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Das Institut für schnelle medizinische Hilfe

21. November 2013

Die Geschichte dieses Instituts ist eng mit dem Schicksal eines Palastes des Grafen Scheremetjew am Sucharew-Platz verbunden. Scheremetjew war nicht nur ein aufgeklärter Mensch, ein Verehrer des Theaters und Mäzen russischer Künstler, sondern auch ein großer Wohltäter. Der erste Plan Scheremetjews sah vor, ein Heim nicht nur für seine alten Bauern und Bediensteten zu errichten, sondern es sollten dort auch Arme und Kranke aus ganz Moskau aufgenommen werden. Der Architekt Nasarow plante ein Ensemble nach Vorbild der Herrensitze des 18. Jahrhunderts: Ein halbrundes Gebäude mit zweieinhalb Geschossen, in den Flügeln sollten die Diener und Angestellten untergebracht werden, dazu sollten zwei Gebäude für den Verwalter und den leitenden Arzt des Krankenhauses errichtet werden.
Doch bald suchte Scheremetjew das Unglück heim. Er heiratete 1801 eine ehemalige Leibeigene, Praskowja Kowalewa-Shemtschuga, eine Schauspielerin und Sängerin mit großem Talent. Das Familienglück hielt nicht lange an, sie starb kurz nach der Geburt ihres Sohnes im Februar 1803. Scheremetjew beschloss, das fast fertige Strannopriimnyj Dom (ein Haus, das Reisende aufnimmt) seiner großen Liebe zu widmen. Deshalb wird es im Volksmund auch das Taj Mahal Moskaus genannt.
Der italienische Architekt Quarenghi veränderte das Projekt Nasarows und verwandelte das nüchterne Gebäude in einen monumentalen und erhabenen Palast der Barmherzigkeit. Die halbrunde Rotunde aus dorischen Säulen im zentralen Teil des Hauses verhalf zu mehr Plastizität und Expressivität. Die Fassade auf der Rückseite bekam einen Portikus. Der Italiener erweiterte auch die für eine russisch-orthodoxe etwas ungewöhnliche Kirche. Sie bekam eine Galerie, die Krankenhaus und Heim einen direkten Zugang in das Kircheninnere verschaffte. Fast alles blieb im Original erhalten – die Wände aus künstlichem Marmor, die Friese und die Bemalung der Kuppel. 1922 wurde die Kirche geschlossen. An den Wochenenden und Festtagen werden in einer der größten Moskauer Hauskirchen auch heute noch Gottesdienste zelebriert.
Leider erlebte Scheremetjew die Eröffnung seines Hauses nicht mehr. Doch der Grundstein für wohltätige Zwecke war gelegt. Arme und Kranke wurden kostenfrei beherbergt und behandelt. Auch Waisenkinder wurden aufgenommen. Seine Nachkommen führten sein damals in Russland fast einzigartiges Werk fort. Im 19. Jahrhundert nahmen nach statistischen Angaben circa zwei Millionen Menschen die Hilfe des Armen- und Krankenhauses in Anspruch. Inzwischen wurde es Scheremetjew-Krankenhaus genannt. Alle neuen Entdeckungen und Erfindungen wurden dort sofort angewandt. Eher als in anderen Kliniken gab es beispielsweise Röntgenapparate.
Nach der Oktoberrevolution verwandelte sich das Haus in ein normales städtisches Krankenhaus. 1923 wurde das Institut für schnelle medizinische Hilfe eingerichtet. Die Tätigkeit des Instituts war dann auch auf die Behandlung von Unfallopfern gleich welcher Art ausgerichtet: Verkehrsunfälle, Vergiftungen und später Kriegsverletzungen. Nach dem Krieg wurden am Institut Transplantations- und Bluttransfusionsmethoden erforscht sowie angewandt. Erstmals konnten hier Herz- und Nierentransplantationen durchgeführt werden.
Vor zehn Jahren wurden die Gebäude aufwändig restauriert und der historische Zustand wieder hergestellt. Im ehemaligen Strannopriimnyj Dom befinden sich heute die Direktion des Krankenhauses sowie Labore und andere wissenschaftliche Einrichtungen. Hinter dem großen Park entstand ein neuer Krankenhauskorpus. Ein kleines Museum unter dem Dach des Haupthauses zeigt die Geschichte des Instituts.

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From → Architektur

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