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Der Boulevardring im Moskauer Zentrum

18. November 2013

Der Boulevardring zieht sich wie ein grüner Bogen durch das Moskauer Zentrum. Im ersten Teil der Reihe widmet sich MosKultInfo dem Gogol-, Nikitskij- sowie dem Strastnoj-Boulevard.

Im 16. Jahrhundert war Moskau von einem Erdwall umgeben. 1585 befahl Zar Fjodor, an seiner Stelle eine Festungsmauer zu errichten. So entstand die Grenze der Weißen Stadt. Die Mauer verfiel im 18. Jahrhundert. Ihre Verteidigungsfunktion ging verloren und sie wurde abgetragen. Katharina II. folgte dem europäischen Beispiel und ließ breite Straßen mit Baumreihen anlegen. Die erste Straße dieser Art war der Twerskoj Boulevard, weitere folgten. Nach 1812 wurden die Arbeiten abgeschlossen. Ab 1887 fuhr eine Pferdebahn, die 1911 von einer Straßenbahn ersetzt wurde. Heute heißt die ununterbrochene Abfolge von Straßen und Plätzen Boulevardring, obwohl rein praktisch kein Ring gebildet wird. Im Westen endet der „Ring“ beim Pretschistenskij Tor, im Osten an der großen Ustinskij Brücke. Insgesamt ist der Boulevardring circa neun Kilometer lang. Der Twerskoj Boulevard ist mit 857 Metern der längste. Der breiteste ist mit 123 Metern der Strastnoj Boulevard. Der kürzeste mit 214 Metern ist der Sretenskij Boulevard. Der jüngste ist der Pokrowskij Boulevard. Bis 1891 dehnte sich auf dem Abschnitt bis zur Kasarmennyj Gasse das weiträumige Gelände der Pokrowsker Kasernen aus. 1954 wurde der Platz endgültig in einen Boulevard umgewandelt. Der Gogolboulevard ist dreistufig angelegt. Im Uhrzeigersinn gesehen liegen folgende Metrostationen auf dem Boulevardring: Kropotkinskaja, Arbatskaja, Puschkinskaja, Twerskaja, Tschechowskaja, Trubnaja, Turgenjewskaja, Sretenskij Boulevard und Tschistye Prudy.

Der Gogolboulevard hieß bis 1924 Pretschistenskij. Er wird von einem Denkmal für den gleichnamigen russischen Schriftsteller geprägt. Links und rechts blieben viele Herrensitze und Mietshäuser erhalten, die bisweilen unter Denkmalschutz stehen. Die Nummer 21 plante der bedeutende Architekt Kekushev. In der Nummer 29 befindet sich eine Filiale des Jerusalemer Patriarchats. In der Nummer 2 befand sich das erste Moskauer Jungengymnasium. Hier lernten beispielsweise Ostrowskij, Pogodin und Kropotkin. Ein wertvolles Gebäude blieb unter der Nummer 4 erhalten: Das Haupthaus mit den Gemächern stammt aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Der Nikitskij Boulevard wurde zu Ehren des Nikitsker Frauenklosters benannt, das 1920 geschlossen und später abgetragen wurde. Übrig blieben nur die Klosterzellen in der Bolschoj Kislowskij Gasse 10. Anstelle des Klosters wurde 1935 eine Elektrostation für die Metro gebaut. Von 1950 bis 1993 hieß der Boulevard Suworowskij. Auf dem Nikitskij Boulevard stehen noch viele Herrensitze aus früheren Jahrhunderten. Die Nummer 7 beispielsweise ist ein ehemaliger Herrensitz des Grafen Alexej Tolstoj. Hier starb Gogol im Jahr 1852. „Haus der Polarforscher“ werden die Gebäude 7b bis 9/10 genannt. Für die Mitarbeiter des Bolschoj Theater wurde das Haus Nummer 17 bereitgestellt. Ein wertvolles städteformierendes Objekt ist das Haus Nummer 8/3, Gebäude 1, das Mietshaus von Golizyn und Pribylov. In der Nummer 8A befindet sich das Haus der Journalisten. Die Nummer 12 wurde für die Mitarbeiter der Moskauer Staatsbank errichtet. Daneben befindet sich in einem ehemaligen Herrensitz das Museum der Völker des Ostens.

