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Muttergottes – Ikonen

18. November 2013

Eine Sonderstellung innerhalb der Ikonen hat die Darstellung der Muttergottes. Das christliche Konzil im Jahre 431 n.Chr. in Ephesus legitimierte die göttliche Mutterschaft der Heiligen Maria. Es entstand ein regelrechter Kult um der Marienverehrung. Sie wird in der orthodoxen Kirche himmlisch, dem Irdischen entrückt, dargestellt, in den westlich geprägten Kirchen wird eher das Menschliche an Maria herausgestellt. Durch ihre fest zugeordnete, immer gleiche „Beschriftung“ sind die Ikonen der Gottesmutter eindeutig definiert. Das Gewand der Heiligen Maria zieren immer drei Sternsymbole, die Insignien der „immerwährenden Jungfrau“. Ein Stern befindet auf der Kopfbedeckung auf der Stirn, die beiden anderen Sterne sind links und rechts auf dem Gewand zu sehen. Manchmal wird ein Stern verdeckt, ist jedoch imaginär trotzdem vorhanden. In Russland haben die Marienikonen einen sehr hohen Stellenwert, unzählige Gotteshäuser sind der Heiligen Maria geweiht und alle Festtage ihr zu Ehren werden hier besonders überschwänglich gefeiert. In jeder Ikonostase finden wir sie links neben dem Königstor. Die Anzahl wundertätiger Marienikonen in Russland wird auf 800 geschätzt. Die russischen Ikonenmaler haben eine ganze Reihe von Marien-Archetypen geschaffen. Es sind etwa 400 unterschiedliche Ikonen der Gottesmutter bekannt.

Der Evangelist Lukas soll die erste Muttergottesikone, die „Hodigitria-Ikone/ die Wegweiserin„, gemalt haben, die die Kaiserin Eudoxia im Jahre 438 n.Chr. nach Konstantinopel gebracht haben soll. Sie ging mit der Eroberung von Byzanz durch das Osmanische Reich verloren.Über Kopien des Originals hat sich der Darstellungstyp jedoch bis heute erhalten. In der Darstellung trägt die Madonna auf dem linken Arm das segnende Jesuskind, das aufrecht auf ihrem Arm thront und häufig eine Schriftrolle in der linken Hand hält. Marias rechte Hand weist typischerweise auf das Kind. Oft zeigt das Gesicht des Kindes Züge eines erwachsenen Mannes, so dass die Darstellung des Kindes auf das gesamte Leben Jesu hinweisen soll. Sie ist die in Russland weitverbreitetste Ikone und wird als Schutz gegen feindliche Überfälle und anderes Unheil betrachtet. Das Abbild der Ikone „Gottesmutter von Smolensk“ gehört zu diesem Typus. Maria strahlt überirdisch scheinend Güte, Andächtigkeit und Würde aus. Erzielt wird dies durch die ebenmäßigen großen Augen.

Eine weitere Variante diesen Typus ist die „Gottesmutter von Kazan„. Dort steht das Jesuskind an ihrer Linken, die Hand zum Segensgestus erhoben. Sie wird als Schutzpatronin der Stadt Kazan als eine der heiligsten Ikonen in Russland verehrt. Der Legende nach wurde sie von der neunjährigen Matrjona 1579 nach einem Brand in einem Versteck vor den muslimischen Tataren gefunden. Das Original der Ikone wurde Anfang des 20. Jahrhunderts geraubt und ist seither verschollen; eine der zahlreiche Kopien soll im Krieg gegen Polen, eine andere gegen Napoleon geholfen haben. Zu Ehren der beiden Kopien wurden Kathedralen errichtet – in Moskau auf dem Roten Platz und in St. Petersburg. Vor dem zweiten Weltkrieg wurde eine der Kopien im Ausland gefunden und später in den 90-er Jahren in den Vatikan gebracht. Sie ist die Lieblingsikone von Papst Johannes Paul II. geworden, der sie 2004 nach Moskau zurückgab. Das Original sowie die andere Kopie sind immer noch nicht gefunden. Gedenktage der Gottesmutter von Kasan in der Orthodoxen Kirche sind der 21.(8.) Juli und der 4. November (22.10.). Letzterer ist heute auch der „Tag der Einheit des Volkes“, ein Nationalfeiertag in Russland. Vom Grundtyp der Hodigitria-Ikone gibt es noch sehr viele Varianten, die zum Teil nur in geringem Maße voneinander abweichen.

Ein weiterer Grundtyp ist die „Muttergottes des Zeichens„, die auch als „Betende“ Maria bezeichnet wird. Diese Ikonen zeigen die Mutter Gottes fürbittend mit ausgebreiteten, leicht erhobenen Armen, der Bethaltung der ersten Christen. Jesus als Versinnbildlichung der irdischen Kirche ist in einem Kreis auf ihrer Brust zu sehen.

Zu den Platytera-bzw. Blachernitissai-Ionen/ Fürbittende Betende Maria gehört das wichtigste Heiligtum des russischen Auslands, die Kursker Ikone der Gottesmutter „Orans“ von der Wurzel. Sie ist vermeintlich die älteste russische Ikone. Der Name Platytera mit der Bedeutung „umfangreicher (als der Himmel)“ weist darauf hin, dass Maria den Schöpfer des Alls geboren hat. Laut Überlieferung fand 1295 eine Gruppe von Jägern im Wald unweit der heutigen Stadt Kursk eine kleine Ikone, die auf der Wurzel eines Baumes mit dem Bild nach unten lag. Sobald man sie aufhob, sprudelte unter der Wurzel eine Quelle hervor. Im Jahre 1920 wurde die Ikone aus dem Lande ausgeführt und nunmehr zurückgegeben.

