mitarbeiter des Finanz-ministeriums. Architekt war Mojsej Ginsburg. Es wird oft als Kommunenhaus bezeichnet, eine Übergangsform vom privaten zum gesellschaftlichen Wohnen. Die Familien sollten in den Genuss des Komforts der gesellschaftlichen Versorgung kommen. Neben den Wohneinheiten gab es Bereiche für die allgemeine Nutzung: Kantinen, Wäschereien, ein Kino, eine Bibliothek, ein Kindergarten. Heute verfällt der Komplex am Nowinskij Boulevard 25 leider immer mehr.
Ein weiteres Experiment in diesem Stil war das Internat des Textilinstituts, ul. Ordshonikidse 8/9. Hier lebten bis zu 2 000 Studenten zu zweit in sechs Quadratmeter kleinen Zimmern. Neben dem Wohnblock gab es einen weiteren Block, in dem die Studenten lernen, essen und kommunizieren konnten. Das Gebäude wurde vor kurzem rekonstruiert.

Alexandr Wesnin, ein Freund Le Corbusieres, zeichnet gemeinsam mit seinem Bruder verant-wortlich für den Bau des Kulturpalasts des SIL-Autowerkes, ul. Wostotschnaja 4. Leider wurde dafür fast das gesamte Simonovkloster abgetragen. Von oben betrachtet hat der Palast die Form eines Flugzeuges. Er weist einige Ähnlichkeiten mit dem Zentrosojus-Haus auf: viel Glas, eine einfache Fassade. Innen gelang eine hervorragende Verbindung von kleinen und großen Räumen, denen unterschiedliche Funktionen zugedacht waren: Plätze für Arbeitsgemeinschaften, Theater, Kino, Vorlesungssaal, Wintergarten, Restaurants, Bibliothek und sogar ein Observatorium. Momentan wird der Kulturpalast nach und nach rekonstruiert und eine Besichtigung lohnt sich unbedingt.

Nach dem „Stalinschen“ Stil in der sowjetischen Architektur wandte man sich wieder den Ideen Le Corbusiers zu. Davon zeugen beispielsweise der Pionierpalast in der ul. Kosygina 17 oder der Pavillon der Gasindustrie auf dem Gelände der ehemaligen Allunionsausstellung. Dessen Vorbild ist die von Le Corbusier errichtete Chapelle Notre Dame du Haut im französischen Ronchamp.
Als Prototyp für das Internat einer Ballettschule, ul. 2. Frunsenskaja 5, diente das Dominika-nerkloster Couvent Sainte-Marie de la Tourette, Eveux-sur-l’Arbresle.
Eins der hässlichsten Gebäude Moskaus ist das 1977 gebaute „Haus auf Hühnerbeinen“, ul. Begovaja 34. Sein Vorläufer, ein Wohnhaus Le Corbusiers, steht in Marseille.
Auch das Zentrale Künstlerhaus, ul. Krymskij Wal 10, ist mit dem französischen Architekten verbunden. Die kleine Villa Savoye in der Nähe von Paris war Vorbild für das Künstlerhaus in Moskau.
Anfang der siebziger Jahre wurde an der Metro Profsojusnaja ein Institutskomplex errichtet, in dem sich auch das Deutsche Historische Institut befindet. Auch hier bemerkt man Besonderheiten des Stils von Le Corbusier.

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From → Architektur

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