Damals wurde der Boulevard im Stil des Klassizismus bebaut. Sein repräsentativer Charakter blieb an vielen Stellen bis heute erhalten. Das Feuer von 1812 vernichtete leider viele der Gebäude. Die französischen Soldaten schlugen während der Napoleonischen Kriege hier ihr Lager auf und holzten die Bäume ab. 1880 wurde ein Puschkindenkmal eingeweiht. Dieses steht nun auf dem Puschkinplatz. In den Achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts fuhr die Pferdebahn über den Twerskoj Boulevard. In dieser Zeit wurde er mit Mietshäusern im eklektischen und Jugendstil bebaut. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich der Boulevard zu einem Platz für Büchermärkte. Nach dem Krieg wurde er rekonstruiert. Damals wurde auch der gusseiserne Zaun angefertigt. 1976 wurde anstelle eines abgerissenen Wohnviertels ein Platz angelegt. Dort wurde das erste McDonalds in Moskau eröffnet.

Der Strastnoj Boulevard heißt ebenfalls nach einem ehemaligen Kloster. Anfangs, in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts, war der Boulevard nur eine enge Straße mit zwei Baumreihen. Drei Denkmäler stehen auf dem Boulevard. Sie sind dem Dichter Puschkin, dem Komponisten Rachmaninow und dem Liedermacher Wyssotzkij gewidmet. In der Nummer 7 lebten diverse Angehörige der sowjetischen Parteielite, u. a. Gromyko. Einen Komplex von Mietshäusern bilden die Nummern 4, Gebäude 1 bis 5. Das Mietshaus Nummer 8 wurde von Roman Klein, dem Architekten des ZUM, projektiert. In der Nummer 8a befindet sich ein Theaterzentrum, in dem moderne Stücke aufgeführt werden. Der Twerskoj Boulevard ist mit 872 Metern der längste. Er beginnt am Platz Nikitskie Worota und verläuft bis zum Puschkinplatz. Zuerst wurde er nur Boulevard genannt. Die ersten Bäume, die gepflanzt wurden, waren Birken. Sie wurden später durch Linden und andere, seltenere Bäume ersetzt. Der Boulevard avancierte Ende des 18. Jahrhunderts schnell zu einem Lieblingsplatz der Moskauer. Hier gab es Springbrunnen, Bänke, Pavillons. Im Anwesen der Familie Dimitrijew-Mamonow wurde später das Kammertheater und das Puschkintheater untergebracht. In der Nummer 11 lebte die Schauspielerin Jermolowa, deren Museum sich heute dort befindet. Bemerkenswert ist auch das Anwesen der Familie Rimskij-Korsakow unter der Nummer 24-26. Eine lange Geschichte weist das Haus Nummer 25 auf. Dort wurde Alexander Herzen geboren. Später befand sich im Haus ein Verlag, eine Abenduniversität, die anschließend in das Literaturinstitut Maxim Gorkij überführt wurde. Bis heute überdauerte im Hof der Nummer 7 der Herrensitz der Fürsten Golizyn. Das Haus Nummer 10 ist das alte TASS-Gebäude. Der heutige Stolz des Boulevards ist eine Eiche gegenüber der Nummer 14. Sie wurde noch vor der Anlage der Boulevards gepflanzt. Eines der letzten Denkmäler auf dem Twerskoj Boulevard ist Sergej Jesenin gewidmet.