Eine weitere Muttergottes-Ikone ist die „Nikopeia“, die „Überwinderin„; dort hält sie das Jesuskind vor der Brust. Weiter ist dann noch die Ikone der „Thronenden Muttergottes“, die „Muttergottes der Zärtlichkeit“ und die Erbarmerin-Ikone (Eleousa) zu nennen. Das Urbild dieser Ikone wird ebenfalls dem ersten Ikonenmaler und Apostel Lukas zugeschrieben. Hier wendet sich Maria dem Kind liebevoll zu, berührt es oft mit der linken Hand und die Gesichter sind aneinander geschmiegt. Dadurch soll die innige Beziehung zwischen den beiden deutlich sichtbar werden, wobei der leidvolle Ausdruck im Antlitz Mariens darauf hinweisen soll, dass sie die in der Zukunft liegende Passion bereits voraussehen kann. Die Eleusa symbolisiert das Opfer Jesu als das höchste Zeichen der Liebe Gottes für die Menschheit. Bekanntes Beispiel ist die Gottesmutter von Wladimir – ein Nationalheiligtum Russlands und somit eine der wichtigsten Ikonen der gesamten russischen Orthodoxie. Nachdem die Kiewer Rus 988 durch die Konversion Wladimirs I. zum Christentum „getauft“ wurde, bestand ein großer Bedarf an religiösen Objekten für die Ausübung des neuen Glaubens und der Liturgie, der durch Importe aus Konstantinopel befriedigt wurde. Auf diesem Weg kamen zwischen 1131 und 1136 auch zwei Ikonen der Gottesmutter nach Kiew, wovon eine wahrscheinlich die Wladimirskaja war. 1155 wurde die Ikone im Auftrag von Fürst Andrej Bogoljubskij nach Wladimir in der Uspenskij-(Mariä-Entschlafens-)Kathedrale gebracht. Er war ab 1157 Großfürst von Kiew; wählte Wladimir als Residenz und damit als politisches Zentrum der Kiewer Rus, des damaligen russischen Reichs. 1395 wurde die Ikone erneut umgesiedelt und nach Moskau gebracht, wo sie später ihren Platz in der Ikonostase in der Uspenskij-Kathedrale erhielt. Nach der Revolution wurde sie dort entfernt und wird seit 1930 in der zur Tretjakov-Galerie gehörigen Museumskirche ausgestellt. Der Legende nach haben die Pferde, welche die Ikone nach Rostov bringen sollten, in Wladimir das Weitergehen verweigert. Damit soll die Ikone für die Gründung der neuen Hauptstadt und eines neuen Reichs verantwortlich sein. 1395 soll die Ikone Moskau vor dem Überfall durch Tamerlan sowie 1451 und 1480 Russland vor dem Untergang bewahrt haben. 1480 während des Großen Gegenüberstehens an der Ugra begann das Großfürstentum Moskau unter Ivan III. – natürlich mit Hilfe der Wladimirskaja – seine Macht zu stärken, bevor Ivan IV. (der Schreckliche) die Goldene Horde endgültig zurückdrängen konnte. Eine weitere Geschichte besagt, dass während des Angriffs der nationalsozialistischen Truppen auf Moskau im Dezember 1941 Stalin befohlen haben soll, die Ikone in einem Flugzeug über die Stadt fliegen zu lassen, um so die Bevölkerung und die Stadt zu schützen.Eine Kopie der Wladimirskaja wird Andrej Rubljov zugeschrieben. Das Original wird, wie auch zwei andere Typen, Lucas zugerechnet. Kunstfertigkeit und Konzeption der Wladimirskaja sind von allerhöchster Eleganz und Sicherheit. Der Übergang von Konturlinie zu modellierter Oberfläche in den Gesichtern wurde überaus umsichtig vorgenommen, das Antlitz der Gottesmutter zeigt typische Merkmale der hohen byzantinischen Malkunst wie etwa die schmalen, pointierten Augen, die lange Nase sowie die schmale Mund- und Kinnpartie.

Eine weitere Ikone ist die „Gottesmutter der Passion„. Darauf sitzt Jesus auf Marias linkem Arm und schmiegt sich an seine Mutter. Seine kleinen Hände liegen in der Hand seiner Mutter. Zwei schwebende Engel begleiten das Szenario. Weitere Darstellungsarten sind die die Galaktotrophousa / stillende Maria und die Pelagonitissa / Marien mit spielendem Jesuskind, die erst im 17. Jahrhundert vom Balkan nach Russland gelangten und verhältnismäßig wenig verbreitet sind. Darüber hinaus gibt es noch neben vielen anderen Darstellungsarten die Paraklesis- Darstellung (Maria ohne Kind), die Tricheirousa/ die „Dreihändige“, die Dexiokratusa (mit Kind auf dem rechten Arm), die Glykophilusa (Zärtliche, süß Küssende; teilweise synonym mit Elëusa), die Kyriotissa (Mutter des Herrn), und die Psychosostria (Seelenretterin).

Wenn man sich intensiver mit Ikonen beschäftigen will, bieten sich Besuche des Andrej-Rubljov-Museums im Andronjewskij Kloster, Andronjewskaja Platz 10, des Puschkin-Museums oder auch der Tretjakov-Galerie an.

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From → Religion

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