Der Petrowskij Boulevard verläuft zwischen den Plätzen Petrowskie Worota und Trubnaja. Seine Länge beträgt 450 Meter. Der Boulevard wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts angelegt. Gleichzeitig wurde zwischen der ul. Petrowka und dem Boulevard ein Hotel gebaut. Es gehört zu den Gebäuden, die auf Geheiß des Zaren anstelle der ehemaligen Tortürme auf dem Ring gebaut wurden. Der Name des Boulevards geht auf das Hochpeterkloster zurück. Das Feuer 1812 vernichtete Gebäude und Anpflanzungen, doch sechs Jahre später konnten die Moskauer wieder über den Boulevard spazieren gehen. In den kleinen und engen Häusern siedelten sich hauptsächlich Kaufleute an. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden zu beiden Seiten des Boulevards Anwesen für angesehene Bürger errichtet. Die Pferdebahn wurde seit 1911 über den Boulevard kutschiert. Sie wurde von der Straßenbahn A abgelöst. 1941 wurde auch sie durch den Oberleitungsbus ersetzt. Infolgedessen wurden 1961 die Straßenbahnschienen entfernt. Eins der schönsten Häuser steht an der Ecke zur ul. Neglinnaja. Dort befand sich in der Mitte des 19. Jahrhunderts das Restaurant von Lucien Olivier. Nach dem Franzosen wurde der von ihm kreierte Salat benannt. Die Moskauer besuchten das Restaurant gern. Während der sogenannten Professorenmittagessen konnte man Vorträgen bekannter Schriftsteller, Künstler und Wissenschaftler lauschen. Später zog das Haus des Bauern ein. Im ehemaligen Bankettsaal arbeitete die Zentrale Arbeitslosenkommission, auf deren Initiative ein Kino gegründet wurde. Seit 1989 hat dort das Theater des modernen Stücks seinen Sitz. Interessant ist das Haus Nummer 4. Es wurde 1926 von der Genossenschaft „Wohnraum für die Werktätigen“ gebaut. Die meisten anderen Gebäude sind eher adligen Typs und circa 200 Jahre alt. Einige Häuser wie die Nummern 6-8 und 17 gehörten Franzosen, die mit Wein und Lebensmitteln handelten. An der Ecke zur Snamenskij Gasse steht ein Anwesen aus dem 19. Jahrhundert. Hier lebte der populäre Arzt Pikulin. Er war nicht nur ein hervorragender Mediziner, sondern auch ein begnadeter Anekdotenerzähler. 1850 wurde in diesem Gebäude Sofija Kowalewskaja, die weltweit erste Wissenschaftlerin, die sich der Mathematik und Astronomie verschrieben hatte, geboren.

Eigentlich ist der Roshdestvenskij Boulevard nichts anderes als ein 500 Meter langer Abhang. Seinen Namen bekam er vom Bogorodize-Roshdestvenskij Kloster, das im 14. Jahrhundert auf dem heutigen Trubnaja Platz stand. Obwohl die Zarin Katharina II. befahl, die Boulevards in Ordnung zu bringen, herrschte auf dem Roshdestvenskij Boulevard ein chaotisches Durcheinander von Buden. Der Straßenrand war mit mit Häusern bebaut, in denen arme Leute lebten. Sie holten ihr Wasser aus einem Bassin auf dem Trubnaja Platz und mussten es den steilen Anstieg mühsam hochziehen. Die innere Seite des Boulevards blieb vom Feuer 1812 verschont. 1820 wurden Bäume angepflanzt. Unter der Sowjetmacht wurde 1922 das Roshdestwenskij Kloster geschlossen. Trotzdem lebten einige Nonnen weiter in ihren Zellen. Seit 1989 werden dort wieder Gottesdienste gefeiert. 1993 wurde das Kloster der russisch-orthodoxen Kirche zurückgegeben. Anstelle des Hauses Nummer 1/2 befand sich früher die Schänke „Krim“. Sie wurde im Volksmund als Hölle bezeichnet. Für Diebe und Verbrecher war es das Paradies. Dort teilten sie ihr gestohlenes Gut auf, verkauften  und vertranken es. Vor den Olympischen Sommerspielen 1980 wurde das Haus abgerissen und stattdessen das Haus für politische Bildung errichtet. Beispiele für den Jugendstil sind die Häuser 5 bis 9. Auf dem Hügel beginnt ein Viertel alter gut erhaltender Häuser aus der Puschkinzeit. Auf eine wechselvolle Geschichte blickt beispielsweise das Haus Nummer 12 zurück. Es gehörte anfangs der Fürstin Golizyn, später der Familie Fonwisin. Der russische Schriftsteller Denis Fonwisin wurde hier geboren. Später tagte dort die Geheime Gesellschaft. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Tschajkowskij oft zu Gast bei Frau von Meck, der in dieser Zeit das Haus gehörte. Im Haus Nummer 14 wurde ein damals sehr bekannter literarischer Salon abgehalten. Zu Gast waren Gogol, Lermontow und Herzen. Leider verhindert ein neues Kulturzentrum aus Glas und Beton am Ende des Boulevards die Sicht auf das Roshdestvenskij Kloster und den Trubnaja Platz.

Der Boulevardring wurde anstelle der Mauer angelegt, die die ehemalige Weiße Stadt begrenzte. Es ist kein wirklicher Ring, die zehn aufeinanderfolgenden Straßen haben eher die Form eines Hufeisens. Im vorigen Jahrhundert wurde der Ring zweimal rekonstruiert, zu Beginn der zwanziger und am Ende der vierziger Jahre. Und auch gegenwärtig wird dort viel erneuert.

Der kürzeste der Boulevards ist der Sretenskij Boulevard. Er ist nur 214 Meter lang. Seine Bezeichnung geht auf den Platz Sretenskij Tor zurück, wo sich früher die Mauer der Weißen Stadt und der Weg nach Rostow Welikij, Jaroslawl und Kostroma, die heutige ul. Sretenka, kreuzten. Im 17. Jahrhundert ließen sich an dem Weg Händler und Handwerker nieder. Später, aufgrund der Nähe zur aristokratischen ul. Mjasnitzkaja, wurden Anwesen für Kaufleute und Adlige gebaut. Der Boulevard selbst wurde 1830 angelegt. Zwanzig Jahre später standen links und rechts 17 Gebäude, davon nur fünf Holzhäuser. Und auch diese wurden bis zum Ende des 19. Jahrhunderts durch Steinhäuser ersetzt. 1880 begann die Pferdebahn zu fahren, etwas später wurde sie von der Straßenbahn abgelöst. Der Boulevard avancierte schnell zum Lieblingsplatz der Studenten der nahen Kunsthochschule. Für eine reiche Klientel wurden die Mietshäuser der Versicherungsgesellschaft Rossija, die ein ganzes Quartal einnehmen, gebaut. Im Keller wurden eine Heizungsanlagen und Pumpen installiert. Eine Klimaanlage gab es, die nicht nur kalte Luft erzeugte, sondern sie auch filterte und befeuchtete. Die Wasserversorgung wurde dank eines Brunnens gewährleistet. Eine unabhängige Elektrostation sorgte für Strom. Fahrstühle und eine Wäscherei komplettierten den Service. Die 148 Wohnungen hatten zwischen 200 und 400 m² Fläche, die Decken waren bis zu 4,2 Meter hoch. Alle Wohnungen waren mit Küchenherd und Spüle ausgerüstet, ebenso mit Bad und Toilette mit Wasserspülung. Die Dachwohnungen hatten ein Oberlicht und konnten als Atelier genutzt werden. Leider wurden in der Sowjetzeit die großen Wohnungen zerstückelt und als Kommunalkas mit Bewohnern vollgestopft. Jetzt versucht man, den Grundriss der Wohnungen teilweise wieder herzustellen. Die Jugendstil-Fassade ist reich verziert mit Balkons, Türmchen und allegorischen Figuren.

Auf der äußeren Seite des Boulevards stehen vor allem administrative Gebäude aus den siebziger und achtziger Jahren. 1995 wurde auf dem Sretenskij Boulevard 11 ein Gebäude für das Ministerium für Elektroindustrie eingeweiht. Heute gehört es Lukoil. 2007 wurde die Metrostation Sretenskie Worota eröffnet.

In der Gegend, durch die heute der Tschistoprudnyj Boulevard führt, befand sich zu Beginn des 16. Jahrhunderts ein Schlachthof. Gleich daneben lag ein Sumpf, wohin alle Abfälle geworfen wurden. Wegen des Drecks und des schlimmen Geruchs bekam das Gelände den Namen Schmutziger Teich. Auf Initiative eines Gutsbesitzers, einem Günstling Peters I., der dort ein Anwesen bekam, wurde der Teich gereinigt und es bürgerte sich die Bezeichnung Saubere Teiche ein. Im 19. Jahrhundert wurden am Boulevard zwei Hotels gebaut. Eins davon, das Hotel am Pokrowsker Tor, steht heute noch fast unverändert. Die innere Seite wurde mit zweistöckigen Häusern der Moskauer reichen Beamten bebaut. Die äußere Seite bevölkerten in einstöckigen Häusern ärmere Menschen. Erst später wurden höhere Gebäude errichtet. 1959 wurde am gegenüber der Metro Tschistye Prudy ein Denkmal für Gribojedow, einen russischen Dichter, eingeweiht. Das Eckhaus Nummer 1 überstand das Feuer 1812. Ebenso trägt ein Steinhaus mit zwei Etagen und einem Ornament die Nummer 1. Der Häuserkomplex Nummer 2 stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Erbaut wurde er für die Postkutschen. Interessant ist das Haus Nummer 12 a aus dem Jahr 1927. Das sechsstöckige Haus (die siebte wurde erst 1948 aufgesetzt) wurde mit einer für ihre Zeit sehr fortschrittlichen Konstruktion aus Eisenbeton versehen. Das Gebäude des heutigen Theaters Sowremennik wurde 1912 nach Plänen des Architekten Roman Klein als Kino Kolosseum gebaut. Das wohl auffälligste Haus ist die Nummer 14, ein Beispiel des späten „nationalen“ Jugendstils. Seine Fassade ist mit allerlei Fabeltieren verziert. Die Route der Straßenbahn, die den Boulevard befährt, führt von Tschistye Prudy vorbei an vielen Sehenswürdigkeiten bis in den Süden der Stadt.

Der Pokrowskij Boulevard ist eine schmale grüne Allee und fällt zur Moskwa hin ab. Im 17. Jahrhundert bewohnten Ukrainer diese Gegend. Aus dieser Zeit stammt die Dreifaltigkeitskirche. Ende des 18. Jahrhunderts begann man auf Weisung des Zaren Pavels I. mit dem Bau der Pokrowsker Kasernen, heute Nummer 3. Das Gebäude erhielt seine endgültige Fassade 1830, als es von Gilardi restauriert wurde. Vor der Kaserne erstreckte sich ein riesiger Exerzierplatz, der ab 1954 bebaut und bepflanzt wurde. Das Feuer 1812 vernichtete einen Großteil der Gebäude und so konnte der Boulevard neu bebaut werden. Viele der klassizistischen Gebäude sind bis heute erhalten. Stadteinwärts auf der linken Seite befindet sich der Miljutinskij Garten. 1929 wurde das Haus Nummer 5 errichtet, vorgesehen war es für eine automatische Telefonstation. Bemerkenswert sind die engen, vertikalen, schlitzartigen Fenster. Daneben steht das Haus Nummer 7 im Empirestil aus dem Jahr 1816. Leider hat es durch die Sanierung ihre historische Fassade verloren. An der Ecke ul. Woronzowo Pole und Pokrowskij Boulevard befindet sich heute die Kybischew-Militärakademie. Früher gehörte der gesamte Palast mit klassizistischem Portikus der adligen Familie Durasov.

Unter den Boulevards nimmt der Jausskij Boulevard den geringsten Platz ein. Er litt am meisten unter der Feuersbrunst von 1812. Der Jausaer Weg, der früher nach Kolomna und Rjasan führte, befand sich im Zentrum des Feuers. Nur die mächtige Erziehungsanstalt für Waisen  und kriminelle Jugendliche, die an den heutigen Boulevard grenzt, blieb verschont. Die Kaufmannschaft bemächtigte sich der Grundstücke, auf denen die abgebrannten Häuser standen. Ein Platz blieb frei, ein Dreieck, wo jetzt das Haus Nummer 2/16 steht, das Anwesen des Generals Chitrov. Später entstand hier der Chitrov-Platz mit seiner ganzen traurigen Geschichte. Die Bebauung der geraden Seite geht auf das 18./Beginn des 19. Jahrhunderts zurück (außer Nummer 2-8, die aus der Sowjetzeit stammen). Das riesige Haus 2/16 an der Ecke der Podkolokolnyj Gasse weckt besondere Aufmerksamkeit. Es wurde zwischen 1936 und 1941 im Stil des Postkonstruktivismus gebaut. In der Mitte zieht ein großer Torbogen mit den Skulpturen von Arbeiter und Bäuerin den Blick auf sich. Früher befand sich hier ein großer Garten. Ein Steinhaus der adligen Familie Schtscherbakov ist noch im Hof zu sehen. Das Nachbarhaus ist das von General Chitrov, der es nach dem Feuer erwarb. Er richtete einen Markt für Fleisch und Kräuter ein. Das Gelände wurde gesäubert und in Ordnung gehalten. Doch nach dem Tod des Generals verkam der Markt. Obdachlose, geflohene Sträflinge und Diebe siedelten sich an. Alle angrenzenden Häuser verwandelten sich nach und nach in Schlafquartiere für diese Leute. Nach der Revolution wurden die Unterkünfte liquidiert. In die Kommunalwohnungen zogen ordentliche Moskauer Bürger ein.

Obwohl zu beiden Seiten der grünen Boulevards der Verkehr fließt, laden sie bei schönem Wetter zum Spazierengehen ein.

 

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